Alan Ayckbourn: "Bedroom Farce"

Im "English Theater" brennen die Betten
Kein leises, zartes Bettgeflüster, sondern laute Bettszenen spielen sich bei diesem Stück in den drei Schlafzimmern auf der Bühne des "English Theaters" in Frankfurt ab. Vier Paare spielen Partner- und Paarungsszenen in drei Bettstellen. Bei Ernest(Hugh Walters) und Delia(Hildegard Neil) geht es noch vergleichsweise harmlos zu. Kein Wunder - sind sie doch seit Jahrzehnten verheiratet und begehen an diesem Abend wieder einmal einen hochrangigen Hochzeitstag. Während die Dame des Hauses ganz mit der Verschönerung ihres Äußerens beschäftigt ist, sorgt sich Ernest in geradezu paranoider Besessenheit um eine mögliche Undichtigkeit des Daches. So plappern sie nebeneinander her in Dialogen, die nicht zum ersten Mal zwischen den beiden stattfinden.

Nick(Ian Crowe) liegt mit einem heftigen Hexenschuß im Bett und kann sich kaum rühren. Jan(Gina Cameron), seine Ehefrau, richtet ihm alles Notwendige, denn sie will noch kurz zur Party von Malcolm(Adam Stafford) und Kate(Malene Christian), um ihre alte Jugendliebe Trevor(Russell Layton) dort zu treffen. Der leidende Gatte ist gar nicht begeistert davon, allein gelassen zu werden, doch kann er Jan ja nicht zurückhalten.

Malcolm und Kate sind ein richtig nettes Pärchen. Sie toben ums Bett herum wie zwei Teenager und verstecken gegenseitig ihre Schuhe, Kleiderbügel und andere sperrige Gegenstände im Ehebett, um einander zu necken. Sie haben zur großen Party eingeladen und bei ihren neckische Spielereien ganz vergessen, daß die Gäste quasi vor der Tür stehen. Da klingelt es auch schon, und Kate ist noch nicht einmal angezogen. Herein kommt Trevor, der Chaot, der sich im Laufe des Stückes noch als Albtraum für alle anderen entpuppen wird.

Nun geht die "Post ab". Die Gäste fluten herein, Mäntel fliegen aufs Bett, in dem sich die halbnackte Kate verkrochen hat. Trevor berichtet von schier unüberwindlichen Eheproblemen, und Susanna(Bridgid Zengeni), seine Ehefrau, beweist in einem heftigen Zweikampf unter Einsatz einer Vase, das ihre und Trevors Probleme tatsächlich nicht so ohne weiteres zu lösen sind. Nach diesem Streit ist auch die Party gelaufen, die Gäste verlassen fluchtartig das Haus. Die Zuschauer werden in die Pause entlassen, wo sie mit "After Eight" und Schokoladentalern verwöhnt werden, um den Bühnentrubel etwas leichter zu verdauen.

Im zweiten Teil des Stückes geraten alle Paare dank Susanna und Trevor in Streit miteinander. Die beiden verstehen es wirklich wunderbar, Unruhe zu stiften und anderen - übrigens auch den Zuschauern - gehörig auf die Nerven zu gehen. Ob sie es schaffen, daß am Ende auch noch das Publikum zerstritten oder doch vielleicht ein Happy End in Sicht ist, das sollten die Leser durch einen Besuch im "English Theater" selbst in Erfahrung bringen.

Judith Rosenbauer, "Artistic and Managing Director" des Theaters, hat mit der 1975 von Alan Ayckbourn geschriebenen Komödie wieder ein schrill komödiantisches Stück auf die Bühne des English Theaters in Frankfurt gebracht. Szenerie und Kostüme wurden in eben dieser Zeit belassen. Trevors Outfit mit gebatiktem Unterhemd und Schlaghose wird manchem jugendlichen Zuschauer einen Schrei des Entzückens entlocken, denn gerade hat die junge Generation die Klamotten der 70er Jahre wiederentdeckt, während die älteren Zuschauer sich fragen werden, ob sie wirklich einmal so "ätzend" herumgelaufen sind.

Nostalgie im Ambiente und Outfit, gepaart mit einer gehörigen Portion Beziehungsstreß und aufgelockert mit netten Slapstick-Einlagen, machen den Besuch im English Theater zu einem amüsanten Highlight der neuen Spielzeit.

Kartenvorbestellungen unter 069/242316-20 oder -44 täglich von 12-19 Uhr, samstags von 16-19 Uhr und sonntags von 14-17 Uhr.