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Gesang
auf schwarzen und weißen Tasten |
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Im
zweiten Kammerkonzert des Staatstheaters Darmstadt spielt der Pianist
Bernd Glemser Mendelssohn und Chopin |
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Glemser begann das Programm mit
acht "Liedern ohne Worte" von Mendelssohn-Bartholdy. Diese kurzen
Kompositionen zeichnen sich, wie schon der Name andeutet, durch ihre
liedhafte Form aus, die geradezu zum Mitsingen animiert. Man hat bei
diesen Liedern das Gefühl, sie seien mit Text geschrieben und
dieser später nur weggelassen worden. So sehr imitiert das Klavier
die Stimmlagen und Emotionen der menschlichen Stimme. Oft fühlt
man sich an Schubert- oder Schumann-Lieder erinnert, wobei nur der
Klang der menschlichen Stimme fehlt. Gestaltete sich die Einleitung des
Abends mit der op. 19 Nr. 1 in E-Dur noch verhalten, so steigerte sich
der Ablauf bereits mit dem zweiten Stück, dem mal expressiven, mal
lyrischen op. 19 Nr. 5 in fis-Moll. Es folgte mit dem "Venetianischen
Gondellied" (op. 30 Nr. 6 in fis-Moll) ein fast im Largo-Tempo
beginnendes Lied, danach erklang das nachdenkliche, moderate op. 38 nr.
2 in c-Moll. Als wilde Jagd kam das "Spinnerlied", op. 67 Nr. 4 in
C-Dur, daher, während das anschließende op. 62 Nr. 1 in
G-Dur eher lyrische, träumerische Züge trug. Den doppelten
Schluss bildeten der majestätisch einherschreitende "Trauermarsch"
(op. 62 Nr. 3 e-Moll) und das quirlige "Jägerlied" op. 19. Nr. 3
in A-Dur. In diesen acht Beispielen durchmaß Glemser bereits die
gesamte Palette von stiller Lyrik bis zum akkordischen Auftrumpfen, von
langsamem Schreiten bis zu blitzenden, vorwärts stürmenden
Läufen. Bereits hier zeigte er seine beeindruckende
Virtuosität und vor allem eine Anschlagskunst, die den Charakter
des Flügels als "Schlaginstrument" nahezu vergessen ließ, so
streichelte er die Tasten und entlockte ihnen die zartesten, fast
hingehauchten Töne.
Als Zwischenstück vor der
zweiten Partie von "Lieder ohne Worte" spielte Glemser die Fantasie
fis-Moll op. 28, auch "Sonate écossaise" genannt. Mit der
Sonatenform hat dieses Werk die Dreisätzigkeit und die Länge
gemein, doch die freie Form, die eher dem motivischen Einfall des
Augenblicks denn einem festen Themen- und Ablaufplan zu folgen scheint,
lässt die Bezeichnung "Fantasie" treffender erscheinen. Bereits
der erste, längere Satz zeichnet sich durch spannungsgeladene
Variationen von Tempo und Dynamik aus; zwischen Fortissimo und
Ritardando liegen nur Augenblicke, von der Höhe der Ekstase
stürzt die Musik plötzlich in eine kurzfristige Verharrung,
ja fast Erstarrung, um sich dann wieder aufzuschwingen. Nach einem
kurzen zweiten Satz folgt ein virtuos-rasanter Finalsatz mit sich
überschlagenden, geradezu rasenden Läufen. Bei all dieser
Perfektion der schnellen Läufe bestach Glemser jedoch vor allem
mit seinem geradezu "unterirdischem" Anschlag in den lyrischen
Passagen. Der spontane Applaus nach diesem fulminanten Zwischenspiel
zeigte deutlich die Begeisterung des Publikums. Anschließend beruhigte
Glemser die Gemüter mit sechs weiteren "Liedern ohne Worte".
Den Anfang machte das ruhig dahinfließende op. 85 Nr. 4 in D-Dur,
es folgte wiederum ein "Venetianisches Gondellied", nun jedoch das
düster-traurige op. 19 Nr. 6 in g-Moll. Das Es-Dur-Lied (op. 53
Nr. 2) löste die Beklemmung seines Vorgängers durch seine
bewegte Fröhlichkeit, und das folgende "Duetto" (op. 38 Nr. 6 in
As-Dur) kam im gleichmäßig voranschreitenden 6/8-Takt daher.
Nach dem tänzerisch leichten und akzentuierten op. 67 Nr. 2 in
fis-Moll setzte das abschließende op. 102 Nr. 5 in A-Dur noch
einmal einen liedhaft-lieblichen Akzent. Auch in dieser Staffette
präsentierte Glemser wieder eine ausgewogene Palette von Liedern
mit allen Ausdrucksvarianten und bewies wiederum seine hohe
Interpretationskunst.
Im zweiten Teil des Programms
präsentierte Glemser verschiedene einsätzige Stücke von
Frédéric Chopin. Er begann mit der ausgedehnten Ballade
Nr. 1 op. 23 in g-Moll. Dieses ausgesprochen spannungsreiche Stück
lebt von seinen Kontrasten, seinen Tempowechseln, den brillanten
Läufen und der komplexen Harmonik mit dem typischen Chopin-Klang. Das Publikum zeigte sich derart
begeistert von der Interpretationskunst Bernd Glemsers, dass dieser
nach dem nicht enden wollenden Applaus in kurzen Abständen noch
drei Zugaben spielte: Die "Gavotte" aus der Suite E-dur von J. S.
Bach in der Bearbeitung von Rachmaninov, die Etude f-dur op. 104 von
Mendelssohn und "Jesus bleibet meine Freude" von J.S.Bach/Hess.
Alle Fotos © Barbara Aumüller |
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