| DOPPELFEHLER |
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Hintergründige Beziehungskomödie mit dem
gemischten Dopel Gabriela Reinitzer und Dieter Rummel |
Was geschieht, wenn sich ein geschiedenes Ehepaar nach einigen Jahren in einem Restaurant zufällig über den Weg zur und von der Toilette läuft? Natürlich - nach banalen Begrüßungsfloskeln und dem üblichen "Es geht mir prima" folgen sofort die mehr oder weniger versteckten, durch aufgesetzten Humor kaschierten Sticheleien und Vorwürfe über das zurückliegende Ende der Beziehung. Obwohl jeder der beiden mit dem neuen Partner im Restaurant weilt, kommen die beiden nicht richtig voneinander los. Obwohl George seiner Ex bereits nach wenigen Sätzen ausreichend Grund gegeben hat, empört davonzurauschen, bleibt sie und stichelt lieber zurück. Das süffisante "Tête-à-Tête" gerät durch dumme Zufälle derart kompromittierend, daß sich George prompt eine Tracht Prügel des neuen Liebhabers seiner Ex-Frau einfängt. Es folgt, was folgen muß: Sie ruft ihn in Sorge um sein blaues
Auge an, er spielt den beiläufig leidenden Macho, und sie eilt zu
ihm. Das alte Feuer lodert wieder auf, und nach kurzer Zeit findet man
sich nicht nur im Bett, sondern sogar als dauerhaftes Paar wieder. Auf
der weitläufigen nachgeholten Hochzeitsreise - bei der ersten Eheschließung
verfolgte George am Fernseher die Mondlandung der Amerikaner - fängt
jedoch das alte Übel wieder an. Sie stört sich an der ewig hochgeklappten
Toilettenbrille, er sich an ihrem erzieherischen und Ton und ihrer kleinlichen
Ordnungsliebe. Und schon tauchen wieder die "und überhaupt"-Argumente
mit weitem Rückgriff in die gemeinsame Vergangenheit aus der Versenkung
auf. Sie wirft ihm seinen Hang zu geistig minderbemittelten Teenagern vor,
während er über ihren langweiligen zwischenzeitlichen Liebhaber
höhnt, dem er sich natürlich haushoch überlegen fühlt.
Alexs Wunsch nach einem Kind schmettert er mit einem ernüchternden
Hinweis auf ihr Alter ab und reißt damit weitere Gräben auf.
Das Stück lebt vor allem von den Dialogen, die wohldosiert Sentimentalität und Sottisen mischen. Vor allem George - von Dieter Rummel grantelig-chauvinistisch angelegt - gefällt sich in bissigen Geistreicheleien, meist auf Kosten von Alex oder Dritten. Er ist immer noch "Mamas Liebling", so wie man sich das Produkt einer vergötternden Einzelkind-Erziehung vorstellt. Außer sich liebt er niemanden, und von jedem verlangt er Rücksicht auf seine seelischen Befindlichkeiten. Diese Egozentrik wirkt gerade durch seine wissenschaftlich ausgebildete Intelligenz besonders penetrant. Wenn er am Schluß es endlich geschafft hat, daß sich Alex ein für allemal von ihm löst, zerfließt er vor schmollendem Selbstmitleid. Alex, von Gabriele Reinitzer praktisch-forsch gespielt, kommt wesentlich besser weg als George. Mit einem gehörigen Schuß Pragmatik und Realitätssinn meistert sie alle Schikanen des Lebens und scheitert am Schluß doch an diesem Egozentriker. Wie viele der weiblichen Komödienfiguren weist sie - bei Licht besehen - kaum Schwächen auf. Selbst ihr Räsonnieren über die hochgeklappte Toilettenbrille wirkt nicht unbedingt penetrant, ja, man wundert sich, daß sie klaglos die schweren Koffer ins Hotelzimmer trägt, während er muffig die Post studiert. Gabriele Reinitzer hat ihre stärksten Momente, wenn es hitzig zur
Sache geht, während Dieter Rummel am meisten als der nörgelig-selbstgerechte
Intellektual-Chauvi überzeugt. Kleinere Textschwächen bügelt
er geschickt aus und stellt sie als schauspielerisches Element zur Schau.
Bei manchen Satzdrehern war man sich jedoch nicht ganz über die Texttreue
im Klaren...
Alles in allem ein spritziger Abend, der jedoch weitaus mehr melancholische Wahrheiten über die Beziehungsprobleme zwischen den Geschlechtern enthielt, als die vielen Lacher und der kräftige Beifall am Schluß vermuten ließen. Aber die Komödie ist immer noch das beste Mittel, menschliche Schwächen darzustellen - und zu ertragen.Vielleicht erkennt der Eine oder Andere doch sich selbst in den Bühnenfiguren wieder. Vorstellungent täglich um 20.15 - außer montags - , samstags um 20 Uhr. Kartenvorbestellungen täglich von 18.30-20 Uhr und montags bis freitags 11-15 Uhr, samstags 12-14 Uhr. Telefon 06151/3 35 55 bzw. 3 35 56 |