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Im 3. Sinfoniekonzert des Staatstheaters Darmstadt dirigiert Konstantin Trinks Mozart und Rihm | ||||
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Zu Beginn präsentierte
Trinks Mozarts Sinfonie
Nr. 32 in G-Dur, KV 318. Das dreisätzige Werk, das zeitlich
der wesentlich bekannteren "Pariser Sinfonie" nachgelagert ist, wirkt
schlichter als diese und ist auch deutlich kürzer. Über den
Hintergrund der Entstehung ist man sich heute nicht ganz im Klaren,
Experten vermuten jedoch, dass es sich ursprünglich um die
Ouvertüre zui der Oper "Zaïde" handelt. Die
Zurordnung leuchtet insofern ein, als das Werk in seiner eher
eingeschränkten Verarbeitung der einzelnen Themen mehr einer
Ouvertüre gleicht denn einer Sinfonie und als solche nach der
bereits erwähnten "Pariser Sinfonie" auch ein Rückschritt
gewesen wäre. Und so bildete es denn auch die -
ouvertürenhafte - Einleitung zu dem Konzertabend am 1. November.
Wer genau hinhört, entdeckt bereits hier viele Motive, die Mozart
in späteren Werken wieder aufnimmt und detaillierter ausarbeitet.
Dabei geht es nicht nur um typische musikalische Floskeln und
Verzierungen sondern um teilweise mehrtaktige Motive. Fast möchte
man behaupten, Mozart habe diese Ouvertüre später als
"Steinbruch" für weitere Sinfonien verwendet. Constantin Trinks betrachtete
diese Sinfonie jedoch nicht als bloße "Aufwärmung" für
Orchester und Publikum, sondern formte die einzelnen Themen
detailfreudig und mit viel Gespür für die einzelnen Motive
und harmonischen Wirkungen. Das Orchester folgte seinen Anweisung mit
hoher Aufmerksamkeit und überzeugte von Beginn an mit
Präzision und Temperament.
Der zweite Programmpunkt - auch
Mozart - brachte dagegen etwas weitgehend Neues. Mozart erhielt 1771 im
Alter von 15 Jahren den Auftrag, anlässlich einer Adelshochzeit
die Oper "Ascanio
in Alba" zu komponieren, was er in ganzen drei Wochen tat. Damals
war es üblich, die männlichen Hauptrollen mit einem Altus
oder gar einem Sopran zu besetzen, was Mozart auch übernahm.
Leider ist die Orchesterpartitur bis auf die Bass-Stimmen, die damals
für die Einstudierung der Zwischenballette benötigt wurden,
verloren gegangen. Aus diesen und einigen sehr einfachen
Klavierstücken von unbekannter Hand, die eben diese Zwischenmusik
angeblich wiedergeben, hat der zeitgenössische Komponist Anton Safronov
Mozarts Musik rekonstruiert, soweit das möglich ist. Er selbst
übt sich in Bescheidenheit und weist darauf hin, dass niemand
für sich in Anspruch nehmen könne, Mozart
"nachzukomponieren", hat sich aber soweit möglich bemüht, den
Duktus der Musik des damals Fünfzehnjährigen nachzuempfinden.
Ob das gelungen ist, lässt sich natürlich nicht zweifelsfrei
beurteilen, doch die daraus entstandene Musik ist in sich geschlossen
und konsistent. Vor allem hat Safronov nicht versucht, seinem Ehrgeiz
bezüglich Mozart-Nähe die Zügel schießen zu
lassen, sondern sich nach dem Motto "weniger ist mehr" auf das
Wesentliche beschränkt. Seine Zwischenmusiken sind in erster Linie
tänzerische Stücke für das Ballet, in zweiter
gefällige Musik des Rokokko, die - in dritter Linie - durchaus vom
jungen Mozart sein könnte. Mehr kann man nicht erwarten.
Die zehn kurzen Zwischenmusiken
sind nicht in ihrer Reihenfolge sondern nach musikalischen Aspekten aus
der Sicht des Bearbeiters angeordnet. So erklingt das Allegretto 1. im zweiten
Zwischenspiel und das Allegro 8 bereits im ersten. Vor und nach jedem
dieser mehrsätzigen Zwischenspiele trägt der Altus eine Arie
der Oper vor, ebenfalls nicht in der ursprünglichen szenischen
Reihenfolge. Safronov geht es in erster Linie um den musikalischen
Eindruck und nicht um die konzertante Wiedergabe der Oper. So ist die
erste Arie "Cara, lontano ancora" zwar aus der 2. Szene des ersten
Aktes und bildet in ihrer schwärmerischen Sehnsucht einen
passenden Auftakt, zum Abschluss erklingt jedoch wieder eine Arie aus
dem 1. Akt, nachdem die zweite Arie den dramatischen Höhepunkt der
Handlung intoniert hat. Matthias Rexroth überzeugte
durch eine trotz der Altus-Lage kraftvolle Stimme, die sich vor allem
in den hohen Lagen zu beeindruckender Fülle und Strahlkraft
entfaltete. Dafür verlieh er den tieferen Passagen die Emotionen
der Verzweiflung und Unsicherheit des Protagonisten. Obwohl die
Barockopern, in dessen Tradition dieses Werk eindeutig steht, eher
statuarische und "hohe" Gefühle zum Gegenstand haben, brachte
Rexroth zusammen mit der Musik von Mozart/Safronov einen Zug
unmittelbarer menschlicher Emotionen zum Ausdruck. Constantin Trinks
sorgte dafür, dass das Orchester sowohl die Arien mit der
gebotenen Zurückhaltung begleitete, die bei dieser Art der Opern
üblich war, als auch die Zwischenmusiken mit einer Mischung aus
naiver Heiterkeit und höfischer Unterhaltung präsentierte.
Die Ausdruckskraft und Unbedingtheit des späteren Mozarts waren
hier nicht gefragt. Das Publikum bedankte sich noch vor der Pause mit
kräftigem Beifall bei Orchester und Solist für die gelungene
Präsentation von Mozarts Opernfrühwerk.
Nach der Pause trat Matthias
Rexroth noch einmal auf, nun mit Wolfgang Rihms "Ödipus
auf Kolonos", das der Komponist nach den gleichnamigen Fragmenten
von Hölderlin eigens für den Altus von Matthias Rexroth
komponiert hat. Hölderlins Text schildert das Gespräch
zwischen Ödipus und dem Wanderer am Kolonos sowie die
Begrüßung durch den Chor. Hinter den vordergründig
harmlosen Worten steht die Ausweglosigkeit des dem Menschen auferlegten
Schicksals, das nicht zu begreifen sondern nur zu akzeptieren ist. In
gewisser Weise korrespondiert dieser Text mit dem - leichteren - Stoff
der frühen Oper, der sich ebenfalls auf die unerforschlichen und
in diesem Falle glücklich ausgehenden Ratschlüsse der
Götter bezieht. Wolfgang Rihm hat diesem Text eine erstaunlich
tonale Musik unterlegt, in deren Mittelpunkt die Stimme des
vrotragenden Altus steht. Das Orchester beschränkt sich auf
begleitende Funktionen, wobei das Fehlen einer durchgängigen
Metrik auffällt. Die Musik passt sich der Diktion der Sprache an,
und der gesungene Text rezitiert den Text ohne jegliche Wiederholungen
oder Melismen im Sinne einer "durchkomponierten" Oper.
Textverständlichkeit - die hier gegeben ist - und Umsetzung des
logischen Duktus' in Musik stehen im Vordergrund. Matthias Rexroth
hatte dabei ein schwieriges Pensum zu absolvieren, das keine Pausen
kennt und ein geschlossenes gesangliches Kontinuum darstellt. Er
meisterte diese Aufgabe mit beeindruckender Konzentration, sehr guter
Artikulation und überzeugender Interpretation des Textes. Den Schlusspunkt dieses
Konzertabends setzte Mozarts Sinfonie
Nr. 39, KV 543, in Es-Dur. Sie bildet zusammen mit den Sinfonien
Nr. 40 ("Große g-moll") und 41 ("Jupiter") die Trilogie der
letzten Sinfonien und stellt eine der ausgereiftesten Kompositionen der
Musikliteratur dar. Hört man diese Sinfonie oftmals als
kraftvolle, fast heitere Interpretation, so endeckte Constantin Trinks
ganz andere Facetten an ihr. Schon den einleitenden Akkord nimmt er
etwas langsamer als üblich und ersetzt damit das Forsche,
Erobernde durch eine verhaltene Geste. Im weiteren Verlauf des
ausgesprochen langen Satzes (über 330 Takte) setzen sich trotz des
Allegro-Tempos hintergründige, fast melancholische Klangbilder
durch. Das Auftrumpfen versagt sich Constantin Trinks weitgehend, was
nicht bedeutet, dass der Satz an Spannung verliert. Eher gewinnt er
daran noch durch die Andeutung von Vergänglichkeit und
Fragilität. Das Publikum brauchte nach dem
Schlussakkord einige Sekunden, bevor die ersten Beifallskundgebungen
einsetzten. Dann jedoch zeigten sich die Zuhörer durchweg
begeistert und bedankten sich mit langem Applaus. Als einen kleinen Gag
und als besondere Geste überreichte Matthias Rexroth, der Solist
des Abends, den obligatorischen Blumenstrauß persönlich an
Constantin Trinks. Frank Raudszus |
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