Premiere im TAP: "Mein Vater, der Junggeselle...."

Komödie von Curt Flatow von Dieter Rummel unterhaltsam inszeniert
Was bleibt übrig, wenn sich ein Ehepaar nach jahrelanger Ehe trennt? Die Kinder! In der Komödie von Curt Flatow ist es nur ein Sohn, der im neuen Leben seiner Eltern Unruhe stiftet. Frank Hoffmann, seines Zeichens freier Schriftsteller, hat sich nach der Trennung in einer bescheidenen Zweizimmer-Wohnung eingerichtet und auch gleich die attraktive Lehrerin Cornelia Braun zwei Stockwerke höher kennengelernt. In der ersten Szene erwachen die beiden aus ihrer ersten gemeinsamen Nacht und erinnern sich während eines schwarzen Kaffees des Beginns ihrer erst zwei Tage alten Beziehung. Kaum ist die junge Lehrerin zum Unterricht in die Schule entschwunden, fällt mit Sack und Pack der dem Abitur zustrebende Sohn Thomas ein, um sich beim Vater einzunisten. Der neue Freund der Mutter gefällt ihm trotz Geld und überströmendem Verständnis überhaupt nicht.

Frank Hoffmann sieht sich plötzlich im Konflikt zwischen seinen väterlichen Pflichten und dem jungen Liebesglück. Prompt ergeben sich heikle und komische Situationen, so wenn der Vater seine auswärtige Liebesnacht als Dienstreise kaschiert und dann voll schlechten Gewissens nachts unerwartet zurückkommt. Hier hat der Sohn, der sich wiederum um seinen vermeintlich einsamen Vater Sorgen macht, mittlerweile seine Freundin in die sturmfreie Wohnung einquartiert.

Überhaupt hat der junge Mann schnell Besitz von der Wohnung des Vaters ergriffen, liegt mit Stiefeln auf seinem Bett und läßt sich von der Haushälterin die teuersten Speisen zubereiten. Daneben ruft er laufend mit dessen Handy diverse Freundinnen an - viele Zuschauer werden hier Ihre Kinder wiedererkannt haben.

Doch die Ex-Frau gibt sich nicht geschlagen. Mit allen Mitteln versucht sie, den Sohn zurückzuholen, und scheut dabei nicht davor zurück, dessen Schlagzeug dem Ex-Mann in die Wohnung zustellen. Im Hintergrund wirkt immer ihr neuer Lebenspartner, den die Zuschauer jedoch nie zu Gesicht bekommen.

Als dann die geliebte Lehrerein auf einem Seminar weilt, kommt es zur ungewollten "Vereinigung" der ehemaligen Eheleute. Was sich daraus an Verwicklungen und brisanten Situationen ergibt, ehe sich - wie bei Komödien üblich - alles in einem Happy-End auflöst, sollten Freunde des Boulevard-Theaters und speziell des TAP selbst herausfinden.

Dieter Rummel hat die Komödie mit viel Witz und Tempo inszeniert. In der Hauptrolle des Frank Hoffmann glänzt Erhard Hennig mit trockenem Witz und variantenreicher Mimik. Nadja Solf hat sich vom unterdrückten Naivchen aus "Genug ist nicht genug..." zur selbstbewußten, erotischen Frau entwickelt, die genau weiß, was sie will. Dafür muß Gabriela Reinitzer diesmal den Part der kalt-berechnenden Ex-Frau übernehmen. Diese Rolle kostet zwar Sympathie - besonders bei den männlichen Zuschauern - eröffnet aber schauspielerische Möglichkeiten, die Gabriela Reinitzer konsequent nutzt. Ralf Bettinger als Sohn Thomas wirkt eher wie ein Student denn wie ein 18-jähriger Schüler, bringt aber dennoch das angeborene Schmarotzertum junger Leute gut zum Ausdruck. Heidi Bergemann nervt die bereits etwas beziehungs-gestreßte Gesellschaft als geschwätzig-spionierende Haushälterin und Kognac-Freundin, während Simone Denzel als die kurzfristige Lebensabschnittsgefährtin des Juniors leider nur bettlägerig präsent war.

Die Zuschauer belohnten die gelungene Aufführung durch langen, rhythmischen Beifall, der vor allem Regisseur Dieter Rummel galt. Ihn hatten die Zuschauer als Georg Schlüter, den neuen Mann der Ex-Frau, auf der Bühne erwartet. Aber da sei der Autor Curt Flatow vor: laut Dieter Rummel darf man die Werke lebender Autoren nicht eigenmächtig ändern. Aber auch ohne den typischen "Bühnen-Rummel" war diese Premiere ein gelungenes Exemplar der Boulevard-Kultur.

Zu erwähnen bleibt noch, daßie Bühnenausstattung von "Living Karstadt" im Sinne eines Kultur-Sponsorings bereitgestellt wurde, mit modernen Bildern und ausgewähltem Mobiliar. Auf die Schaltung von Werbeblöcken während der Aufführung hatte man jedoch verzichtet.