| Bertolt Brecht: Liederabend |
![]() |
Geschichten von gefallenen Mädchen |
|
Bertolt Brecht, Feindbild der Bürger in den Fünfzigern und Idol eines intellektuellen Theaters in den Siebzigern, war lange Jahre aus den Spielplänen der Schauspielhäuser verschwunden. Ob aufgrund dramaturgischer oder politischer Ernüchterung, sei dahingestellt. Das Staatstheater Darmstadt hat diesen Klassiker des 20. Jahrhunderts wieder aus der Verbannung befreit und ihn am 1. Oktober im Kleinen Haus präsentiert.
Allerdings stand nicht eins seiner bekannten "Lehrstücke" auf dem Programm, sondern die Zuschauer und -hörer erlebten den Liedermacher oder besser "Songschreiber" Brecht. Wie man weiß, hat Brecht auf diesem Gebiet intensiv mit den Komponisten Kurt Weill und Hans Eisler zusammengearbeitet. Die "Dreigroschen-Oper" und "Mahagonny" sind weltbekannte Ergebisse dieser gemeinsamen Arbeit. In den Liedern nimmt Brecht die gleiche Thematik wie in seinem epischen Musiktheater auf. Gegenstand seiner bitteren Gesänge sind immer wieder die Unterdrückten, Erniedrigten und Vergewaltigten der menschlichen Gesellschaft. Der Liederabend am 1. Oktober war sozusagen den "gefallenen Mädchen", den Huren gewidmet. Dazu hatte Regisseurin Bernarda Horres fünf examplarische Frauentypen auf der Bühne versammelt:- groß- klein, rot-schwarz-blond, dünn-dick. Die Kostüme reichten vom Backfischkleid - Jugend symbolisierend - bis zum eleganten Abendkleid der "Edelkurtisane", jedoch durch gewollte Nachlässigkeit als falscher Schein entlarvt. Unter der musikalischen Leitung von Günter Lehr, der auch einige Brecht-Gedichte vertont hatte und am Klavier selbst aktiv in den Verlauf des Abends eingriff, gingen die Damen zur Sache, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die Texte Brechts sprechen die Dinge - und hier ging es um die käufliche Erotik - beim Namen und versuchen nicht, sie durch gehobene Sprache zu schönen. Im "niedersten Gassenjargon" berichten die Mädchen von ihren Erfahrungen in dem ältesten Gewerbe. Die Musik zu Brechts Texten ist nie im klassischen Sinne "schön" gewesen, wie könnten auch solche Berichte harmonisch vertont werden? Eher dem Straßengesang entlehnt, oft in Art der Leierkastenmusik, plakativ, aggressiv, ist sie der Ausdruck des gequälten Individuums, das sich nicht um die ästhetische Wirkung des Gesangs kümmert. Drückt Schubert in seinen Liedern die konzentrierte Innerlichkeit aus - man entschuldige diesen gewagten Sprung über mehr als ein Jahrhundert - so geht es Brecht nur um die Entlarvung des gesellschaftlichen Mißstandes, und dem hat sich die Ästhetik unterzuordnen. Durch die Stimmigkeit von Text und Musik wird diese kompromißlose Art der Darstellung jedoch zur adäquaten Kunstform, wie man es auch von den "Lehrstücken" des Autors kennt. Allerdings stand nicht eins seiner bekannten "Lehrstücke" auf dem Programm, sondern die Zuschauer und -hörer erlebten den Liedermacher oder besser "Songschreiber" Brecht. Wie man weiß, hat Brecht auf diesem Gebiet intensiv mit den Komponisten Kurt Weill und Hans Eisler zusammengearbeitet. Die "Dreigroschen-Oper" und "Mahagonny" sind weltbekannte Ergebisse dieser gemeinsamen Arbeit. In den Liedern nimmt Brecht die gleiche Thematik wie in seinem epischen Musiktheater auf. Gegenstand seiner bitteren Gesänge sind immer wieder die Unterdrückten, Erniedrigten und Vergewaltigten der menschlichen Gesellschaft. Der Liederabend am 1. Oktober war sozusagen den "gefallenen Mädchen", den Huren gewidmet. Dazu hatte Regisseurin Bernarda Horres fünf examplarische Frauentypen auf der Bühne versammelt:- groß- klein, rot-schwarz-blond, dünn-dick. Die Kostüme reichten vom Backfischkleid - Jugend symbolisierend - bis zum eleganten Abendkleid der "Edelkurtisane", jedoch durch gewollte Nachlässigkeit als falscher Schein entlarvt. Unter der musikalischen Leitung von Günter Lehr, der auch einige Brecht-Gedichte vertont hatte und am Klavier selbst aktiv in den Verlauf des Abends eingriff, gingen die Damen zur Sache, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die Texte Brechts sprechen die Dinge - und hier ging es um die käufliche Erotik - beim Namen und versuchen nicht, sie durch gehobene Sprache zu schönen. Im "niedersten Gassenjargon" berichten die Mädchen von ihren Erfahrungen in dem ältesten Gewerbe. Die Musik zu Brechts Texten ist nie im klassischen Sinne "schön" gewesen, wie könnten auch solche Berichte harmonisch vertont werden? Eher dem Straßengesang entlehnt, oft in Art der Leierkastenmusik, plakativ, aggressiv, ist sie der Ausdruck des gequälten Individuums, das sich nicht um die ästhetische Wirkung des Gesangs kümmert. Drückt Schubert in seinen Liedern die konzentrierte Innerlichkeit aus - man entschuldige diesen gewagten Sprung über mehr als ein Jahrhundert - so geht es Brecht nur um die Entlarvung des gesellschaftlichen Mißstandes, und dem hat sich die Ästhetik unterzuordnen. Durch die Stimmigkeit von Text und Musik wird diese kompromißlose Art der Darstellung jedoch zur adäquaten Kunstform, wie man es auch von den "Lehrstücken" des Autors kennt. |