Betrogene Betrüger - verratene Verschwender

Februar 2010


Hier die Einzelrezensionen:

Volpone

Timon von Athen






















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Das Schauspiel des Staatstheaters Darmstadts inszeniert zwei elisabethanische Theaterstücke um Geld und Gier




Manchmal will es scheinen, als sei die Sünde der Geldgier eine spätkapitalistische Erscheinung, die mit der Subprime-Krise erst öffentlich sichtbar geworden ist und mit "Lehman Brothers" einen Namen bekommen hat. Doch bereits der Fernseh-Zweiteiler "Gier", der zwar dramaturgisch effektvoll nach "9/08" erschien, zeigt, dass diese unfeine Charaktereigenschaft nicht unbedingt erst bin den letzten Jahren entstanden ist. Und die beiden Theaterstücke "Volpone" von Ben Jonson und "Timon von Athen" von William Shakespeare beweisen die historische Invarianz von Raffgier und Habgier. Das Staatstheater Darmstadt hat sie jetzt in einer Doppel-Inszenierung am selben Abend auf die Bühne gebracht.

Ben JonsonWilliam Shakespeare
William Shakespeare                                                              Ben Jonson


Jonson schrieb seine Satire über den "schlauen Fuchs" Volpone im Alter von Anfang dreißig, und fast gleichzeitig entstand Shakespeares "Timon", nur war der Autor da etwa zehn jahre älter als sein Freund und Konkurrent Jonson. In beiden Stücken geht es um Geld und Gier, jedoch mit unterschiedlichen Ansätzen und Schlussfolgerungen. Während der jüngere Jonson die satirische Gesellschaftskritik in den Vordergrund rückt, entwickelt Shakespeare in seinem fast harmlos beginnenden Stück eine geradezu endzeitlich-philosophische Weltsicht. Beide Stücke weisen eine derartige Dichte und Vielschichtigkeit auf, dass wir sie aus rein praktischen Gründen nicht in einer Rezension gemeinsam abhandeln wollen. Die Länge der gesamten Rezension würde die Lektüre erschweren. Auf der anderen Seite haben die Stücke so viel gemeinsam, dass man in einem gemeinsamen Kontext darüber reden sollte. Darüber hinaus finden die Aufführungen nicht nur am selben Abend statt, sondern die Ensembles sind auch identisch, so dass sich zumindest im Unterbewusstsein von Darstellern und Zuschauern beide Stücke vermischen. In den separaten Rezensionen von "Volpone" und "Timon von Athen" werden wir daher - wo angebracht - explizit auf die jeweils andere Inszenierung verweisen.

Frank Raudszus