| Wagner, Debussy, Berlioz |
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Hochromantisches Konzert des Jugend-Sinfonieorchesters Hessen zu Ostern 1999 |
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Das Land Hessen unterhält und fördert seit über zwanzig Jahren das "Jugend-Sinfonieorchester", dessen Ziel es ist, auch jugendlichen Musikern vor oder anstatt einer eventuellen Musiker-Karriere die Möglichkeit zu geben, in einem großen Orchester mitzuwirken. Die jungen Leute qualifizieren sich durch Teilnahme an dem Wettbewerb "Jugend musiziert" und durch persönliches Vorspiel. Erschwerend für die Aufführungspraxis wirkt sich die altersbedingte Fluktuation der Besetzung aus.
In diesem Jahre hatte die Stadt Darmstadt unter der musikalischen Leitung von Dirigent Marc Albrecht die Schirmherrschaft über das Programm übernommen, und dort fand am Karfreitag auch die "Premiere" statt. Von Insidern war kurz vor Beginn zu hören, das man am selben Tage noch neun(!) Stunden geprobt habe, und dieser Streß war einigen Gesichtern am Abend auch durchaus anzusehen. Das Ergebnis dieses "Härtetests" konnte sich jedoch hören lassen.
Schon das einleitende Parsival-Vorspiel mit dem "Karfreitags-Zauber" von Richard Wagner stellte hohe Anforderungen an Konzentration und Musikalität der jungen MusikerInnen. Lang ausgehaltene, verinnerlichte Bläser- und Streichersequenzen prägen dieses Musikstück, die bei äüßerst sensibler Führung der einzelnen Instrumente gleichzeitig ein Höchstmaß an innerer Spannung einfordern. Über lange Strecken konnte das Orchester diese Spannung aufrechterhalten und den Zuhörern die weihevolle und beinahe religiöse Atmosphäre nahebringen, ohne falsches Pathos oder Sentimentalität.
Als zweites Werk stand Claude Debussys "Rhapsodie für Klarinette und Orchester" auf dem Programm. Die thematische Verbindung zur Parsival-Musik ergab sich aus der emphatischen Zustimmung des Wagner-Gegners Debussy, der als einer der Wenigen die Bedeutung der wagnerschen Komposition erfaßt hatte. Das Klarinettenkonzert hat Debussy 1910 als Prüfungsaufgabe für die Akademie geschrieben. Es besticht durch hohe Anforderungen an die musikalische und technische Virtuosität des Solisten. Deshalb hatte man hier mit Michael Schmidt vom Staatstheater Darmstadt auch auch einen "ausgewachsenen" Profi engagiert. Schmidt bestach neben technischer Perfektion vor allem durch den weichen, vollen Klang seines Instruments, den er auch in den schnellen, hohen Passagen nicht verlor. Das Orchester gefiel vor allem in den dialogischen Passagen, in denen einzelne Elemente ein kurzes Thema im Wechsel mit der Solo-Klarinette aufnehmen. Am Schluß stand dann Hector Berlioz´ "Symphonie Fantastique" auf dem Programm, ein Werk, das bei seiner Uraufführung im Jahre 1830 radikal mit der üblichen Musikauffassung brach und zum ersten Male außermusikalische Elemente - Liebe, Eifersucht, Selbstmord - programmatisch in Musik umsetzte. Berlioz hat mit dieser Komposition eine eigene unglückliche Liebe vertont und die einzelnen Sätze bewußt mit bedeutungsvollen Titeln überschrieben: "Träume-Leidenschaften", "Ein Ball", "Szene auf dem Lande", "Gang zum Richtplatz" und "Traum einer Sabbatnacht". Die Musik spiegelt die Stationen dieses emotionellen Albtraums durch die eigenen Ausdrucksmittel wider: Die hin- und herschwankenden Gefühle des Verliebtseins, dann ausgelassene Walzerklänge eines Balls, lyrische und verträumte Motive einer schönen Landschaft, dann der düstere, langsame Marsch zum Schaffott mit dem "Schlag des Fallbeils" und dem anschließenden Trommelwirbel und am Schluß ein expressiver Toten- und Geistertanz. Hier konnten die jungen Leute jetzt frei aufspielen und ihr Temperament zeigen. Marc Albrecht hatte sich für eine recht expressive Interpretation entschieden, die dem Orchester ermöglichte, seinen Klang voll zu entfalten. Die Extreme von feiner Lyrik bis zu den verzweifelten Ausbrüchen mit vollem Schlagzeugeinsatz wurden ausgespielt und ausgekostet. Erstaunlich dabei die technische und musikalische Sicherheit dieses doch "ephemeren" Klangkörpers. Marc Albrecht hat es geschafft, die jungen Leute in der relativ kurzen Probenzeit zu Höchstleistungen zu motivieren. So mitreißend hat man die "Symphonie Fantastique" lange nicht mehr gehört. Am Ende sahen denn auch einige der jungen MusikerInnen recht erschöpft aus. Dennoch waren sie bereit, aufgrund des langanhaltenden Beifalls den vierten Satz noch einmal als Zugabe zu spielen. Es ist diesem jungen Orchester nur zu wünschen, daß die nächsten Aufführungen dieses Programms über die Osterfeiertage genauso erfolgreich verlaufen sind. |