Das "Rheingau Musik Festival" wirft seine Schatten voraus

Januar 2010



























































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Die Pressekonferenz für das Festival 2010 zeigt die ungebrochene Stärke dieser Veranstaltungsreihe




Am 28. Januar stellten die Verantwortlichen des "Rheingau Musik Festivals" das Programm für das laufende Jahr vor. Geschäftsführer Michael Herrmann konnte ein zahlreiches Publikum begrüßen und bemerkte dabei genüsslich, dass vor rund zwanzig Jahren das Podium stärker besetzt war als die Besucherstühle, während heute auch Vertreter von Institutionen jenseits der gut vertretenen Presse anwesend seien.

Das neue Logo des Rheingau-Musik-Festivals
Das neue Logo des Rheingau-Musik-Festivals

Der Rückblick auf 2009 zeigte, dass sich die Wirtschaftskrise - eigentlich wollte man das Unwort "Krise" vermeiden - nicht oder nur marginal in den Besucherzahlen niedergeschlagen hat. Die Auslastung war mit 93 Prozent nicht schlechter als in den Vorjahren, was Herrmann in seiner gewohnt saloppen Art auf die soziale Einordnung des typischen RMF-Publikums zurückführte. So äußerte er sinngemäß, dass Hartz-IV-Empfänger nicht zur eigentlichen Klientel gehörten. Dem kann man wohl kaum widersprechen.

Für die kommende Saison sind 153 Veranstaltungen mit insgesamt 125.000 Karten geplant. Die Vorbereitungen dazu liefen bereits seit zwei Jahren, und Herrmann konnte sich eine kleine Klage über unrealistische Gagenvorstellungen mancher Künstler nicht verkneifen, die "anscheinend noch nichts von der wirtschaftlichen Weltlage gehört hätten". Doch schließlich waren alle gewünschten Engagements dank einer professionellen und hoch motivierten RMF-Mannschaft unter Dach und Fach. Von eventuellen Absagen hört man - natürlich - nichts.

Das diesjährige Programm wartet wieder mit hochkarätigen Solisten und Ensambles auf. So soll der vielbeschäftigte und schwer zu verpflichtende Daniel Barenboim ein Klavier-Recital präsentieren, und Anne-Sophie Mutter wird zwei Konzerte mit den Violinkonzerten von Mendelssohn und Beethoven (jeder hat nur eins geschrieben) geben. Auch die mittlerweile in die Weltliga aufgestiegene Sopranistin Diana Damrau wird auftreten sowie die Pianistin Hélène Grimaud. Daneben - aber nicht minder bedeutend - treten renommierte Ensembles wie der "Cantus Cölln" oder das Sydney Symphonie Orchestra auf.

Neben Klassik, Barock und - ja auch - Moderne wird es auch wieder ein reichhaltiges Jazz-Programm geben, so etwa mit den "New York Voices". Tim Fischer wird Georg Kreisler vortragen und Ute Lemper zu Astor Piazollas Tango singen.

Neu ist der Programmpunkt "Rendezvous mit...", bei dem berühmte Künstler wie Menahem Pressler oder Christoph Eschenbach sich den Fragen einer Musikmoderatorin stellen werden. Diese Art der Künstler-Präsentation besitzt das Potential, die Barriere zwischen Bühnenzelebration und Publikum niederzureißen und hinter dem hoch konzentrierten Interpreten auch einmal den - normalen - Menschen zu entdecken.

Verschiedene Jubiläen schlagen sich im diesjährigen Programm besonders nieder: Gustav Mahlers und Hugo Wolfs 150. sowie Robert Schumanns 200. Geburtstag. Daher ertönt Mahlers 2. Sinfonie zur Eröffnung im Kloster Eberbach und später Schumanns Violoncellokonzert im Kurhaus Wiesbaden. Rudolf Buchbinder wird seinen Beethoven-Zyklus mit vier Sonaten einschließlich der "Hammerklavier-Sonate" als Höhepunkt fortsetzen und das Sinfonieorchester des Marinskij-Theaters St. Petersburg (für Altlinke: Leningrad!) Mahlers 9. Sinfonie präsentieren.

Eine besondere Attraktion stellt die Peking-Oper "Die Nachtigall" dar, die der Dresdner Komponist Karsten Gundermann während seines langjährigen China-Aufenthalts ausgerechnet nach dem Märchen des dänischen Dichters Hans-Christian-Andersen komponiert und zum Erfolg geführt hat. Die Achse Dänemark-Sachsen-Peking zeigt wahrhaft kosmopolitische Züge und widerlegt die Behauptung, es sei etwas faul im Staate Dänemark.

Man könnte die Liste der außergewöhnlichen und ausgefallenen Veranstaltungen beliebig fortsetzen, doch wir wollen lieber auf die ebenfalls völlig neu gestaltete Webseite des Rheingau-Musik-Festivals verweisen, die all diese Informatiion im Detail parat hält. Schauen Sie einfach einmal hinein. Wir werden anschließend wieder über einige Veranstaltungen berichten.

Frank Raudszus


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