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Gelungener Doppel-Auftakt in Darmstadt |
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Das 1.
Sinfoniekonzert unter dem neuen GMD begeistert mit einem
überzeugenden Programm |
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Halbwegs auf der Linie der eher
avantgardistisch gesinnten Kritiker lag denn auch das Programm des
Auftaktkonzertes. Es begann mit Richard Strauss,
der
ja mittlerweile zu den akzeptierten "Klassikern" zählt, wenn
auch seine Tondichtung "Don Juan" Ende des 19. Jahrhunderts entstand.
Am Ende stand Beethovens 7.
Sinfonie
in A-Dur, der Klassiker schlechthin,
und
in der Mitte Dmitri
Schostakowitschs Celloconcert aus dem Jahr 1959. Der Programmaufbau
war insofern Wasser auf die Mühlen der Kritiker, als das
"moderne" Stück an eine Programmstelle gestellt wurde, die ein
späteres Erscheinen oder gar ein vorzeitiges Verlassen des
Konzertes unmöglich machte. Angesichts der bekannten - und
durchaus
legitimen - Vorliebe der Publikumsmehrheit für Klassik und
Romantik und einer immer noch vorhandenen Skepsis gegenüber der
Musik des ausgehenden 20. Jahrhunderts erscheint diese Maßnahme
durchaus gerechtfertigt, will man ein Ausdünnen der
Zuhörerschaft vermeiden. Die Protagonisten der neuen Musik jedoch
werden sie immer als Diskriminierung der Moderne verstehen.
Soweit zu den Misstönen im
Vorfeld dieser Saison und damit auch dieses Konzertes. "Lasst uns
jetzt angenehmere anstimmen - und freudenvollere". Anlass dazu bot das
Konzert selbst mehr als genug, stimmte es doch sehr angenehme und
freudenvolle Töne an. Es begann bereits mit Richard Strauss'
Tondichtung "Don Juan", die Constantin Trinks vom ersten Ton an
kraftvoll und mit einer klaren Konturierung der Bläser
präsentierte. Darüber hinaus arbeitete er die rhythmischen
Aspekte deutlich heraus und nahm dem Stück dadurch von vornherein
die latente Gefahr eines breiigen Dahinströmens. Geradezu dominant
setzten sich die metrischen Akzente über lange Strecken durch und
trieben dadurch die musikalische Aussage voran. Schließlich
besagt bereits der Titel, dass es hier um Programm-Musik geht, wenn
auch von der feineren Art. Hintergrund ist die Lenau-Dichtung "Don
Juan", die diesen Typus in drei Phasen schildert: erst den von der
Erotik Beseelten, dann den vom Begehren selbst Besessenen und
schließlich den vom übermäßigen Genuss
Enttäuschten und Gelangweilten. Es ging also auch Richard Strauss
bei der Umsetzung dieser Vorlage nicht um schöne Klänge
sondern um die Herausstellung des suchtartigen Triebs, der Besessenheit
dieses Charakters. Überwiegen im ersten Teil die lyrischen Motive,
setzen sich im zweiten Teil schrill auffahrende Klangfiguren,
zerrissene Themen und teilweise dissonante Harmonien durch, die dann
plötzlich in wenigen entsagungsvollen, ja geradezu resignierend
leeren Schlussakkorden enden. Das Orchester bewahrte in jeder Phase
dieses Interpretation eine hohe Transparenz der einzelnen Stimmen bis
zu den Flöten, Klarinetten, Oboen und Hörnern. Jedes einzelne
Instrument ließ sich in seiner Intonation verfolgen, keine Stimme
ging im allgemeinen Orchesterklang unter. Schon diese Konzerteinleitung
war ein Genuss und wurde vom Publikum auch durch entsprechenden Beifall
gewürdigt.
Das Solokonzert bestritt an diesem Abend die russische Cellistin Natalia Gutman mit Schostakowitschs Cellokonzert in Es-Dur. Dieses Konzert entstand Ende der fünfziger Jahre in einer etwas freundlicheren Umgebung als zu Stalins Zeiten und fand auch beim Moskauer Publikum sofort großen Anklang. Es beginnt mit einem Cello-Solo, das sofort die ganze Aufmerksamkeit der Zuhörer erfordert. Langsam und verhalten schließen sich die Holzbläser an, dann folgt das Orchester mit einem expressiven Marschrhythmus. Tonal erinnern so manche Harmonien und Figuren an den Jazz, vor allem in den Solopartien. Der zweite Satz setzt mit einem erstaunlich tonalen "tutti" des Orchesters ein, dem sich dann klar konturiert die Hörner anschließen und dann erst das Cello. Ein liedhafter, geradezu lyrischer Grundtenor beherrscht diesen Satz, in dem sich das Orchester und das Cello abwechseln, bis dieses zu einer langen Kadenz ausholt, die wiederum hohe Intensität und Verinnerlichung auszeichnen. Die Kadenz geht dann nahezu übergangslos in das "Allegro con moto" des Finalsatzes über, der in schnellen Sechsachtel-Ketten vorantreibt, wobei neben dem Cello immer wieder die Hörner hervorstechen. Der Schlussakkord kommt dann plötzlich und unerwartet, so dass die Zuhörer sich erst über das Ende klar werden mussten, bevor der Beifall einsetzte. Natalia Gutman interpretierte dieses Konzert mit hoher technischer Perfektion, die sich vor allem in den langen Doppelgriff-Passagen zeigte. Doch neben der reinen Virtuosität überzeugte vor allem die Interpretation, die eine solche Dichte erreichte, dass man kaum ein Husten im Saal hörte, was angesichts der um sich greifenden akustischen Verwahrlosung im Zuschauerraum als bemerkenswert hervorzuheben ist. Das Publikum ließ sich buchstäblich gefangen nehmen von diesem Vortrag der russischen Cellokünstlerin. Constantin Trinks hielt das Orchester mit viel Fingerspitzengefühl auf gebührendem akustischen Abstand und setzte nur dort die Akzente, wo sie erforderlich waren. Das Publikum zeigte sich ein weiteres Mal begeistert und erreichte mit stürmischem Beifall noch eine Zugabe. Zum krönenden Abschluss
erklang nach der Pause Beethovens 7. Sinfonie in A-Dur, die nicht
wenige Musikexperten als seine beste bezeichnen. Trinks ließ den
ersten Satz mit mäßigem Tempo angehen, baute aber von den
ersten Akkorden an Spannung auf. Markant und präzise kamen die
Einsätze der einzelnen Instrumentengruppen, wie schon bei Strauss
bestachen die Transparenz und die innere Spannung des Orchesters. Auch
hier überzeugten wieder die Bläser, deren Einsätze nicht
einfach sind, doch wie gestochen kamen. Den zweiten Satz nahm Trink
erstaunlich schnell, hielt sich aber an die Tempobezeichnung
"allegretto". Man hat diesen Satz schon wesentlich langsamer
gehört, im Stil eines Trauermarsches, als der er bisweilen auch
bezeichnet wird. Trinks verlieh ihm durch das höhere Tempo einen
federnden Schwung und nahm ihm das Düstere, das diesen Satz in
vielen Interpretationen umschwebt. Auch die Bezeichnung des dritten
Satzes nahm Trinks wörtlich und trieb ihn schneller voran als
andere Dirigenten vor ihm. Immerhin ist es ein "Presto", warum also
nicht? Trotz des hohen Tempos zeigte sich gerade bei dem "polyphonen"
Charakter dieses Satzes mit seinen unterschiedlichen
Stimmführungen die hohe Präzision des Orchesters, waren doch
wieder die einzelnen Instrumente in ihren Melodieführungen genau
herauszuhören, und die Einsätze erfolgten zupackend und wie
aus der Pistole geschossen, vor allem bei den schwierigen Hörner,
aber auch bei den anderen Bläsern. Der Finalsatz schließlich
präsentierte sich mit einem geradezu leidenschaftlichen Auftakt.
Auch hier betonte Trinks wieder deutlich das metrische Muster und trieb
über diesen Grundtakt die Musik unaufhaltsam voran, so wie es sich
der bereits weitgehend taube Beethoven vorgestellt haben mag. Immer
schneller und dabei höchst diszipliniert drehte sich das
Klangkarussel, vorbei an abrupten Tempowechseln, die wie ein
vorzeitiger Schlussakkord wirkten, dann wieder weiter sich
aufschwingend bis zum Schlussakkord, in den sich das Orchester
regelrecht hineinsteigerte. Das Publikum reagierte auf diese
mitreißende Interpretation mit begeistertem Beifall und
reichlichen "Bravo"-Rufen und ließ Trinks eins ums andere Mal aus
den Kulissen zurückkommen, um die einzelnen Musiker hervorzuheben.
Zwar ließ er Einzelne - zu Recht - aufstehen, aber an diesem
Abend hätte er alle Musiker des Orchesters hervorheben
können, und am Ende tat er das auch, nachdem ihm das Orchester
durch beharrliches Sitzenbleiben und Klopfen seine Reverenz erwiesen
hatte. Die Zuhörer gingen aufgekratzt und voller Musik im Kopf
nach Hause und dürfen sich mit Recht auf eine spannende
Konzertsaison freuen. |
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