| Sophiensäle Berlin:"Aber wirklich" |
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Sprachliche Beziehungs-Collage in kargem Ambiente |
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Im Umfeld der "Hackeschen Höfe" hat sich eine erweiterte Kulturszene etabliert, die nicht unbedingt gleichermaßen renovierte Räumlichkeiten nutzen kann, aber dennoch an der kulturellen Aufbruchsstimmung dieses Viertels mit experimentellen oder ausgefallenen Stücken partizipiert.
In den "Sophiensälen" in der Sophienstraße direkt hinter den Hackeschen Höfen läuft die satirische Sprach-Collage "Aber wirklich" , die nach einem Tagebuch des Künstlers Pjotr Nathan von der Schauspieltruppe "Lubrica"mit Judica Albrecht, Miriam Fiordeponti, Ingrid-Maria Sauer und Armin Dallapiccola selbst inszeniert wurde. In einem Saal, der um die Jahrhundertwende schönere Zeiten gesehen hat und dringend einer Renovierung harrt, ist vor einer Zuschauertribüne aus Holzbänken ein karges Interieur aus vier Stühlen auf einem Teppich mit menetekelartigen Wortfetzen der Stückes arrangiert. Die vier Hauptdarsteller, ein Mann und drei Frauen, nähern sich unter beiläufigem Smalltalk aus den Ecken des Raumes und nehmen Platz: Die ausgeflippte, ordinäre Blondine mit Drogentouch, kürzestem Lederrock und HIV-Infektion, die unterkühlt-zynische Business-Frau mit durchorganisiertem Liebesleben und abfälligen Sprüchen, die eingepuppte Enddreißigerin mit Katze, Nabelschau und komplizierten Beziehungen und der - von der Business-Frau - geschiedene Mitvierziger, schwach aber den abgeklärten Mann spielend.
Diese vier geben im Folgenden Satzfetzen von sich, die sich nur bisweilen und dann auch nur scheinbar auf die Worte der anderen beziehen. Im Grunde genommen führt jeder nur Selbstgespräche, die sich immer um sein Ego, seine Beziehungsprobleme und die Anderer drehen. Die eigene Unzulänglichkeit wird durch die Fehltritte der Mitmenschen kompensiert. Dabei bedient sich jedoch jeder nur stereotyper Redewendungen, den Medien, der Werbung oder einfach dem Lifestyle entlehnt. Keiner zeigt authentische Züge, jeder versucht einem von außen aufgepropften Lebensentwurf gerecht zu werden. Störungen des Bildes ergeben sich nur kurzfristig, so wenn die junge Blondine mitteilt, sie sei HIV-positiv. Kurzfristig sucht jeder einen neuen Platz - weg von ihr - dann kehren alle zur alten Sitzordnung und zum einstudierten Verhalten zurück. Das Stück endet so offen wie es beginnt, eine Karikatur menschlicher Nicht-Beziehungen ohne Hoffnungsschimmer. Humor kommt höchstens in beißender Form vor, das Lachen bleibt im Halse stecken. Die Akteure überzeugten durch viel Engagement, temporeiches Spiel und glaubwürdigen Charakterisierung der einzelnen Typen. Am Ende gab es freundlichen bis kräftigen Beifall des meist jugendlichen Publikums. Wer die Satire und die alternative Szene des Theaters mag, erhält hier einen guten Eindruck von der jungen Kunstszene im ehemaligen Ost-Berlin. Adresse: LUBRICAT Sopienhsäle in der Sophienstraße 18, 10178 Berlin, Telefon (030) 285 99 360 |