Farbe, Bewegung und - Protest


März 2010

















































































 
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Das Ensemble "Shen Yun" gastiert mit seiner Artisten-Show in der Jahrhunderthalle Höchst


Die chinesische Artistengruppe Shen Yun stammt aus - New York! Exil-Chinesen haben es sich dort zur Aufgabe gemacht, die von den chinesischen Kulurbehörden während und auch noch nach der Kulturrevolution unterdrückten chinesischen Tradionskünste in Musik und Tanz zu bewahren und einem internationalen Publikum zu präsentieren. Derzeit sind drei Gruppen weltweit unterwegs: eine in Europe - an diesem Wochenende in Frankfurt -, eine in den USA und eine in Japan. In Peking oder Shanghai werden sie aller Voraussicht nach nicht auftreten.

Sgen Yun: Männliche TanzgruppeDer Schwerpunkt des zweistündigen Programms liegt auf dem Tanz, unterbrochen udn  aufgelockert durch gesangs und Instrumentalsolisten. Meist bilden alte Legenden und Mythen die Basis für die kurzen, einsätzigen Choreographien, die vorwiegend in Form akrobatischer Gruppentänze präsentiert werden. Dabei spielt auch die farbige gestaltung von Hintergrund und Kostümen eine wichtige Rolle. Auf Europäer macht die Farbgebung oftmals einen leicht kitschigen EIndruck, doch wer einmal in China war, weiß, dass die Chinesen kräftige Farben in allen Varianten lieben. Es ist also eine Sache der Mentalität, die man nicht unbedingt mit unseren westlilchen (Kultur-)Maßstäben messen kann.

Anstelle eines Bühnenbildes benutzt "Shen Yun" eine Video-Leinwand, auf die der jerweilige Hintergrund projiziert wird. Auch das lässt manchen europäischen Puristen die Nase rümpfen, hat aber diverse Vorteile. Erstens spart man sich - ganz pragmatisch - den aufwendigen und damit teuren Aufbau und vor allem den Wechsel des Bühnenbilds, zweitens kann man diesen Hintergrund beliebig manipulieren: Ein- und Auszoomen, Perspektivenwechsel und Einblenden von virtuellen Personen und Ereignissen. Diese Möglichkeiten setzt die Regie von Shen Yun ausgiebig ein und erreciht dadurch eine bildreiche Erweiterung der tänzerischen Darbietungen.

Aufgrund der vielen kurzen "Nummern" ist hier nicht der Platz, auf jede einzelne detailliert einzugehen, doch einige wollen wir exemplarisch herausheben. Die erste geschichte zeigt, wie die Götter auf die Erde kamen und dort den Platz der Kaiser und Herrscher einnahmen. Diese Götetr kommen direkt aus dem Hintergrundbild geflogen und stehen dann plötzlich als lebende Personen auf der Bühne. Der rest ist bester chineischer Tanz der klassischen Art mit farbenprächtigen Kostümen.
In einer anderen Nummer lässt eine Gruppe von Tänzerinnen ihre Seidenärmel wie wogendes Wasser über der Bühne auf- und abschweben. Ein burlesker Tanz zeigt, wie der berühmte Wu SOng betrunken einen gefährlichen Tiger erlegte, was dem einfachen Volk als Entschuldigung fürs Trinken diente. Trommler aus dem kargen Nordwesten und Frauen mit kostbaren Gewändern zeigen Traditionen ausgewählter Regionen und Volksgruppen. Bereits im ersten teil kommt aber auch das politische Aufbegehren zu seinem Recht, wenn eine Tanzgruppe zeigt, wie
im heutigen China Polizisten eine ihre Religion ausübende Mutter vor den Augen ihrer kleinen Tochter totschlagen, sie aber von den Göttern in den Himmel entführt wird.

Shen Yun: Weibliche TanzgruppeDie zweite Hälfte zeigt himmliche Jungfrauen vor einer herrlilchen Landschaft, kaiserlilche Bogenschützen und Mongolische Gastfreundschaft. Eine weitere Legende erzählt von der Göttin, die einen irdischen Mann heiratete und dafür von ihrem Bruder in einen Felsen eingesperrt wird. Ihr erwachsener Sohn besiegt später - ganz wie Siegfried - den bruder und befreit mit einer Wunderwaffe.  Auch in der zweiten Hälfte kommt der Protest nicht zu kurz. Eine Choreographie zeigt einen religiösen Aktivisten auf einem großen Platz ("des himmlischen Friedens"?) mit einem Transparent. Polizisten schlagen ihn und werfen ihn in ein düsteres Gefängnis, aus dem ihn jedoch seine buddhistischen Götter befreien.

Zu allen diesen Geschichten werden entweder typische chinesiche Landschaften oder symbolisische Wetterlagen abgebildet - blauer Himmelm und Sonne bei freudigen Ereignissen, Gewitterwolken bei Gefahr und Tod. Shen Yun fokgt hier durchaus dem noch heute in gewisser Weise "naiven" Kunstauffassung der Chinesen, die plakative Beschreibungen lieben. Die tänzerischen Darbietungen verdienen höchsten Respekt, sowohl was die Körperbeherrschung des Einzelnen anbetrifft als auch hinsichtlich der exakt abgestimmten Formationstänze.

Die Musik kommt aus dem orchestergraben von einem Orchester westlichen Zuschnitts, das durch einige chinesische Instrumente angereichert ist. Da der lebensmittelpunkt der Truppe in New York liegt, hat sich die Musik längst der westlichen Tonalität angepasst. Dabei vertragen sich chinesische Pentatonik und europäische Harmonik recht gut. Teilweise klingt die Musik dann entweder wie amerikanische Filmmusik oder auch ein wenig nach Musical. dann wieder schlägt das chinesiche Erbe durch.

Die zweistündige "tour d'horizon" durch die chinesische Musik und Tanzkunst bietet viel fürs Auge und fürs Ohr. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Gelegenheit eines Besuches wahrzunehmen, und außerdem tut man noch etwas Gutes für die Exil-Chinesen und für die Minderheiten im heutigen China, jedenfalls moralisch.

Weitere Informationen über das Internet.

Frank Raudszus
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