"Schräger Herbst" mit Akrobatik und Witz




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Frühlingshafte Leichtigkeit im Herbst 2008















































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Das Bensheimer Varieté-Theater "Pegasus" startet mit einem anspruchsvollen Programm in den Herbst


Wie wir bereits im letzten Jahr festgestellt haben, ist Bensheim an der hessischen Bergstraße  in kultureller Hinsicht - und nicht nur in dieser - immer eine Reise wert. Dieses Mal lockte uns das neue Programm namens "Schräger Herbst" des Varieté-Theaters "Pegasus" ins Zentrum der Bergstraße an den westlichen Hängen des Odenwalds. Der Titel des neuen Programms versprach Unterhaltung und Humor, und dieses Versprechen wurde schließlich auch nicht enttäuscht, ohne dass die humoristische Seite auf Kosten der artistischen Qualität ging.

Die einleitende Raubtier-Dressur
Die einleitende Raubtier-Dressur

Durch das Programm führte dieses Mal Otto Kuhnle, der einen eher direkten Witz vorzieht. Seine Aufgabe besteht hauptsächlich darin, die durch hohe Konzentration geprägten Vorführungen der Artisten aufzulockern, um beim Publikum außer ehrfürchtigem Staunen auch den Spaß zu wecken. Zugegebenerweise erinnert diese Aufgabe bisweilen ein wenig an die Quadratur des Kreises, denn die Artisten erwarten natürlich bei ihren Darbietungen Kozentration - und damit Ruhe - auch beim Publikum. Wenn sie dann das Publikum in ihren akrobatischen Bann ziehen, muss der Conferencier die Zuschauer anschließend wieder aus einer gewissen Erstarrung herausziehen. Damit diese Aufgabe nicht zu schwer wird, haben die Artisten in dieses Programm bereits eine gehörige Portion Humor einfließen zu lassen. Das beginnt bereits mit einem kleinen "Vorspiel", wenn die Darsteller in unterschiedlichen Tierkostümen - bis zum männlichen "Bunny" - auf die Bühne  kommen und sich vom Dompteur alias Conferencier dressieren lassen.

Das artistische Programm selbst beginnt dann auch gleich mit einer Paar-Nummer, die teilweise den Atem raubt. Das französische Duo "Benelo" beeindruckt mit einer perfekten Abfolge von waghalsigen und äußerst schwierigen Hand- und Kopfständen, wobei sich der Mann unter der auf seiner einen Hand ihrerseits einen Handstand präsentierenden Partnerin bewegt, dreht, hinsetzt und aufsteht, ohne dass das fragile Gebilde von zwei umgekehrt aufeinander stehenden Menschen aus dem Gleichgewicht gerät. Die zeitweise körperlos scheinenden oder geradezu gegen die Schwerkraft gerichteten Bewegungsabläufe erfolgen dabei leicht und flüssig, als seien sie die natürlichste Bewegungsart des Menschen. Bei aller gesammelten Kraft und Konzentration kommt jedoch auch der Humor nicht zu kurz, wenn die beiden zwischendurch immer wieder kleine gestische oder mimische Slapstickeinlagen bringen, die für Erheiterung beim Publikum sorgen und der Vorführung eine zusätzliche Leichtigkeit verleihen.

Das Duo Beleno
Das Duo Beleno

Die beiden Berliner Lutz und Moritz sind für die Auflockerung des Bühnengeschehens zuständig, das allerdings mit akrobatischem Geschick. Mal werfen sie sich allerlei Gegenstände in halsbrecherischer Jonglage zu, dann wieder spielen sie zwei Barkeeper, die verschiedene Flaschen vor dem Herunterfallen retten, oder sie beeindrucken mit akrobatischen Einlagen. Auch sie lassen dabei immer wieder die Situationskomik zu ihrem Recht kommen, was das Publikum dankbar honoriert.

Der Zauberer Pilou dagegen rückt die "Verzauberung" des Publikums in den Vordergrund und überhäuft den Bühnenboden mit immer neuen Spielkarten, die er scheinbar alle aus einem einzigen Kartensatz gewinnt. Wie der berühmte unerschöpfliche Griesbrei-Topf aus dem Märchen quellen immer neue Spielkarten und andere Utensilien aus seinen Händen, und die Zuschauer fragen sich mit Recht, wo sie alle herkommen. Denn Pilou selbst steht dabei unschuldig schweigend auf der Bühne und scheint selbst erstaunt über den nicht versiegenden Strom von Spielkarten zu sein.

Andrea aus Ungarn zeigt anspruchsvolle und ästhetische Luftakrobatik in einem zum Herz geformten Ring und lässt in einer zweiten Vorführung ein großes weißes Tuch am Seil lebendig werden. Rob Alten aus England erstaunt mit seinen Kunststücken auf seinem Fahrrad, lässt dieses senkrecht auf einem Rad stehen oder fährt gar einrädrig über die Bühne. Das sieht bei ihm so leicht aus, dass man es zu Hause gleich selbst versuchen möchte. Vorsicht!

Die Schwertschluckerin "The beautiful Jewels" lässt verschiedene langstielige Gegenstände - u. a. eine Blume - in ihrem Hals verschwinden und schließlich  - spektakulär! - auch noch das obligatorische Schwert. Den Zuschauer schaudert's, wenn er an den - vermeintlichen? - Weg des Schwertes durch den Körper der jungen Frau denkt, und stellt sich diesen Vorgang bei sich selbst lieber nicht vor.

Otto Kuhnle liefert dazu in den Pausen immer wieder Slapstick verschiedener Art. So erscheint er zu Beginn der zweiten Hälfte im kurzen Kleidchen, mit blonder Perücke und weißen Kniestrümpfen als Nervensäge "Helga", die unbedingt auftreten will und dabei für allerlei Verwirrung auf der Bühne  sorgt. Dann wiederum lässt er auf groteske Weise fünf Tischtennisbälle "verschwinden" und erntet mit diesem Parade-Slapstick viele Lacher. Natürlich bezieht er auch das Publikum in seine Bühnenauftritte ein, jedoch ohne jegliche Peinlilchkeiten für die Beteiligten, die auch ihren Spaß dabei haben.

Das angenehme und für ein Varieté gut geeignete Ambiente des "Pegasus" trägt ein Übriges zum Gelingen dieses Abends bei, ebenso wie die Gastronomie, die sich erfolgreich um das leibliche Wohl der Besucher kümmert.

Wie bereits gesagt: Bensheim ist immer einen Besuch wert, vor allem wenn es ins Varieté "Pegasus" geht.

Frank Raudszus