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Lieder
von Liebesleid und Weltschmerz |
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Im 1.
Kammerkonzert des Staatstheaters Darmstadt singt Michaela Schuster
Lieder von Brahms, Hugo Wolf und Richard Strauss |
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Auf dem Programm standen
zwölf Lieder von Johannes Brahms
(1833-1897), sieben Lieder von Hugo Wolf
(1860-1903) und acht Lieder von Richard Strauss (1864-1949).
Damit war der hochromantische Rahmen dieses Abends abgesteckt. Zwar
kann man die vier von Brahms vertonten Gedichte von Goethe nicht
unbedingt der Romantik zurechnen, doch da die Vertonung erst 1889
erfolgte, erhalten sie auf jeden Fall musikalisch romantischen
Ausdruck. Der Abend begann mit zwei eher
leichten Volksliedern zum ewigen Thema des verlassenen Mädchens
(oder des verschmähten Liebhabers), "Da unten im Tale" und "Es
steht ein' Lind'". Daran schlossen sich ein Gedicht von Klaus Groth
über die Musik ("Wie Melodien zieht es mir") und das
"Ständchen" von Franz Theodor Kugler an. Brahms hat mit Vorliebe
die Lyrik weniger bekannter Dichter vertont, weil sie ihn nach eigenen
Aussagen wesentlich weniger unter Druck setzte als die Verse der
deutschen Geistes-Heroen. Michaela Schuster brachte den wehmütigen
Charakter dieser Alltagslyrik treffend zum Ausdruck, ohne ihnen zu viel
Bedeutung einzuhauchen. Das änderte sich mit der
Vertonung von Detlef von Liliencrons Gedicht "Auf dem Kirchhofe", das
den schweren Regen auf einem Friedhof als Natursymbol für die
Düsternis der Vergänglichkeit in den Mittelpunkt stellt.
Schwermut und Entsagung prägen dieses Gedicht ähnlich wie das
nächste von Karl von Lemcke - "Verzagen" -, das die ruhelose
Gedanken des emotional bewegten Verfassers beim Anblick des Meeres zum
Gegenstand hat. Von verschmähter Liebe handelt das nächste
Gedicht von Georg Friedrich Daumer und von den seligen Kindertagen "O
wüßt ich doch den Weg zurück" von Klaus Groth. Von der
Liebe reden noch einmal zwei Gedichte von Joesf Enzig und Felix
Schumann. Das sehnsuchtsvolle, stets ein wenig schwermütige
Schmachten nach einer idealisierten Liebe ist all diesen Gedichten
gemeinsam. Michaela Schuster und Markus Schlemmer arbeiteten dieses
Aspekt deutlich heraus, wobei das Klavier bei Brahms stets ein
gleichwertiger Partner der Sängerin ist. Der Pianist
beschränkt sich nicht aufs Begleiten, sondern gestaltet seinen
eigenen Part und wartet auch mit ausgeprägten Überleitungen
zwischen den einzelnen Strophen auf.
Die "Gestillte Sehnsucht" von
Friedrich Rückert und das "Geistliche[s] Wiegenlied" von Emanuel
von Geibel werden in ihrer Vertonung zusätzlich von der Viola
begleitet, in der die Motive der Singstimme wie ein Echo nachhallen. Im
"Wiegenlied" fügt die Viola dabei noch ein bekanntes
Weihnachtslied als zweites Thema ein. In diesen beiden
Brahms-Vertonungen verdichtet sich die Musik bereits vom Einfachen,
Volksliedhaften zur philosophisch-religiösen Lebensschau. Michaela
Schuster führte das Programm damit zu einem ersten Höhepunkt
vor der Pause. Der zweite Teil begann mit den
Vertonungen von drei eher leichten Gedichten Eduard Mörikes, wobei
sich das zweite wieder um ein verlassenes Mädchen dreht,
während das dritte die humoristische Klage eines
überbehüteten Einzelkindes wiedergibt. Die vier
anschließenden Gedichte von J.W.v. Goethe - "Die Spröde",
"Anakreons Grab","Frühling übers Jahr" und "Der Schäfer"
- sind eher Gelegenheitsarbeiten und weniger bekannt, doch die
Vertonung von Hugo Wolf verleiht ihnen eine ganz eigene
Musikalität und Michaela Schuster gab ihnen an diesem Abend einen
überzeugenden Ausdruck. Den Schluss bildeten die acht
Lieder von Richard Strauss nach Gedichten von Hermann von Gilm zu
Rosenegg, die in ihrer Selbstversenkung und Naturverehrung die
Hochromantik aufs Treffendste charakterisieren. Strauss hat dabei das
klassische Verhältnis von Sänger(in) und Pianist aufgegeben
und stattdessen ein dichtes musikalisches Gewebe zweier Instrumente -
Klavier und Stimme - geschaffen, bei dem sich beide Instrumente
gegenseitig durchdringen und komplexe harmonische wie motivische
Figuren bilden. Dabei tritt das Klavier auch als Interpret der
jeweiligen Atmosphäre auf, wenn es etwa in "Die Nacht"
düstere, verhangene Klänge zaubert oder in "Die Zeitlose" den
giftigen Inhalt dieser Pflanze mit klirrenden Klängen beschreibt.
Den Abschluss bildet ein wahrhaft endzeitliches Lied - "Allerseelen" -,
das die Todesmetapher der Astern in entsagungsvolle Klänge umsetzt. Das Publikum zeigte sich von
Michaela Schusters höchst variabler Stimme und ausgefeilten
Interpretationskunst sowie von Markus Schlemmers ausdrucksstarkem doch
nie dominantem Klavierspiel stark beeindruckt und zeigte dies durch
kräftigen Applaus. Als der Beifall allerdings nach der ersten,
schnell gewährten Zugabe immer noch nicht enden wollte, lieferte
Michaela Schuster mit "Guten Abend, gute Nacht" und einem feinen
ironischen Lächeln noch einen mehr als deutlichen
"Rausschmeißer" nach. Frank Raudszus |
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