| Italo Montemezzi: "L´Amore dei tre re" |
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Bregenzer Festspiele glänzen mit vergessener Oper |
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Festpiel-Veranstalter erliegen oft der Versuchung, zum Zwecke gefüllter Säle und klingender Kassen nur sichere "Renner" in ihr Repertoire aufzunehmen. Mangelnde Akzeptanz einer Inszenierung durch das anvisierte Publikum in einer zeitlich und programmtechnisch begrenzten Saison kann schnell im finanziellen Desaster enden, vor allem bei der Oper, nach wie vor Hort einer konservativen Rezeption. Die Bregenzer
Festspiele haben in der Saison 1998 Mut bewiesen und mit der Oper "L´Amore dei tre re" von Italo Montemezzi (1875-1952) ein heute weithin unbekanntes und kaum noch gespieltes Werk auf die Bühne gebracht.
Montemezzi gehört zur Schule der Verdi-Nachfolger Ende des letzten Jahrhunderts. Nur wenige seiner musikalischen Werke überlebten den ersten Weltkrieg, darunter diese Oper, die in den zwanziger und dreißiger Jahren vor allem in den USA eine Reihe bejubelter Inszenierungen aufzuweisen hatte.Warum er in Europa so stiefmütterlich behandelt und heute kaum noch aufgeführt wird, ist nicht ganz nachzuvollziehen, da seine Musik ihn durchaus gleichberechtigt in eine Linie mit Wagner und Richard Strauss stellt.
"L´Amore dei tre re", 1913 uraufgeführt, basiert auf einem archaisch-mythischen Libretto: im fernen Mittelalter haben Barbaren - durch die Namen Archibaldo und Manfredo durchaus als Germanen zu lokalisieren - einen fiktiven italienischen Staat überfallen und besetzt. Die bereits dem lokalen Fürsten Avito versprochene schöne Fiora wird dem Sohn des alternden und blinden Eroberers Archibaldo zur Frau gegeben, um die Besatzungsmacht zu besänftigen. Während Manfredo den letzten Widerstand im Land militärisch bricht, trifft sich Fiora weiter mit Avito, was Archibaldo trotz Blindheit schnell ahnt. Als er sie schließlich "in flagranti" erwischt, gesteht sie ihre Liebe zu Avito, ohne diesen preiszugeben, und wird dafür von Archibaldo erwürgt. Für die anschließende Aufbahrung bestreicht er die Lippen der Toten mit einem tödlichen Gift, um den Liebhaber zu strafen. Avito stirbt tatsächlich an dem letzten Kuß, aber auch Manfredo küßt die Tote aus Gram, daß sie Avito und nicht ihn geliebt hat. Archibaldo steht am Schluß mit seiner Schuld und seiner Blindheit alleine da. Das Libretto erzählt mit einfachen Handlungsmustern die Geschichte von Macht, Liebe und Unterdrückung, in der Firoa die tragische Rolle spielt. Sie fügt sich zum Wohl ihres Landes in die Vernunftehe mit Manfredo, will jedoch der Liebe zu Avito nicht entsagen. Sie kann diesen Konflikt nicht lösen und stirbt folgerichtig an ihm. Doch auch Archibaldo trägt tragische Züge. Er, der nur die Macht und den Sieg kennt, verliert am Schluß mit Manfredo alles, was ihm neben seinen Eroberungen noch etwas bedeutet. Der Mord an Fiora ist mehr eine Verzweiflungstat denn ein wohlkalkulierter Mord, als er sieht, daß er sich Fiora als Frau nicht unterwerfen kann. Manfredo wird von vornherein nicht als blutrünstiger Sohn seines Vaters dargestellt, sondern als gebrochener Charakter, der das Zusammensein mit der wirklich geliebten Fiora dem rauhen Kriegshandwerk vorzieht und tatsächlich unter ihrer Abweisung leidet. Selbst am Schluß kann er Avito gegenüber keinen Haß empfinden, sondern beneidet ihn um die Liebe von Fiora. Das Libretto erscheint für das beginnende 20. Jahrhundert seltsam antiquiert, wie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts herübergerettet, und verweist an vielen Stellen auf Wagners "Tristan und Isolde". Betrachtet man die durchaus gesellschaftskritischen Sujets, die am Vorabend des Ersten Weltkrieges Richard Strauss und andere Komponisten behandelten, so erscheint "L´Amore dei tre re" thematisch fast wie ein Rückfall. Musikalisch tut dies jedoch derm Werk keinerlei Abbruch.Gerade die Nähe zu Wagner läßt die Musik über weite Strecken nahezu zeitlos wirken. Ohne Zugeständnisse an das lyrische Bedürfnis eines oft sentimentalen und konservativen Publikums verläßt Montemezzi keinen Moment die dramatische Eben und nutzt jeden Auftritt, um den Konflikt zwischen den vier Protagonisten energisch voranzutreiben. Der im Grunde genommen dünne Handlungsfaden wird konsequent und mit Tempo vorangetrieben, um die Dramatik nicht absterben zu lassen. Logischerweise bleibt dann nach der Ermordung von Fiora Ende des zweiten Aktes im dritten nicht mehr viel zu sagen, und dieser fällt daher recht kurz aus. Die Musik klingt oftmals erstaunlich traditionell, und die ersten Takte der Overtüre könnten fast von Beethoven sein. Auch in den dramatischen Zuspitzungen gerät die Musik harmonisch nie aus den Fugen, wie es andere Komponisten dieser Generationen ihren Werken bereits angedeihen lassen. Jedoch gerade diese "Konventionalität" zusammen mit dem Verzicht auf "süßes Sentiment" verleiht der Musik einen mächtigen, geradezu bedrohlichen Charakter. Man kann diese Oper durchaus als Vorahnung des Ersten Weltkriegs mit seiner Demonstration von Macht und menschlichem Niedergang begreifen. Die Wiener Symphoniker unter der Leitung von Wladimir Fedosejev verliehen der Musik über die reine Untermalung der Bühnenhandlung hinaus einen eigenen Stellenwert, ohne deshalb die Sänger zu übertönen. Die kompakte und dabei detailbewußte Intonation brachte die dramatischen Akzente voll zur Geltung. Obwohl die Musik oftmals die Handlung programmatisch interpretierte oder sogar ankündigte - so mit fanfarenartigen Bläsermotiven vor der Ankunft von Manfredo - verfällt sie nie in bloß begleitende Filmmusik. Die handlungsuntermalenden Themen sind schlüssig in den musikalischen Ablauf integriert. Regisseur Phlippe Arlaud zeichnet auch für das Bühnenbild verantwortlich und hat auf der Bühne eine schneckenhausartige Kulisse errichtet, die aus einem turmartigen Mittelstück als Symbol für die Burg und einer spiralförmig sich um diesen Turm windenden Rampe besteht. Die ganze Bühne läßt sich drehen und zeigt je nach Szene mal die abweisende Außenseite der "Burg" und mal den Innenbereich mit der Rampe, über die die Personen auf- und abtreten. Durch entsprechende Beleuchtungseffekte erscheint die Burg mal fahlgrau, dann wieder blau-kalt mit leuchtenden geometrischen Figuren. Das Zimmer Fioras ist in den Turm wie eine Höhle eingelassen und strahlt in leuchtendem Rot - Kontrast zum kalten Blau der Macht. Über die Bühne zieht sich während des ganzen Stückes eine lange rote Samtschärpe wie eine Blutspur über die Bühne, immer wieder aufgenommen von den Protagonisten. Die Symbolik ist nicht zu übersehen, wirkt jedoch nicht aufdringlich. In den Hauptrollen glänzen vor allem Kurt Rydl mit einem mächtigen Baß und starkem schauspielerischen Einsatz als Archibaldo sowie Denia Mazzola-Gavazzeni als leidenschaftliche und stimmstarke Fiora. Stefan Pyatnychko gibt einen zerrissenen und erstaunlich sensiblen Manfredo, während Marcus Haddock auf einen nur der Liebe lebenden und ansonsten reagierenden Avito beschränkt bleibt. Bliebe noch Douglas Nawrasi als aalglatter Diener Flaminio zu nennen, der wie so oft zwischen den Herrschenden steht und versucht, aus dem Hintergund zu agieren. Doch das Thema "Dienstboten in der Oper" ist eine eigene Abhandlung wert. Wer einen beeindruckenden Opernabend in sommerlicher Festspiel-Atmosphäre erleben möchte, sollte sich schnellstens beim Festspielbüro nach Karten erkundigen. Die letzte Aufführungen findet am 29.7. statt. Tel.:(+43) 5574/407-407; Fax:( +43) 5574/407-400 |