| 1. Familienkonzert im Staatstheater |
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Eine kindgerechte Einführung in die klassische Musik |
Das erste Familienkonzert des Staatstheaters am 22. November war ausverkauft. Das Angebot des Theaters, mit der gesamten Familie ein Konzert zu besuchen, stieß in Darmstadt auf große Resonanz.
Dieses Mal gab es nicht nur Musik für Kinder, sondern auch zwei Kinderstars zu bewundern. Da trat als erste die 15-jährige Aline Pogostkin als Interpretin von Camille Sain-Saens "Introduktion und Rondo Capriccioso" op. 18 für Violine und Orchester auf. Um den jungen Zuhörern den Begriff "Rondo Capriccioso" zu erklären, wählte Dirigent Franz Brockagen den Vergleich mit der "Pizza Capricciosa", die der Koch mit allerlei raffinierten Zutaten versieht, um dem Gaumen ein ausgefallenes Erlebnis zu vermitteln. In sehr ähnlicher Weise sorgt der Komponist in diesem Stück laufend für Überraschungen und zeigt die Musik von der launischen, ja sogar unartigen Seite. Aline Pogostkin legte denn auch viel Temperament in ihre Darbietung und führte dem Zuhörer die ganze Bandbreite ihres Instrumentes vor. Da hüpfte der Bogen beim Stakkato über die Seiten und brachte die Geige zum Jubeln. Aber es gab auch zarte und lyrische Momente, die von ganz hohen Tönen bis zu den tiefsten Bässen reichten. Die Kinder fanden es bewundernswert, daß Alina alles auswendig spielte, und das schöne Kleid, das sie trug, erinnerte ein kleines Mädchen gar an das einer Prinzessin.
Alina plauderte dann noch ein wenig über ihr Leben. Sie geht genauso wie andere Kinder ins Gymnasium, übt aber neben den Hausaufgaben täglich noch zwei Stunden. Ihre Geige ist übrigens eine Viertel Million Mark wert. Als Zugabe gab es noch den letzten Satz aus der 2. Sonate "Furien" von Ysaye. Hier konnten die Zuhörer der Musik entnehmen, wie Hexen Zwiesprache halten und dann in wilder Jagd auf ihren Besen durch die Lüfte sausen.
Der zweite Kinderstar dieses Konzerts war Jörg Beyerlin. Erst 14 Jahre alt, begleitete er als Erzähler die musikalische Erzählung "Arche Noah" von Stanley Weiner. Dieses Werk bietet sich für ein Familienkonzert geradezu an, denn die Kombination aus Erzähler und großem Orchester sorgt für viel Spannung und macht die Musik so herrlich plausibel.
Noah lebte zwischen dem Roten und dem Schwarzen Meer und war sehr alt und weise. Als er eines Tages zum Himmel blickte, spürte er, daß ein großes Unglück bevorstand. Die dumpfe musikalische Stimmung wird von Klarinette und Flöten unterbrochen, die tirilierend eine Taube ankündigen. Sie unterrichtet Noah über die bevorstehende Sintflut und über seine Aufgabe, eine Arche zu bauen und darin alle Tiere zu versammeln.
Nun muß das Orchester Holz sägen, wobei hauptsächlich Geigen und Oboen zum Einsatz kommen. Pauken und Becken bringen mit lautem Knall Bäume zu Fall. Als dann die ersten Tiere an Bord kommen, charakterisieren die verschiedenen Instrumente die Stimmen und Temperamente der Tiere und verdeutlichen, wie erzählerisch Musik sein kann.
Das Grummeln des Orchesters kündigt die Sintflut an, und die Windmaschine bringt die Stürme in den Zuschauerraum. Da war so mancher kleine Zuschauer froh, als die Arche Noah auf dem berg Ararat zum Stehen kam und die Stimmung wieder friedlicher wurde. Nun, da alle Tiere gerettet waren, spielte das Orchester zum großen Fest auf. Alle Instrumente kamen zum jubelnden Einsatz, und alle Tiere nahmen noch einmal musikalisch teil.
Zum Schluß der Vorstellung durften alle Kinder zum Orchester, um die Instrumente genauer in Augenschein zu nehmen und auch mal das ein oder andere anzufassen. Am 20. Dezember wird das Konzert zum zweiten Mal aufgeführt. |