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Der Winter weicht dem Witz |

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Das
Varieté-Theater "Pegasus" in Bensheim setzt bei der
Show "Wintertraum & Sternensand" auf Leichtigkeit |
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Das "Pegasus" vertraut in seiner
Show "Wintertraum & Sternensand" auf den noch jungen Charlie Martin
als Verbindungsglied zwischen den einzelnen Szenen. Sein erster
Auftritt gerät noch etwas unbeholfen, wollen doch die
üblichen Conferencier-Witze nicht so richtig zünden. Das
liegt an diesem kalten Winterabend mit einsetzendem Schneefall sicher
nicht am Wetter, das die Gedanken in andere Richtung lenkt, sondern
offensichtlich am Lampenfieber und einer gewissen Unterschätzung
des Publikums, das auf Standardwitze partout nicht reagieren will.
Doch das ändert sich schnell, und nicht zuletzt aufgrund des
außergewöhnlichen Servicepersonals im "Pegasus". Schon vor
Beginn fällt uns ein Kellner auf, dem die für diesen Beruf
nötige Agilität und Behendigkeit fehlt. Etwas
schwerfällig quält sich der kräftige Mann mit
glatt gescheiteltem Haar und rechteckigem Gesicht durch die engen
Tischreihen und murmelt etwas von "abnehmen". Man hat mit diesem
offensichtlichen Anfänger in Sachen Service ein wenig
Mitleid und gönnt ihm eine schnelle Einarbeitung. Doch zu allem
"Unglück" wählt Conferencier Charlie Martin bei seiner Suche
nach "Mitmach-Opfern" aus dem Publikum ausgerechnet diesen so
schüchternen wie unbeholfenen Kellner in seiner roten Schürze
aus. Man hat Mitleid mit ihm und seinem gequälten Lächeln,
doch das ändert sich spätestens nach seiner dritten Antwort.
Denn die sind bei aller Verklemmtheit witzig und treffend, so dass
schnell die Ahnung - und dann die Gewissheit - aufkommt, dass es sich
bei diesem armen Kellner durchaus nicht um eine Aushilfe handelt
sondern um einen ausgewachsenen Komödianten, der Teil des
Programms ist. Touché! Auf diese
originelle Weise führt sich der Niederländer Raymond ein und
überrascht das Publikum. Schnell lernt man seine gut gespielte
Tolpatschigkeit, seine kindliche Naivität, seinen Spieltrieb und
seine tapsige Egozentrik kennen und schätzen. Vor allem sein
tiefes, buchstäblich aus dem Zwerchfell gesaugtes Lachen - sein
Markenzeichen - sorgt für todsichere Lacher. Martin und Raymond
gestalten von diesem Augenblick an die Übergänge und das
Rahmenprogramm gemeinsam, wobei die Rollen von Anfang an verteilt sind:
Martin als der professionelle, smarte Conferencier und Raymond als der
gutwillige Gehilfe, dem natürlich immer alles danebengeht. Wo er
doch so gerne auch einmal mit einer artistischen Nummer auftreten
würde! Wenn er dann zwischendurch rührend missglückte
Kostproben seiner akrobatischen Kunst gibt, merkt man, dass hinter
dieser gespielten Unbeholfenheit durchaus einiges Können steckt.
Doch seine Aufgabe ist in diesem Programm nicht, seine
Varieté-Fähigkeiten zu zeigen sondern das liebenswerte
Scheitern zu inszenieren. Die Strategie, den humoristischen Rahmen des
Programms von diesen beiden als Schlagabtausch in einer Art "Ping-Pong"
zu servieren, geht voll auf. Das Publikum geht mit und zeigt sich von
diesem temperamentvollen Duo durchaus amüsiert.
Akrobatik wird an diesem Abend
natürlich auch geboten, und nicht zu knapp. Da ist gleich zu
Anfang die Handstandkünstlerin Natalia aus der Ukraine, die eine
so leichte wie anspruchsvolle Figurenfolge auf dem winzigen Sockel
präsentiert. Man hält es teilweise nicht für
möglich, wie sie sich trotz beliebiger Körpertorsionen und
-streckungen immer noch auf einer Hand halten kann. Und wenn die Hand
etwas ermüdet, wechselt sie einfach mitten in der schwierigsten
Figur fliegend die Hände. Man ahnt, welche Körperbeherrschung
dies verlangt, und doch sieht es eher elegant und unangestrengt aus. Die Russin Natalia Bakun holt
sich als Hilfskraft den gutmütigen Raymond in bunten Freizeithosen
auf die Bühne, und dieser kann dabei nicht nur Natalias Kunst der
schwingenden Hüften und kreisenden Hula-Hoop-Reifen bewundern
sondern auch seine Rolle als ungeschickter und etwas trotteliger
Gehilfe voll auskosten. Auf diese Weise gewinnt auch Natalias
Hula-Hoop-Nummer eine deutlich humoristische Note. Katrin Weißensee
verzaubert den Abend mit ihrer Sandmalerei, einer ungewohnten und
faszinierenden Kunstform. Auf einer Glasplatte formt sie aus Sand mit
fließenden Händen die verschiedensten Bilder, erweitert,
verändert und zerstört sie wieder. Nichts ist fixiert, "alles
fließt", und das Ganze wird auf einer großen Leinwand an
der Bühnenrückwand gezeigt. Man folgt gespannt ihren
Handbewegungen und rätselt, welches Bild als nächstes
entsteht, wobei der feine Sand sich beliebig formen lässt und
schon eine kleine Bewegung mit dem Fingernagel völlig neue Akzente
setzt. Für die obligatorische
Jonglage ist in diesem Programm der Berliner Benjamin Pfeiffer
zuständig. Seine leuchtenden Bälle wechseln mitten im Flug
die Farbe und erzeugen auf der abgedunkelten Bühne ein bewegtes
Farbspiel. Und wenn diese Kunstform mit sechs Bällen dann
ausgereizt scheint, wirft Benjamin Pfeiffer brennende Fackeln durch den
nun ganz dunklen Bühnenraum, und als Zuschauer wartet man immer
auf den Moment, in dem eine Fackel in den Vorhang oder ins Publikum
fällt - was natürlich nicht geschieht. Eine ganz besondere Kunst
beherrscht der Franzose Mika Quartz: er jongliert mit Glaskugeln, als
wären sie Seifenblasen. Zu Beginn seiner Nummer schweben echte
Seifenblasen vom Bühnenhimmel, die er liebevoll auffängt und
streichelt, ohne dass sie zerplatzen. Wenn er dann seine Glaskugeln zur
Hand nimmt, verleiht er ihnen die gleiche Leichtigkeit wie
Seifenblasen. Nebenbei kann er auch zaubern, denn diese Glaskugeln
ändern unvermutet ihre Größe und wachsen von
Apfelsinengröße zum Fußballumfang, bevor sie langsam
im Dunkel der Bühne entschweben. Als Kontrast dazu beweist die Amerikanerin Shanya Swanson ihre Fähigkeiten am Vertikalseil und zeigt dabei eine ebenso kraftvolle wie elegante Kür. Wenn sie sich während ihrer Figuren am Seil plötzlich fallenlässt, erschrickt man als Zuschauer und vermutet im ersten Moment einen fatalen Fehler, nur um dann festzustellen, dass sie sich in eine vorbereitete Schlaufe des Seils hat fallen lassen und von dort aus die nächste Figur in Angriff nimmt. Bei dieser Vorführung hörte man keinen Laut aus dem Publikum. Dieses Winterprogramm des
"Pegasus" besticht vor allem durch seine Ausgewogenheit von
anspruchsvoller Akrobatik und abwechslungsreicher Unterhaltung. Manch
einer wird zwar meinen, dass man sich die Witzchen zwischen den
artistischen Vorführungen sparen könne, aber
schließlich kommen die meisten Gäste, um einen entspannten
Abend zu genießen, und dazu gehört in erster Linie
Spaß im wahrsten Sinne des Wortes. In "Wintertraum &
Sternensand" gibt es viel zu lachen und dennoch auch einiges zu
bewundern. Wer diese Show noch nicht gesehen hat, sollte sich beeilen,
denn sie läuft nicht mehr lange. Weitere Informationen und Tickets über das Internet Frank
Raudszus |
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