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Manchmal will es scheinen, als sei die Sünde der Geldgier eine
spätkapitalistische Erscheinung, die mit der Subprime-Krise erst
öffentlich sichtbar geworden ist und mit "Lehman Brothers" einen
Namen bekommen hat. Doch bereits der Fernseh-Zweiteiler "Gier", der
zwar dramaturgisch effektvoll nach "9/08" erschien, zeigt, dass diese
unfeine Charaktereigenschaft nicht unbedingt erst bin den letzten
Jahren entstanden ist. Und die beiden Theaterstücke "Volpone" von Ben Jonson und
"Timon von Athen" von William
Shakespeare beweisen die historische Invarianz von Raffgier und
Habgier. Das Staatstheater Darmstadt hat sie jetzt in einer
Doppel-Inszenierung am selben Abend auf die Bühne gebracht.
 
William
Shakespeare
Ben Jonson
Jonson schrieb seine Satire über den "schlauen Fuchs" Volpone im
Alter von Anfang dreißig, und fast gleichzeitig entstand
Shakespeares "Timon", nur war der Autor da etwa zehn jahre älter
als sein Freund und Konkurrent Jonson. In beiden Stücken geht es
um Geld und Gier, jedoch mit unterschiedlichen Ansätzen und
Schlussfolgerungen. Während der jüngere Jonson die satirische
Gesellschaftskritik in den Vordergrund rückt, entwickelt
Shakespeare in seinem fast harmlos beginnenden Stück eine geradezu
endzeitlich-philosophische Weltsicht. Beide Stücke weisen eine
derartige Dichte und Vielschichtigkeit auf, dass wir sie aus rein
praktischen Gründen nicht in einer Rezension gemeinsam abhandeln
wollen. Die Länge der gesamten Rezension würde die
Lektüre erschweren. Auf der anderen Seite haben die Stücke so
viel gemeinsam, dass man in einem gemeinsamen Kontext darüber
reden sollte. Darüber hinaus finden die Aufführungen nicht
nur am selben Abend statt, sondern die Ensembles sind auch identisch,
so dass sich zumindest im Unterbewusstsein von Darstellern und
Zuschauern beide Stücke vermischen. In den separaten Rezensionen
von "Volpone" und "Timon von Athen" werden wir daher - wo
angebracht - explizit auf die jeweils andere Inszenierung verweisen.
Frank
Raudszus
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