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"Schräger Herbst" mit Akrobatik und
Witz |
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Das
Bensheimer Varieté-Theater "Pegasus" startet mit einem
anspruchsvollen Programm in den
Herbst |
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Durch das Programm führte
dieses Mal Otto Kuhnle, der einen eher direkten Witz vorzieht. Seine
Aufgabe besteht hauptsächlich darin, die durch hohe Konzentration
geprägten Vorführungen der Artisten aufzulockern, um beim
Publikum außer ehrfürchtigem Staunen auch den Spaß zu
wecken. Zugegebenerweise erinnert diese Aufgabe bisweilen ein wenig an
die Quadratur des Kreises, denn die Artisten erwarten natürlich
bei ihren Darbietungen Kozentration - und damit Ruhe - auch beim
Publikum. Wenn sie dann das
Publikum in ihren akrobatischen Bann ziehen, muss der Conferencier die
Zuschauer anschließend wieder aus einer gewissen Erstarrung
herausziehen. Damit diese Aufgabe nicht zu schwer wird, haben die
Artisten in dieses Programm bereits eine gehörige Portion Humor
einfließen zu lassen. Das beginnt bereits mit einem kleinen
"Vorspiel", wenn die Darsteller in unterschiedlichen Tierkostümen
- bis zum männlichen "Bunny" - auf die Bühne kommen und
sich vom Dompteur alias Conferencier dressieren lassen. Das artistische Programm selbst
beginnt dann auch gleich mit einer Paar-Nummer, die teilweise den Atem
raubt. Das französische Duo "Benelo" beeindruckt mit einer
perfekten Abfolge von waghalsigen und äußerst schwierigen
Hand- und Kopfständen, wobei sich der Mann unter der auf seiner
einen Hand ihrerseits einen Handstand präsentierenden Partnerin
bewegt, dreht, hinsetzt und aufsteht, ohne dass das fragile Gebilde von
zwei umgekehrt aufeinander stehenden Menschen aus dem Gleichgewicht
gerät. Die zeitweise körperlos scheinenden oder geradezu
gegen die Schwerkraft gerichteten Bewegungsabläufe erfolgen dabei
leicht und flüssig, als seien sie die natürlichste
Bewegungsart des Menschen. Bei aller gesammelten Kraft und
Konzentration kommt jedoch auch der Humor nicht zu kurz, wenn die
beiden zwischendurch immer wieder kleine gestische oder mimische
Slapstickeinlagen bringen, die für Erheiterung beim Publikum
sorgen und der Vorführung eine zusätzliche Leichtigkeit
verleihen.
Die beiden Berliner Lutz und
Moritz sind für die Auflockerung des Bühnengeschehens
zuständig, das allerdings mit akrobatischem Geschick. Mal werfen
sie sich allerlei Gegenstände in halsbrecherischer Jonglage zu,
dann wieder spielen sie zwei Barkeeper, die verschiedene Flaschen vor
dem Herunterfallen retten, oder sie beeindrucken mit akrobatischen
Einlagen. Auch sie lassen dabei immer wieder die Situationskomik zu
ihrem Recht kommen, was das Publikum dankbar honoriert. Der Zauberer Pilou dagegen
rückt die "Verzauberung" des Publikums in den Vordergrund und
überhäuft den Bühnenboden mit immer neuen Spielkarten,
die er scheinbar alle aus einem einzigen Kartensatz gewinnt. Wie der
berühmte unerschöpfliche Griesbrei-Topf aus dem Märchen
quellen immer neue Spielkarten und andere Utensilien aus seinen
Händen, und die Zuschauer fragen sich mit Recht, wo sie alle
herkommen. Denn Pilou selbst steht dabei unschuldig schweigend auf der
Bühne und scheint selbst erstaunt über den nicht versiegenden
Strom von Spielkarten zu sein. Andrea aus Ungarn zeigt
anspruchsvolle und ästhetische Luftakrobatik in einem zum Herz
geformten Ring und lässt in einer zweiten Vorführung ein
großes weißes Tuch am Seil lebendig werden. Rob Alten aus
England erstaunt mit seinen Kunststücken auf seinem Fahrrad,
lässt dieses senkrecht auf einem Rad stehen oder fährt gar
einrädrig über die Bühne. Das sieht bei ihm so leicht
aus, dass man es zu Hause gleich selbst versuchen möchte. Vorsicht! Die Schwertschluckerin "The
beautiful Jewels" lässt verschiedene langstielige Gegenstände
- u. a. eine Blume - in ihrem Hals verschwinden und
schließlich - spektakulär! - auch noch das
obligatorische Schwert. Den Zuschauer schaudert's, wenn er an den -
vermeintlichen? - Weg des Schwertes durch den Körper der jungen
Frau denkt, und stellt sich diesen Vorgang bei sich selbst lieber nicht
vor. Otto Kuhnle liefert dazu in den
Pausen immer wieder Slapstick verschiedener Art. So erscheint er zu
Beginn
der zweiten Hälfte im kurzen Kleidchen, mit blonder Perücke
und weißen Kniestrümpfen als Nervensäge "Helga", die unbedingt auftreten will und dabei für allerlei
Verwirrung auf der Bühne sorgt. Dann wiederum lässt er
auf groteske Weise fünf Tischtennisbälle "verschwinden" und
erntet mit diesem Parade-Slapstick viele Lacher. Natürlich
bezieht er auch das Publikum in seine Bühnenauftritte ein, jedoch
ohne jegliche Peinlilchkeiten für die Beteiligten, die auch ihren
Spaß dabei haben. Das angenehme und für ein
Varieté gut geeignete Ambiente des "Pegasus" trägt ein
Übriges zum Gelingen dieses Abends bei, ebenso wie die
Gastronomie, die sich erfolgreich um das leibliche Wohl der Besucher
kümmert. Wie bereits gesagt: Bensheim ist
immer einen Besuch wert, vor allem wenn es ins Varieté
"Pegasus" geht. |
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