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Die
humorvolle Weltreise einer "Blaskapelle" |
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Beim
6. Kammerkonzert des Staatstheaters Darmstadt tritt das
Bläserensemble "munich brass connection" auf |
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Schon ihr Äußeres
zeigte keinerlei Anklänge an bayerische Bierzelte: die
einheitlichen einreihigen Anzügen und die offenen weißen
Hemden signalisierten Eleganz und Lockerheit gleichermaßen, und
das Auftreten der jungen Männer - ohne Quotenfrau(en)! - rundete
den lockeren und unterhaltsamen Eindruck ab. Bereits den Beginn des
Konzerts gestalteten die fünf Bläser originell: während
das Pubikum auf den Auftritt wartete, ertönte aus dem "Off"
deutliche Blasmusik, und zwar bayerische! Soweit konnten die Musiker
ihre Herkunft doch nicht verleugnen, und damit wollten sie den
Untertitel ihres Konzertes - "Wonderful World - Von der Isar bis zum
Hudson" - akustisch untermalen. Sie kamen sozusagen blasend aus dem
fernen Bayern angereist, und als sie schließlich einer nach dem
anderen die Bühne betraten, war aus der Blasmusik das
Spiritual "Just a Closer Walk" geworden, das im New Orleans des
frühen 20. Jahrhunderts gerne zu Beerdigungen gespielt wurde. Wie
damals üblich, beginnt es langsam und trauernd, um dann - nach
Absenken des Sarges - zu einem schnellen Dixieland überzugehen,
bei dem man damals die "Leiche" standesgemäß verabschieden
konnte. Nach diesem so wechselvollen
Start offerierte sich das Ensemble denn auch mit gespieltem Ernst als
Kapelle für entsprechende Anlässe und setzte damit gleich
einen humoristischen Akzent. Dann ging die Reise weiter von New Orleans
nach New York, und es kam erst einmal ernsthafte Musik von Leonard Bernstein zu Gehör. Zwar hatte
auch dieser amerikanische Komponist und Dirigent viel Sinn für
Humor und Unterhaltung, aber seine fünf kurzen Stücke der
"Dance Suite" - Einwurf eines Musikers: "sehr kurze"! - sind in
erster Linie anspruchsvolle Miniaturen für Blechbläser, die
er kurz vor seinem Tod im Jahr 1989 komponierte. Ihre ausgesprochen
akzentuierte Rhythmik verweist deutlich auf die Tatsache, dass die
Suite verschiedenen Choreographen des Tanztheaters gewidmet war, die
alle zu Bernsteins Freundeskreis gehörten. Das dritte Stück -
"BI-Tango" erinnert ein wenig an Kurt Weill, ein anderes wieder weckt
klangliche Assoziationen an Bernsteins "West Side Story". Allen
Stücken sind die hohen technischen Anforderungen gemeinsam, die
sich in schnellen, stakkatohaften Läufen niederschlagen. Die
Musiker selbst bezeichneten sie in der Ankündigung als
Herausforderung an sich - und das Publikum. Als Zwischenspiel
präsentierten sie das angeblich "traurigste Musikstück der
Welt", Samuel Barbers "Adagion for Strings" , hier allerdings in der
Fassung für zwei Trompeten, eine Posaune, ein Horn und eine Tuba.
Wem der Name des Stücks nichts sagte, nickte nach den ersten
Takten wiedererkennend mit dem Kopf. Da Blech allerdings nie so
schön traurig wirkt wie die Streicher, wohnte selbst dieser Musik
ein Rest von Lebensfreude inne. Anthony Plog ist
ein zeitgenössischer Trompeter und Komponist, der sich vor allem
für die Blasmusik eingesetzt hat. Von ihm brachte die munich brass connection "Four
Sketches for Brass Quintet" aus dem Jahr 1990. Die verbale
Einführung dazu gaben die beiden Trompeter, wobei Thomas Berg im
schönsten bayerischen "Beckenbauer-Sprech" seinem Kollegen Konrad
Müller impulsiv sekundierte und ergänzte. Man hatte jedoch
den Eindruck, dass nicht allzu viele Kammermusikabonnenten die
Anspielung auf die rhetorischen Fähigkeiten des "Kaisers"
verstanden - wie auch! Plogs Musik zeichnet sich durch fast zart zu
nennende Lautmalerien auf den Trompeten aus. Schnell, ostinate Rhythmen
prägen die vier kurzen Stücke - bis auf das ruhigere Andante
-, und die Tonalität bewegt sich in einem Bereich, der noch von
dieser musikalischen Welt ist. Nach der Pause
präsentierten die fünf Bläser dann Bernsteins "West Side
Story" als kleine "Blechoper". Über das Spielen der berühmten
Nummern - "Mambo", "Maria" , "I feel pretty" und "America" hinaus
lieferten die beiden Trompeter und Conferenciers Thomas Berg und Konrad
Müller noch eine Kurzform des Librettos, indem sie zwischen den
einzelnen Stücken in lockeren Worten den Fortgang des tragischen
Geschehenes in der "Upper West Side" vortrugen. Das Ende dieses originellen
Konzertes bildeten drei kurze Stücke: von Jazz-Ikone Duke
Ellington der "East St. Louis Toodle-Do" mit Trauermarsch und
Trompetensolo, von John Kander das (erst durch Frank Sinatra)
mittlerweile unsterbliche gewordene "New York, New York" mit viel
"Groove", und schließlich von Merle Travis "Sixteen Tons", das in
der englischen Urform die sozialen Missstände in den Kohlegruben
anklagte, in der deutschen Version jedoch - entschärft - das
Schicksal des Seglers "Mary Ann" und seiner Besatzung schidert. Und so
ließen denn die Musiker das Schiff mit den letzten Tönen
buchstäblich unter den Bühnenboden sinken. Das Publikum war begeistert,
offensichtlich ebenso sehr vorn der humoristischen Art der
Präsentation wie von dem Spiel der Gruppe, und forderte noch
einige Zugaben ein. Die kamen denn auch, und in der letzten imitierte
Konrad Müller - jetzt als Sänger - auf unwiederbringliche Art
Louis Armstrong mit dem Stück "What a wonderful World". What a
wonderful Evening! Frank Raudszus |
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