Capriolen, Unterhaltung, Leidenschaft, Tanz

Dezember 2010


Programme der letzten Jahre:

2003: Vertigo
2004: Mirror
2005: Alé - eine Streetperformance
2006: Szenario
2007: Emotion
2008: Hypnotic
2008: Crazy


































































































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Das Varieté "Da Capo" präsentiert sich mit dem Programm "CULT" in Darmstadt




Alle Jahre wieder: pünktlich zum Beginn der Adventszeit hat das "Da Capo"-Varieté von James Jungeli wieder sein Zirkuszelt auf dem Darmstädter Karolinenplatz aufgebaut, um sein neues Programm zu präsentieren. In diesem Jahr setzt die Show deutlich auf Leidenschaft und Lebenslust. Die Emotion steht im Mittelpunkt, selbst bei den schwierigsten akrobatischen Vorführungen.
Die Musik kommt im Gegensatz zu früheren Jahren „live“ von einer fünfköpfigen Band, wobei der Schlagzeuger in einem Glaskasten sitzt. Die anderen stehen in ausgefallenen Kostümen – ein Punk, ein verträumter Straßenmusiker – mit E-Balalaika, Bass und Akkordeon auf der rückwärtigen Bühne oder verteilen sich später auf der Bühne. Sie begleiten die Show von Anfang bis Ende und liefern den musikalischen Hintergrund.

TanzgruppeZu Beginn schreitet ein einzelner Mann mit Regenschirm über die abgedunkelte Bühne und hinterlässt nach seinem stillen Abgang ein wenig Ratlosigkeit. Später wird sich dieses Rätsel lösen. Danach präsentiert die Band "Creative Fusion" eine Rock-Version von Vivaldis „Vier Jahreszeichen“, bevor Egorov und Hoy mit verbundenen Augen auf zwei rechtwinklig zueinander angebrachten Seilen turnen. Die Seile hängen durch und erschweren dadurch die Übungen: Stehen, Gehen, Liegen, Überschläge und Ähnliches. Dabei schwingen die Seile zeitweise seitlich, so dass sich die beiden Turner im wahrsten Sinne des Wortes „blind“ verstehen müssen.
Danach tanzen Iana Zaiets und Andri Matviienko einen erotisch aufgeheizten Tanz, bei dem die Frau den Mann permanent durch glutvolle Blicke von seinen akrobatischen Aufgaben abzulenken versucht.

Der Clown, genannt "Herr Niels", ist ein ganz besonderer Star dieses Abends und kommt ganz ohne rote Pappnase aus. Seine Stärke liegt in gekonnten Körperverrenkungen, mit denen er unterschiedliche Bewegungsarten simuliert und Alltagsszenen ohne Requisiten nachstellt. So lehnt er sich an einen imaginären Bartresen, wobei fasziniert, dass er nicht umfällt. Oder er hält seinen linken Arm so in die Luft, als sei er angenagelt. Ein Luftballon scheint ungeahnte Kräfte zu entwickeln, mit aller Macht aus der Kiste entweichen und sogar den Clown in die Luft entführen zu wollen. Zu all diesen seltsamen Körperstellungen, die ihre Komik erst durch die fehlende, d. h. virtuelle Umwelt erhalten, macht Herr Niels ein verstörtes bis todtrauriges Gesicht mit leicht verstellten Augen. Die Hose hängt nur noch an einem Hosenträger und klafft an einer Seite weit auseinander.

TrapezkünstlerViktor und Viktorya Kosnirov bieten eine technisch anspruchsvolle Jonglage, bei der die Stäbe stets knapp unter den Trapezinstallationen unter dem Zeltdach in der Luft stehenbleiben, und reichern ihre technische Darbietung immer wieder durch kleine Show-Einlagen an. In einem zweiten Tanz erzählen Iana Zaiets und Andri Matviienko zusammen mit Stanislaus Pryalov eine erotisch-akrobatische Dreiecksgeschichte, die sowohl vor technischen Finessen als auch Beziehungskonflikten knistert. Anschließend zeigen Maryna Tkachenko und OlClowneksandr Krachun ihre Fähigkeiten am Trapez, wobei der Höhepunkt darin besteht, dass Maryna und Oleksandra nur noch durch ein Seil um ihrer beider Nacken verbunden ist und die frei in der Luft hängende Maryna sich wie ein Kreisel um dieses Seil dreht.

Die Unterbrechnungen der akrobatischen Darbietungen durch "Herrn Niels" senken zwischendurch immer wieder das Erregungsniveau des Publikums und lassen den angehaltenen Atem im entspannten Lachen entweichen. Dieses Mal entwickelt der Requisitenkasten von Herrn Niels ungeahnte Kräfte und Fähigkeiten, und ein scheinbar harmloses Deo-Spray versetzt Herrn Niels in einen unerwarteten Drogenrausch. Anschließend spannt er einen Regenschirm auf, der seinen eigenen Regen über die Ränder ablaufen lässt, und läuft mit diesem naiv lächelnd durch die Reihen des Parketts.

Der Tanz bildet einen wesentlichen Teil dieses Programms, und er trägt jedesmal andere erotische Züge: mal Begehren, mal heimliches Werben, mal Distanz und mal Eifersucht. Diese Paartanz-Einlagen schaffen eine emotionale Atmosphäre, die auch bei den anschließenden Akrobatikvorführungen erhalten bleibt. So bei Anastasia Lomachenkos und Mykhailo Romanenkos Hebeakrobatik oder bei der Seilakrobatik mit Andrii Matviienko am Seil und seiner Partnerin Iana Zaiets am Boden.

Die Einradfahrer Maksym und Andrii Zheman zeigen nicht nur gewagte Kunststücke auf ihren Rädern, sondern dabei auch noch akrobatische Spitzenleistungen währendFinale der Fahrt. Daria Shchererbyna verdreht ihren in bunte Schlangenhaut gehüllten Körper auf eine Weise, die man nicht mehr für möglich hält, und schaut bei der Rückwärtsbrücke durch ihre eigenen Beine zurück auf das Publikum. Nach einer weiteren sinnlichen Tanzeinlage begeistert das Finale mit den drei Trapezkünstlern Roman Tereshchenko, Elena und Anna das Publikum mit gewagten Schwungkombinationen und freien Mehrfachsaltos zehn Meter über dem Boden. Das Ganze sieht einerseits gefährlich und andererseits ganz leicht und wie ein Kinderspiel aus. Man wundert sich nach jedem der fliegenden Saltos, dass sich die Hände finden und Roman seine Partnerin sicher auffängt. 

Das diesjährige Programm zeichnet sich durch eine ausgeprägte Geschlossenheit aus, was nicht zuletzt an der starken Betonung des Tanzes und an der Beschränkung auf wenige Akrobaten zeigt, die jeweils mehrfach auftreten. Dadurch wird die Fragmentierung des Programms in zu viele unterschiedliche Stilarten und Personen verhindert, und die gesamte Show gewinnt an Dichte und Atmosphäre, ohne deshalb den Anspruch auf Vielfalt der gezeigten Darbietungen aufzugeben. Wie bereits erwähnt, fügt sich auch der humoristische Teil organisch in das Programm ein, statt als Fremdkörper in einer Akrobatenschau zu wirken.

Die fünfköpfige Band mit dem "Rebellen-Look" liefert dazu eine fetzige, jedoch nie nur laute Untermalung und Begleitung. Die vorwärtsdrängenden Rhythmen des Schlagzeugs und die raschen Läufe der Balalaiken schaffen einen Sound, den man so in einem Varieté noch nicht gehört hat.

Das Publikum zeigte sich begeistert und forderte noch eine Zugabe, die das Ensamble in Form eines weiteren Tanzes und verschiedener akrobatischen EInlagen gerne gewährte. Es ist abzusehen, dass auch in diesem Jahr die Karten für die meisten Vorstellungen schnell ausverkauft sein werden. Man sollte sich also bei der Kartenreservierung beeilen.

Frank Raudszus

Aufführungen:

    * Vom 1.12.10 bis 2.01.11, Darmstadt, Karolinenplatz
    * Montag bis Samstag, 20 Uhr
    * Alle Sonntage sowie 25.12.10 und 26.12.10, 14 Uhr und 19 Uhr
    * Ruhetage am 24.12.10 und 1.01.11
    * Einlass 1 Stunde vor Showbeginn
    * Tickets an der Varietékasse und an allen bekannten Vorverkaufsstellen
    * Große Silvestergala mit LiveMusik und kulinarischem Buffet


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