| Gärtnerstück mit "Deus ex Machina".... |
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Mozarts Oper "La Finta Giardiniera" in Darmstadt |
So wie sich die Götter des Altertums gerne zu eigenem Nutz und Frommen in menschliche Angelegenheiten einmischten - siehe "Amphytrion" - so scheint auch der Theatergott von Zeit zu Zeit soviel Spaß am Bühnengeschehen zu finden, dass er kräftig mitmischt, zum Staunen von Spielern und Zuschauern. Mozarts frühe Oper "La Finta Giardiniera" erlebte gerade den Auftritt des Grafen Belfiore mit einem inszenierten Stolperer, als ein Knall ertönte, der ob der gelassenen Reaktion der Darsteller zum Stück zu gehören schien. Doch als kurz darauf mitten in der Szene der schwere Feuervorhang niederschwebte, herrschte Ratlosigkeit aller Orten. Ein implodierter Scheinwerfer hatte die dramaturgisch gewollte Verwirrung auf der Bühne treffsicher auf die Spitze getrieben. Doch damit nicht genug, erstrahlten wenig später mitten in einer Solo-Arie der Hauptdarstellerin die Lichter im Zuschauerraum in vollem Glanze und man ahnte nichts Gutes....
Doch genug der Scherze: es wurde auch Musiktheater geboten, und zwar sehr lebendiges. Zur "Handlung": die Gräfin Violante Onesti(Akiko Nakajima) hat sich - als Gärtnerin verkleidet - auf die Suche nach dem Grafen Belfiore gemacht, der sie in rasender Eifersucht niedergestoßen hat und sie für tot hält. Bei Don Anchise, dem "Podesta"(Alexej Grigorev), bestellt sie zusammen mit ihrem treuen Diener Nardo (Christoph Begemann) den Garten. Don Anchise stellt ihr natürlich nach, obwohl er eigentlich seiner Dienerin Serpetta(Barbara Meszaros) die Ehe versprochen hat. Daneben geistert noch - Marianne Andersen in einer Männerrolle - der liebeskranke Ramiro durch die Kulissen, dem seine Geliebte Arminda(Doris Brüggemann) den Laufpaß gegeben hat, um nämlichen Grafen Belfiore(!) ausgerechnet bei ihrem Onkel Anchise zu ehelichen.
Alles ist für eine klassische Verwechlsungs- und Beziehungskomödie bereitet, und der Spaß kann losgehen.
In den nächsten zwei bis drei Stunden werden alle Variationen von Liebesweh und- glück musikalisch-theatralisch durchgespielt, und dank Mozarts Musik und Friedrich Meyer-Oertels Inszenierungskunst kommt niemals Langeweile auf. Meyer-Oertel nutzt geschickt die komischen Situationen und schlachtet auch noch das Scheinwerfer- Malheur geschickt aus: als im zweiten Anlauf besagter Szene der Graf graziös-prätentiös auf die Bühne tänzelt, harrt jeder im Zuschauerraum des Fehltritts - doch elegant steigt er in den Garten hinab - verdienter Lacher. Die lächerlichen Liebeshändel einer erstarrten Gesellschaft rutschen nie ins Groteske oder Ideologisch-Moralische ab, der Witz behält immer die Oberhand. Ob Armindo ihren Verehrer Ramiro abwechseln schlägt und streichelt, ob Serpetta und Nardo wie Hund und Katze umeinanderstreichen, alles hat Tempo und Meyer-Oertel sorgt dafür, daß der dünne Handlungsfaden durch viel Bewegung auf und hinter der Bühne straff gehalten wird. Da pfeift denn auch einmal der lüsterne Don Anchise der angebeteten Sandrine-Violante genealogisch korrekt aber völlig anachronistisch "Reich mir die Hand, mein Leben...", und ein andermal erklärt er singend nicht nur die Instrumente im Orchestergraben sondern funktioniert das Eßbesteck zum Schlagzeug um.
Zum humoristischen Charakter des Stücks paßt auch, daß sich der eitel-oberflächliche Graf im Laufe der Ereignisse wandelt und zum Schluß wie auch die Anderen seine Angebetene gewinnt. Am Schluß ist alles eitel Sonnenschein, die Liebe hat gesiegt.
Die Darsteller der Premiere sprühten vor Spielfreude, allen voran Alexej Grigorev als Don Anchise, Christoph Begemann als Nardo und Barbara Maszeros als Serpetta. Sie hatten dank vieler slapstickartigen Szenen auch die dankbarsten Rollen. Akiko Nakajima glänzte wie schon in der "Lucia von Lammermoor" stimmlich und war für den eher rührend-leidenden Part zuständig, während Andreas Wagner den eitlen Grafen und seine Wandlung sängerisch und schauspielerisch überzeugend bewältigte. Das Bühnenbild suggerierte einen hohen Raum mit großen Flügeltüren, die sich auf ein Meeres-Panorama mit - je nach Tageszeit - unterschiedlich beleuchteten Wolkenformationen öffneten. Im Vordergrund rankten sich Blumen an einem Gestell empor, im Hintergrund rundeten Liegestühle und Sonnenschirme die heitere Atmosphäre ab. Das Orchester unter der Leitung von Ian Watson trat offensichtlich in stark reduzierter Besetzung auf, so kammermusikalisch transparent spielte es zu diesem leichten "Gartenstück" auf. Man kann sich gut vorstellen, daß diese Oper Ende des 18. Jahrhunderts nebenher als Unterhaltung während eines schönen Sommertags gegeben wurde, mit einigen Musikern und Sängern auf der Terrasse zwischen den Gästen. Fulminante Musik paßt in eine solche Umgebung nicht. Doch - wie gesagt - dank Mozarts Musik übersteht die Oper mühelos auch das e-musikalische Abendprogramm eines heutigen Kulturtempel. Die Zuschauer dankten für diese runde Darbietung mit langanhaltendem, völlig "buhfreien" Beifall für alle Beteilgten. |