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k.u.k-Humor - Katholizismus und
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Die
"Neue Bühne Darmstadt" inszeniert Giovanni Guareschis Komödie
"Genosse Don Camillo" |
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In der abendfüllenden
Komödie "Genosse Don Camillo" geht es nun um eine Reise der
kommunistischen Partei in die Sowjetunion, an der Don Camillo
teilnimmt. Doch wie kommt es dazu? Eines Morgens liest Don Camillo in
der Zeitung, dass ein Unbekannter aus seinem Dorf im Toto 12 Millionen
Lire gewonnen habe. Den Namen des anonymen Gewinners entschlüsselt
Don Camillo schnell als Anagramm des Namens des Bürgermeisters
Peppone, woraufhin er in der Kirche eine Kampagne gegen den Unbekannten
startet, der natürlich verpflichtet sei, den Gewinn mit den Armen
und Bedürftigen zu teilen, aber dieses als abgefeimter Kapitalist
sicher nicht tun werde. Wie nicht anders zu erwarten, treibt das
schlechte - katholische - Gewissen den Bürgermeister bald zur
Beichte und zur Offenlegung der Fakten. Die Spende des Geldes an die
Kirche kann er jedoch aus Angst vor seiner gar nicht so kommunistischen
Frau nicht übers Herz bringen. Als Peppone den Auftrag der
Partei zu einer Informationsreise in die Sowjetunion erhält, sieht
Don Camillo seine Chance zur Missionsarbeit im Reich des Bösen.
Ohne Skrupel erwähnt er Peppone gegenüber die
Möglichkeit, dass seine - Don Camillos - geschwätzige
Haushälterin den wahren Namen des Toto-Gewinners durch Zufall
erfahren und dieses Wissen unters Volk bringen könnte. Das
könne Pepone nur dadurch verhindern, dass er Don Camillo als
Begleiter mit auf die Reise nehme. Angebliche organisatorische und
parteipolitische Probleme hat Don Camillo schon im Vorfeld in Form der
perfekt gefälschten Identität eines kommunistischen
Funktionärs geklärt. Und so geschieht es, dass Don Camillo im
zivilen Ornat, mit Schiebermütze, Sonnenbrille und
angeklebtem Bart als überzeugter Genosse mit auf die Reise in das
Land der glücklichen Werktätigen zieht.
Schnell zeigt sich, dass die
Realität gar nicht so herrlich ist, wie die kommunistischen
Schwärmer in der Poebene dies sich vorgemacht haben. Doch in einer
intellektuellen Volte erster Güte hebt Don Camillo in scheinbarem
ideologischem Übereifer angesichts miserablen Essens und anderer
offensichtlicher Unzulänglichkeiten die Überlegenheit des
wahren Sozialismus gegenüber dem rückständigen
kapitalistischen Italien hervor, womit er erst die
zähneknirschende Zustimmung seiner Mitreisenden und vor allem des
Bürgermeisters erzwingt und schließlich einen jungen
Landsmann zum Bekenntnis seines nationalen Stolzes - FIAT contra Lada!
- und zum offenen Bruch mit
seiner Partei verleitet. Der Dank
Peppones, der die Absicht dahinter vielleicht nicht intellektuell
durchschaut aber zumindest erahnt, ist ihm gewiss. Darüber hinaus
verlangt eine andere junge Frau aus dem kommunistischen Reiseteam noch
unbefangen gewisse religiöse Dienstleistungen vom mittlerweile
erkannten Priester, was Peppones atheistische Welt noch mehr ins Wanken
bringt. Zwischendurch holt sich Don
Camillo natürlich stets Rat von Jesus, der ihm nicht nur in der
heimatlichen Kirche mit Rat und Tat vom Leidenskreuz an der Wand zur
Seite steht, sondern ihn dank seiner himmlischen Allmächtigkeit
auch auf der Reise begleitet. Ralph Dillmann obliegt hier die
schwierige Aufgabe, während der Kirchenszenen als unbewegliche
Statue mit ausgebreiteten Händen im roten Gewand zu verharren.
Später, in der Sowjetunion, wird er sich Don Camillos Bett als
Erscheinungsort wählen. Die Reisegruppe merkt schnell,
dass in der Sowjetunion nicht das finale Glück von Gleichheit und
Freiheit herrscht, sondern Mangel und Unterdrückung an der
Tagesordnung sind. Doch wagt es aus naheliegenden Gründen keiner
auszusprechen, auch nicht im engsten Kreis. Don Camillos ständige,
der italienischen kommunistischen Presse und früheren Reden
Peppones entnommenen Lobhudeleien auf den Kommunismus sowjetischer
Prägung gehen daher seinen Reisegefährten gehörig auf
die Nerven, stimmen sie doch mit ihrer offiziellen Ideologie jedoch
nicht mit der Realität überein. Aber Don Camillo sieht
schnell, dass er nicht nur den Spaß der intellektuellen
Provokation genießen kann sondern echte seelische Not lindern
muss. Als die alte Mutter des Vorzeige-Arbeiters, eines nach dem Kriege
in der Sowjetunion gebliebenen Italieners, auf dem Sterbebett nach
einer letzten religiösen Tröstung verlangt, gibt sich Don
Camillo zu ihrem unbeschreiblichen Glück als Priester zu erkennen
und darf auch gleich noch das junge Ehepaar trauen und dessen sieben
Kinder taufen... Der Aufenthalt im gelobten Land
gestaltet sich derweil immer grotesker, denn die übereifrige
kommunistische Parteifunktionärin Nadja verliebt sich in den
mitreisenden Fulmine und schleicht sich am Schluss sogar unter falschem
Namen mit ihm aus ihrem sozialistischen Mutterland heraus. Peppone muss
chancenlos ein Kampftrinken mit dem sowjetischen Betreuungsoffizier
durchstehen, während Don Camillo derweil die sozialistische
Vorzeigefamilie traut und tauft. Am Ende finden wieder alle in ihr
kleines Heimatdörfchen zurück und der lokalpolitische
Kleinkrieg kann von Neuem beginnen. Als dann der mittlerweile
beförderte Don Camillo auf eine Reise in die USA aufbricht, muss
er eine so überraschende wie missliebige Überraschung
machen....
Renate Renken hat die
Komödie mit einem Minimum an Requisiten eingerichtet. Die wenigen
Tische werden mal nach links und rechts vor einer toskanisch geputzten
Wand verschoben und geben glaubhaft einen typischen italienischen
Dorfplatz wieder. Für die Reise in die UdSSR kommt noch ein
Doppelstockbett dazu. Die Wirkung liegt hauptsächlich in den
Dialogen und deren tempo- und witzreichen Interpretation durch das
Ensemble. Rainer Poser spielt einen bedächtigen und doch auch
taktisch geschulten, ja geradezu hinterlistigen Don Camillo, der
durchaus über doppelbödigen Humor und eine fast unchristliche
Schadenfreude verfügt, wenn er z. B. seinen Dorfkommunisten den
real existierenden Sozialismus sowjetische Prägung "schön"
redet. Auf Poser liegt wieder die Hauptlast des Stücks -
schließlich ist seine Figur der Titelgeber - und er meistert
seine Rolle souverän. Neben ihm kann sich Ulrich Sommer als
Peppone nicht nur bahaupten sondern ist ihm ein ebenbürtiger
Partner, dessen Peppone allerdings - wie kann es anders sein im
katholischen Italien - letzten Endes immer gegen seinen klerikalen
Widersacher den Kürzeren zieht. Beide zusammen bilden ein
urkomisches Duo, das für viel verbalen Witz und auch die ein oder
andere Slapstick-Einlage gut ist. Ralph Dillmann gibt "den Herrn"
salbungsvoll und weise und fügt sich mit Weisheit in seine
physisch und darstellerisch undankbare Rolle. Axel Raether belebt das
Geschehen als Karikatur eines sowjetischen Offiziers mit dem obligaten
Hang zur Wodkaflasche und kommt ansonsten bärbeißig und
zackig mit gutturalen Lauten daher, und Gabriela Reinitzer spielt die
Landesverräterin Nadja, die erst die Gäste zu indoktrinieren
versucht und dann mit ihnen "in den Westen macht". Bianca Weidenbusch
ist die brave junge Sozialistin, die buchstäbllich nichts versteht
und doch immer alles richtig machen will, und Marcel Schüler regt
sich als Rondella über Don Camillos Verherrlichung des
sowjetischen Sozialismus auf. Jens Hommola gibt den Fulmine und Heike
Berg tritt in mehreren Nebenrollen auf. Das
Publikum zeigte sich außerordentlich angetan von dieser
spritzigen, wenn auch nicht mehr ganz aktuellen Komödie und
spendete kräftigen Beifall. Weitere
Aufführungen: Dez. 2009: Fr. 04. / Sa. 05. / Fr. 11. /
Sa. 12. / So. 13. / Fr. 18. / Sa. 19. / So. 20. Kartenbestellungen über das Internet. |
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