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Das 2. Sinfoniekonzert des Staatstheaters Darmstadt wartet mit unspektakulären Werken von Brahms, Berg und Schubert auf | ||||
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Im 2. Sinfoniekonzert der Saison
spielten Johannes
Brahms' "Haydn-Variationen" und Franz Schuberts
6. Sinfonie, die
"kleine C-Dur-Sinfonie" die Rolle der Zweitbesetzung, dazwischen
übernahm Alban
Bergs den schwermütigen, weltabgewandten Part. Als
Gastdirigent trat an diesem Abend Wolf-Dieter Hauschild ans Pult, der
bereits im Jahr 1963 im Alter von 26 Jahren Chefdirigent in
Frankfurt/Oder wurde und seitdem beeindruckende Zahl entsprechender
Positionen besetzt.
Die "Haydn-Variationen", op.
56a, aus dem Jahr 1874 stehen zumindest posthum unter einem
unglücklichen Zeichen, denn in den fünfziger Jahren des
letzten Jahrhunderts schälte sich der starke und nie widerlegte
Verdacht heraus, das besagte Thema stamme eigentlich gar nicht von
Haydn sondern von einem Nachfahren. Das hat natürlich
überhaupt nichts mit der Qualität der Musik von Brahms zu
tun, verleiht ihr jedoch einen ungewollt-ironischen Beigeschmack.
Brahms hat diesen Variationensatz noch vor seiner späten
Sinfoniker-Karriere komponiert, und man ahnt anhand dieser Musik
bisweilen, warum er so lange mit seinen Sinfonien gezögert hat:
seine Ehrfurcht vor Beethoven ließ ihm bei den Sinfonien
zögern, und der Musikstil seines
Idols schlug sich unverkennbar in den vor-sinfonischen Werken nieder.
In den
Haydn-Variationen geht Brahms von dem "Chorale St. Antoni" aus, der aus
seiner damaligen Sicht aus Joseph Haydns Feder stammte. Nach der
Vorstellung des liedhaften Themas variiert er es acht Mal in allen
erdenklichen Instrumentenkonstellationen und harmonisch-rhythmischen
Verbindungen. Geradezu systematisch geht er diese Aufgabe an, und bei
jeder neuen Variation erkennt man die analytische, ordnende Hand des
Kompositeurs. Brahms' hervorragende Kenntnis des orchestralen
Klangkörpers lässt dabei jede Abwandlung des Themas zu einem
Werk "sui generis" werden, und das abschließende Finale
führt noch einmal zum nahezu unverfälschten Thema des Anfangs
zurück. Dabei verzichtet Brahms auf ausgesprochen expressive
Ausbrüche und bleibt stets im Duktus einer fast majestätisch
dahinfließenden Musik, die eher melancholisch stimmt als zum
Aufbruch ruft. Beethoven hört man zwar zwischendurch in einzelnen
Instrumentierungen und Phrasen heraus, das Absolute,
Vorwärtsdrängende des großen Vorbild findet man hier
jedoch nicht und wird es auch in den späteren Sinfonien nicht
finden. Wolf-Dieter Hauschild folgte diesem Ansatz der Musik und
mäßigte das Tempo, suchte keine Ecken und Kanten sondern
zeigte dem Publikum einen Brahms, dem der Schatten Beethovens eher das
Licht für ein wirklich befreites Komponieren nahm.
Alban Bergs Violinkonzert
entstand 1935 auf die Anregung eines amerikanischen Geigers
und erhielt
den letzten kreativen Schub durch den Tod der erst 18jährigen
Manon Gropius, der Tochter von Walter Gropius und Alma Mahler-Werfel.
Der Untertitel "Dem Andenken eines Engels" spricht Bände und weist
deutlich auf den Tenor des Violinkonzerts hin. Das zweisätzige
Werk bewegt sich überwiegend in den langsamen Tempi Andante und
Adagio, die ein kurzes Allegretto/Allegro einrahmen. Der erste Satz
beschreibt das kurze Leben der achtzehnjährig gestorbenen Manon,
während sich der zweite hauptsächlich dem Tod und der
Verklärung widmet. Kennzeichnend für das Violinkonzert ist
die Anlehnung an die Zwölftonmusik, und Alban Berg verschachtelte
mit dieser Technik mehrere klassische Harmonie-Elemente. Berg wendet
das Konzept der Zwölftonmusik, nach deren strengen Regeln ein Ton
erst nach dem Erklingen aller anderen elf Töne erneut erscheinen
darf, auf die gesamte Komposition an. Das wirkt sich insofern aus, als
man keine wiederkehrenden Themen wie in der Klassik oder -
eingeschränkt - noch in der Romantik vorfindet. Der melodische
Bogen setzt sich stetig fort, kennt keine Wiederholungen oder
Variationen, sondern hängt unterschiedliche wenn auch
ähnliche Motive aneinander. Das erfordert beim Zuhörer
höchste Konzentration, weil keine Wiedererkennungseffekte das Werk
strukturieren. Wie ein permanent sich im Fluss ändernder Strom
pflanzt sich die Musik fort, ohne bei einem besonderen Moment zu
verweilen und ihn auszuschmücken. Nach dieser schweren,
endzeitlichen Kost war eine gewisse Aufmunterung für das Publikum
wahrlich vonnöten. Dazu diente nicht nur die Pause, sondern vor
allem anschließend Schuberts 6. Sinfonie. Wer im Zusammenhang mit
Franz Schubert von Sinfonien spricht, denkt meist an die "Neunte" (wird
gern verwechselt mit Beethovens...), auch die "Große
C-Dur-Sinfonie" genannt, und natürlich die berühmte "Achte"
(oder "Siebente"?), im musikalischen Volksmund unter dem Titel "Die
Unvollendete" bekannt. Die 5. und 6. Sinfonie führen im
Konzertrepertoire zwar kein Schattendasein, kommen jedoch wesentlich
seltener zu Gehör als ihre Nachfolger. Wenn man an diesem Abend
genau hinhörte, wurde auch klar, woran das liegt. Die "Sechste"
kommt ohne große Überraschungen oder gewagte Konstruktionen
daher, sie ist sinfonische "Gebrauchsmusik", so wie sie Joseph Haydn in
seinen ersten fünfzig Sinfonien lieferte. Schubert hat sie wohl
auch zu diesem Zweck geschrieben, das heißt für einen
privaten Kreis von Musikern, die entsprechendes Notenmaterial
benötigten, das nicht zu ausgefallen und schwierig sein durfte.
Die 6. Sinfonie kommt diesem Bedürfnis entgegen. Sie zeichnet sich
durch einfache Strukturen aus und orientiert sich an volksliedartigen
Themen und tänzerischen Rhythmen. An diesem Abend stachen die
Bläser zeitweise etwas zu scharf aus dem Klangkörper des
Orchester hervor und übten daher zeitweise einen etwas schrille
Wirkung aus. Auch der tänzerische Charakter der mittleren
Sätze hätte schwungvoller und frischer sein können. Die
Interpretation der Sinfonie wirkte an diesem Abend ein wenig bieder. Der Schlussapplaus fiel aus
diesem Grunde zwar freundlich aber nicht überschwänglich aus.
Das Publikum bedankte sich für einen unterhaltsamen Konzertabend,
der jedoch nicht unbedingt zu den einprägsamsten der letzten Jahre
gehörte. Frank Raudszus |
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