Präzise Musikalität und Temperament

Haydn, Bruch und Barber vom Mannheimer Streichquartett
Im 10. und letzte Kammerkonzert dieser Saison im Staatstheater Darmstadt präsentierte das "Mannheimer Streichquartett" mit Andreas Kercher(Violine), Claudia Hohorst(Violine), Niklas Schwarz(Viola) und Armin Fromm(Violoncello) Werke von Samuel Barber, Josef Haydn und Max Bruch.

Den "fast" zeitgenössischen Barber (1910-1981) hatte man gegen die übliche Regel, modernere Komponisten in die Mitte zu stellen, an den Anfang gesetzt. Barbers Streichquartett in h-Moll op. 11 zeichnet sich durch eher konservative Stilelemente aus und lehnt sich in vielem an Brahms an. Dennoch wirkt es in diesem ausgehendeen Jahrhundert durchaus nicht deplaziert, sondern überzeugt durch die Ausdruckskraft und eine ausgewogene Harmonik. Der Schwerpunkt dieser Komposition liegt eindeutig in dem langgezogenen zweiten Adagio-Satz, der mit seinen langen Spannungsbögen fast hymnisch wirkt und eine eigenartige, beschwörende Stimmung verbreitet. Dieser Satz hat im Repertoire auch als Solostück weite Verbreitung gefunden und einen hohen Bekanntheitsgrad gewonnen. Der ziemlich kurze dritte Satz nimmt Themen des ersten (molto allegro) wieder auf und rundet die Komposition ab.

Die vier Musiker folgten den emotionellen Steigerungen dieses Quartattsatzes mit viel Gespür und Gestaltungskraft, ohne dabei in eine gefühlige Übrinterpretation zu verfallen.

Das Haydn-Quartett op 77,1 aus dem Jahr 1799 zeichnet sich durch Tempo und Lebendigkeit aus. Der erste Satz ist durch ein schnelles Marschtempo geprägt, das vom Mannheimer Quartett leicht und spritzig interpretiert wurde. Auch der Menuettsatz lebt vom Tempo. Im Gegensatz zu dem eher schreitenden Charakter der meisten Menuette stürmt dieser Satz geradezu vorwärts, so dass man nur noch mit Mühe den Menuett-Charakter erkennen kann. Dennoch gelang den vier Musikern eine transparente und akzentuierte Interpretation, und trotz der "klassischen" Distanz, die die Haydn-Kammermusik üblicherweise auszeichnet, entwickelte sich hier dank der Spielfreude der Akteure ein eigenes musikalisches Temperament.

Nach der Pause widmeten sich die Musiker dann ausgiebig der Interpretation des Streichquartetts c-Moll, op. 9, von Max Bruch(1838-1920). Das Stück präsentiert sich eigentlich als Violinkonzert mit begleitendem Streichtrio. Wer das berühmte Bruchsche Violoinkonzert kennt, hörte an allen "Ecken und Enden" dessen Themen und Linienführung durchschimmern. Die Violine erhält hier breiten Raum, sich zu entfalten, und Andreas Kercher an der 1. Violine nutzte diese Gelegenheit weidlich. Das "Mini-Orchester" schloss sich seinem intensiven Vortrag an und verschrieb sich einer engagierten und konsequent romantischen Interpretation. Besonders eindrucksvoll gelang der zweite Satz mit seinem weit ausladenden Pathos, aber auch das zupackende "Allegro molto" des dritten und das schwungvolle "Molto vivace" der folgenden Sätze bestachen. Dies war Romatik pur und die Musiker folgten dieser Vorgabe des Komponisten gerne und mit viel Spielfreude.

Der langanhaltende und mehr als freundliche Beifall des Publikums veranlasste die Musiker, mit der Ballettmusik zum "Goldenen Zeitalter" von Dimitrij Schostakowitsch zum Abschluss noch eine sehr humorvolle Zugabe zu bieten.