DOPPELFEHLER

Hintergründige Beziehungskomödie mit dem gemischten Dopel Gabriela Reinitzer und Dieter Rummel
DIE KOMÖDIE - TAP -
Theater am Platanenhain
Bessunger Straße 125 - Darmstadt
Tel.: 06151/3 35 55 und 3 35 56
DOPPELFEHLER
Hintergründige Beziehungskomödie mit dem 
gemischten Doppel
Gabriela Reinitzer und Dieter Rummel
Wiederaufnahme am 28. August
täglich außer montags bis zum 13.9.
Nach der erfolgreichen Komödie "Mein Vater - der Junggeselle" hat das TAP in Darmstadt mit "Doppelfehler" - englisch "Double Act" - des Australiers Barry Creyton schon wieder ein neues Stück einstudiert und es am 24. April zum ersten Mal dem Publikum vorgestellt. Nach dem turbulenten Mehrpersonenstück nun ein reines Duo mit Gabriele Reinitzer und "Altstar" Dieter Rummel
Was geschieht, wenn sich ein geschiedenes Ehepaar nach einigen Jahren in einem Restaurant zufällig über den Weg zur und von der Toilette läuft? Natürlich - nach banalen Begrüßungsfloskeln und dem üblichen "Es geht mir prima" folgen sofort die mehr oder weniger versteckten, durch aufgesetzten Humor kaschierten Sticheleien und Vorwürfe über das zurückliegende Ende der Beziehung. 
Obwohl jeder der beiden mit dem neuen Partner im Restaurant weilt, kommen die beiden nicht richtig voneinander los. Obwohl George seiner Ex bereits nach wenigen Sätzen ausreichend Grund gegeben hat, empört davonzurauschen, bleibt sie und stichelt lieber zurück. Das süffisante "Tête-à-Tête" gerät durch dumme Zufälle derart kompromittierend, daß sich George prompt eine Tracht Prügel des neuen Liebhabers seiner Ex-Frau einfängt. 

Es folgt, was folgen muß: Sie ruft ihn in Sorge um sein blaues Auge an, er spielt den beiläufig leidenden Macho, und sie eilt zu ihm. Das alte Feuer lodert wieder auf, und nach kurzer Zeit findet man sich nicht nur im Bett, sondern sogar als dauerhaftes Paar wieder. Auf der weitläufigen nachgeholten Hochzeitsreise - bei der ersten Eheschließung verfolgte George am Fernseher die Mondlandung der Amerikaner - fängt jedoch das alte Übel wieder an. Sie stört sich an der ewig hochgeklappten Toilettenbrille, er sich an ihrem erzieherischen und Ton und ihrer kleinlichen Ordnungsliebe. Und schon tauchen wieder die "und überhaupt"-Argumente mit weitem Rückgriff in die gemeinsame Vergangenheit aus der Versenkung auf. Sie wirft ihm seinen Hang zu geistig minderbemittelten Teenagern vor, während er über ihren langweiligen zwischenzeitlichen Liebhaber höhnt, dem er sich natürlich haushoch überlegen fühlt. Alexs Wunsch nach einem Kind schmettert er mit einem ernüchternden Hinweis auf ihr Alter ab und reißt damit weitere Gräben auf. 
So endet das Stück wie es begonnen hat: man trifft sich nach der zweiten Trennung wieder am selben Ort, George versucht noch einmal dieselbe Tour, doch diesmal wirkt seine Masche nur noch resigniert-halbherzig, und Alexandra hat sich endgültig von ihm gelöst. 

Das Stück lebt vor allem von den Dialogen, die wohldosiert Sentimentalität und Sottisen mischen. Vor allem George - von Dieter Rummel grantelig-chauvinistisch angelegt - gefällt sich in bissigen Geistreicheleien, meist auf Kosten von Alex oder Dritten. Er ist  immer noch "Mamas Liebling", so wie man sich das Produkt einer vergötternden Einzelkind-Erziehung vorstellt. Außer sich liebt er niemanden, und von jedem verlangt er Rücksicht auf seine seelischen Befindlichkeiten. Diese Egozentrik wirkt gerade durch seine wissenschaftlich ausgebildete Intelligenz besonders penetrant. Wenn er am Schluß es endlich geschafft hat, daß sich Alex ein für allemal von ihm löst, zerfließt er vor schmollendem Selbstmitleid. Alex, von Gabriele Reinitzer praktisch-forsch gespielt, kommt wesentlich besser weg als George. Mit einem gehörigen Schuß Pragmatik und Realitätssinn meistert sie alle Schikanen des Lebens und scheitert am Schluß doch an diesem Egozentriker. Wie viele der weiblichen Komödienfiguren weist sie - bei Licht besehen - kaum Schwächen auf. Selbst ihr Räsonnieren über die hochgeklappte Toilettenbrille wirkt nicht unbedingt penetrant, ja, man wundert sich, daß sie klaglos die schweren Koffer ins Hotelzimmer trägt, während er muffig die Post studiert. 

Gabriele Reinitzer hat ihre stärksten Momente, wenn es hitzig zur Sache geht, während Dieter Rummel am meisten als der nörgelig-selbstgerechte Intellektual-Chauvi überzeugt. Kleinere Textschwächen bügelt er geschickt aus und stellt sie als schauspielerisches Element zur Schau. Bei manchen Satzdrehern war man sich jedoch nicht ganz über die Texttreue im Klaren... 
Die von Klaus Meinders ausgestatte Bühne ist um ein Doppelbett herum aufgebaut, Symbol für die Bedeutung dieses Möbels für alle Art von Beziehungs-"Kisten". Auf einer Liege am linken Bühnenrand schüttet Alex periodisch ihrem fiktiven Psychater ihr Herz aus, während George simultan auf der anderen Seite stehend seinen Therapeuten mit Selbstrechtfertigungen bombardiert. Die geschickt synchronisierten Wechselreden der beiden mit den über die Bühne fliegenden Ping-Pong-Sätzen lockerten die Dialoge wohltuend auf. Da in diesem Stück viele Szenenwechsel durch Beleuchtungseffekte unterstützt werden mußten, war auch von Volker Seibel in der Technik einiges an Aufmerksamkeit gefordert. 

Alles in allem ein spritziger Abend, der jedoch weitaus mehr melancholische Wahrheiten über die Beziehungsprobleme zwischen den Geschlechtern enthielt, als die vielen Lacher und der kräftige Beifall am Schluß vermuten ließen. Aber die Komödie ist immer noch das beste Mittel, menschliche Schwächen darzustellen - und zu ertragen.Vielleicht erkennt der Eine oder Andere doch sich selbst in den Bühnenfiguren wieder. 



 Vorstellungent täglich um 20.15 - außer montags - , samstags um 20 Uhr.  
Kartenvorbestellungen täglich von 18.30-20 Uhr und montags bis freitags 11-15 Uhr, samstags 12-14 Uhr.  
Telefon 06151/3 35 55 bzw. 3 35 56