| "Jugend spielt Alt-68er" |
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Der Jugendclub des Staatstheaters Darmstadt inszeniert Barrie Keefes "Gimme Shelter" |
Das Staatstheater Darmstadt bietet im Rahmen des "Jugendclubs" Jugendlichen mit Neigung zur Schauspielerei in der Werkstattbühne unter entsprechender Anleitung die Möglichkeit eigener Inszenierungen. Viele Darmstädter werden sich in diesem Zusammenhang noch an die gelungene Aufführung von "SchülerInnen" erinnern.
Am 21. Februar fand die Premiere des neuen Stückes statt: "Gimme Shelter" von Barrie Keefe. Nun erwartet man - vielleicht etwas naiv - von einem Schülertheater Stoffe, die den Alltag von Jugendlichen widerspiegeln und interpretieren. Barrie Keefe hat dieses Stück jedoch im Alter von über 30 Jahren geschrieben und darin durchaus keine typischen Schülerthemen behandelt.
Anläßlich eines Betriebsausfluges absentieren sich einige "kritische Protestler" von der Masse der Belegschaft und verweigern demonstrativ die Teilnahme an der verordneten Lustbarkeit. Einer der Abtrünnigen, Kevin(Daniel Schößler) schwingt das große Wort des gesellschaftlich angewiderten Revolutionärs und zwingt seine Freunde mehr oder weniger zur Distanz zur Belegschaft und macht sich nebenbei an das einzige Mädchen in der Gruppe heran. Im zweiten Bild bringt ein jugendlicher Schulversager(Henning Hartmann) mit undiskutablem Zeugnis an seinem Abgangstag mehrere Lehrer in seine Gewalt und genießt einmal die Macht über seine bisherigen Unterdrücker. Im dritten Bild trifft der mittlerweile zum Nachwuchsmanager arrivierte und mit dem Mädchen Janet(Katharina Uhland) verheiratete "Revoluzzer" Kevin auf den in die Psychatrie verbannten Schüler und findet in ihm ein neues Ziel für seine verbale Revolte. Gleichzeitig schwärmt seine mit Zwillingen schwangere junge Frau vom Häuschen und der Hypothek. Verlogenheit, Opportunismus, pseudo-politisches Schwadronieren und Eigennutz stehen im Mittelpunkt dieses Einakters. Der leidenschaftliche Beschwörer der Revolution erweist sich als opportunistischer Schwätzer, und seine nur scheinbar eher opportunistischen Freunde zeigen mehr Loyalität als er - und sei es nur zur Fußballmannschaft. Am Ende stehen ihm alle Wege offen, weil er geschickt seinen Vorteil zu nutzen versteht. Andere jedoch, und seien sie noch so arme Tröpfe, sollen die Kastanien der Revolution aus dem Feuer holen, von seinen hohlen Worten angetrieben. Der Jugendclub hat sich engagiert an die Umsetzung der Aussagen gemacht und dabei auch an grotesken Mitteln nicht gespart. Das Gerede wird im ersten Teil durch eine überbetont schnelle, abgehackte Sprechweise und durch plötzlich eingestreute "lebende Bilder" karikiert. Plötzliche Musikwechsel mit harten Rhythmen sorgen für die nötigen Brüche. Besonders Daniel Schröder als Kevin und Harald Hartmann als Schüler profilieren sich hier, ohne die anderen MitspielerInnen deshalb abwerten zu wollen. Dennoch litt die Aufführung etwas unter der konfusen und dünnen Handlung, die aus drei nur notdürftig zusammengekitteten Szenen besteht und zu keiner geschlossenen Aussage kommt. Zu vordergründig ist die Symbolik und die Moral. Die Wut gegen "das System" wird mal legitimiert(der Schüler), dann wieder als reiner Opportunismus (Kevin) entlarvt. Wie so oft, läßt sich auch hier wieder sagen, daß sich die SchauspielerInnen mit besten Kräften bemüht haben, aus einem schwachen Stück eine gute Aufführung zu machen. Dies ist ihnen über weite Strecken auch gelungen. |