| Musikalische Strenge und Klarheit |
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Das englische Nash-Ensemble mit einem dichten Programm in Darmstadt |
Das Londoner "Nash Ensemble" tritt seit 1964 in wechselnden Zusammensetzungen auf und hat sich vor allem der zeitgenössischen Musik angenommen. Das Programm am 11. März im Darmstädter Staatstheater enthielt folgerichtig als Kernstück Hans-Werner Henzes "Quintetto für Klavier, zwei Violinen, Viola und Violoncello". Eingerahmt wurde diese im Jahr 1990 entstandene Komposition von Mahlers Frühwerk, dem Quartettsatz in a-Moll, sowie von dem bekannten Klavierquintett f-Moll op.34 von Johannes Brahms.
Der im Jahre 1976 komponierte Quartettsatz des damals gerade 16 Jahre alten Gustav Mahler trägt bereits typische Mahler-Züge. Die langgezogenen, elegischen Passagen verleihen dem Satz bisweilen fast symphonischen Charakter. Gleichzeitig schwingt vor allen in den absteigenden Linien romantischer Geist mit, den der junge Mahler aus der zeitgenössischen Musik aufgesogen hat. Die vier Musiker mit Ian Brown am Klavier vermieden bei aller Verinnerlichung jegliche falsche Sentimentalität und legten die Strukturen dieses Frühwerks offen.
Das unheimliche Thema zu Beginn verfehlte seine Wirkung nicht, die anschließenden rhapsodischen und liedhaften Motive bilden einen gelungenen Abschluß und wurden von dem Quartett mit viel musikalischem Feingefühl ausgedeutet.
Es ist vor allem dem Hamburger Musiker Peter Ruzicka zu verdanken, daß diese lange verschollene Komposition wieder aufgefunden wurde.
Hans-Werner Henzes "Quintetto" stellte da an die Zuhörer schön höhere Anforderungen. Die Musik wirkt äußerst abstrakt, sozusagen konstruiert statt komponiert, und wird eher über den Kopf als den Bauch rezipiert. Emotionale Assoziationen stellen sich nicht ein. Dennoch hört man sich auch in diese Musik ein, und das nun um die Violonistin Catherine Manson erweiterte Ensemble schafft es, dieser komplizierten Musik Farbe und Ausdruck zu verleihen. Mit zunehmender Spieldauer wuchs beim Zuhörer das Verständnis für die melodischen und harmonischen Konstruktionen, und vor allem im letzten Satz verwandelte sich der bis dahin konsequente Dialog von Klavier und Streichern in ein echtes Zusammenspiel aller Instrumente. Das Publikum verabschiedete die Musiker ob dieser Konzentrations- und Interpretationsleistung mit viel Beifall in die Pause.
Den Abschluß bildete das f-Moll-Quintett von Brahms, und hier fanden die fünf Musiker noch einmal zu voller Spielfreude. Besonders hervorzuheben sind das wunderschöne Andante, das in seiner Sehnsucht Schubertsche Züge trug, das herzhafte und energische Scherzo sowie der spannungsgeladene Beginn des Finales. Bemerkenswert auch die Klarheit, die das Ensemble dieser sich durch die Vielfält der Motive auszeichnenden Komposition verliehen. Kein Moment verlor sich ihr Spiel in Unübersichtlichkait und thematischer Unverbindlichkeit. Die Vielfalt wurde hier zum Genuß für die Zuhörer.
Das Publikum dankte den Künstlern mit langanhaltendem Beifall, konnte jedoch leider keine Zugabe mehr erwirken.
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