An Rhein und Wein entlang




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Literarische Wanderung 2008






















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Die "Literarische Wanderung" des Rheingau Literatur Festivals führt auf Dichterspuren durch den Rheingau

 

Der Bericht über die letztjährige Veranstaltung gleicher Art endete mit dem Versprechen der Teilnehmer, sich im nächsten Jahr zum selben Zweck am selben Ort zu treffen ("wann treffen wir drei wieder zusamm'?"). Nun, so kam es, und man erkannte am Morgen des 19. September am Hattenheimer "Kronenschlösschen" so manches Gesicht aus dem letzten Jahr wieder, vom Wanderführer, Moderator und Vorleser Dr. Heiner Boehncke ganz zu schweigen. Dieser scheint - frei nach Faust I - einen Pakt mit dem Himmel oder dem +++ geschlossen zu haben, denn auch an diesem Samstag strahlte eine warme Septembersonne aus einem blauen Himmel, und auf dem friedlichen Rhein spiegelten sich die Bäume der Rheininsel und die vorbeiziehenden Schiffe. Wer weiß, womit Heiner Boehncke dereinst dieses Entgegenkommen der höheren Mächte bezahlen muss...

Den Gästen war's allerdings recht, und man schlenderte gemächlich - einige an der Spitze auch recht forsch - wie im letzten Jahr zum Oestricher Kran und weiter zum Weingut Herke, wo der spritzige "Frechdachs" - ein Perlwein des Hauses - floss und der Hausherr einige Lieder zum Akkordeon und zur Gitarre zum Besten gab. Wer den Bericht des letzten Jahres liest (sie Kasten links) stellt schnell fest, dass sich die Abfolge der Stationen nicht geändert hat. Selbst die kleine Pause an der Kreuzung in den Weinbergen auf dem Gang zum Schloss Vollrads wiederholte sich, und auch der berühmten Goethe-Wiese, die ihren Namen von der expliziten Erwähnung des Geheimrates in seinen Rheingau-Schilderungen trägt, galt wieder eine längere Pause mit dahingelagerten Gästen und einem vorlesenden Heiner Boehncke. Schloss Vollrads mit Flammkuchen - dieses Mal mit längeren Wartezeiten am Stand wegen großen Andrangs - und der abschließende "Anstieg" zum Schloss Johannisberg rundeten den Tag wie im letzten Jahr ab. Um Missverständnisse zu vermeiden: hier geht es nicht um eine Kritik an der Wiederholung, sondern nur um einen kurzen Verweis auf die Gleichartigkeit des Programms, die ja im Sinne eines wiederkehrenden Programmpunktes durchaus sinnvoll ist. Schließlich präsentiert ja auch das Rheingau Musik Festival jedes Jahr zum Teil die selben musikalischen Werke oder die selben Interpreten, bisweilen sogar beides. Die Gäste müssen ja nicht identisch sein.

Doch Heiner Boencke setzte bei den literarischen Inhalten neue Akzente. Dieses Mal ließ er bewusst einen "mäkelnden" Goethe zu Wort kommen, der in seinen Berichten über den Rheingau und dessen Bauten immer wieder auch die Schattenseiten beleuchtete und statt romantischer Hymnen über Weinberge und Schlösser die wirtschaftlichen Probleme und den schlechten Zustand so mancher Gebäude thematisierte. Überhaupt kratzte er einen wenig am Lack des "großen Weimarers", indem er zeitgenössische Berichte über seine Altersschrulligkeit und seltsamen Essgewohnheiten kolportierte. Dadurch schuf er eine lockere Atmosphäre, ganz ohne die Schwere ernster Literatur, und gab des Öfteren Gelegenheit zum Schmunzeln.

Die besagten himmlischen Mächte hielten ihre Wasserschleusen den ganzen Tag über geschlossen und schickten stattdessen eine während der Nachtstunden gut erholte und daher kräftige Sonne  auf ihre Tagesreise, die den Bildungswanderern so manchen Schweißtropfen entlockte. Na ja, ohne  Schweiß kein Preis - und letzterer floss zum Schloss auf Schloss Johannisberg in Form eines erlesenen Tropfens.

Auch dieses Jahr ergaben sich auf der Wanderung wieder viele Gelegenheiten zu Gesprächen über den Rheingau, die verschiedenen Festivals, den Wein und über dies und das. Alle Teilnehmer genossen den sonnigen Tag in vollen Zügen, und viele werden wohl auch im nächsten Jahr das identische Programm - nur mit wieder anderen Texten - ein weiteres Mal absolvieren.

Frank Raudszus