| Tanz/Theater in Darmstadt mit "Gesucht: Lulu" |
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Das brisante Thema der verführerischen Kindfrau, getanzt |
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Das Bild der verführerischen Kindfrau hat in Männerköpfen über Jahrhunderte Unruhe und Unheil gestiftet. Vladimir Nabokov hat die Kindfrau als Thema seines lange Zeit umstrittenen Romans "Lolita" gewählt, und die Tagespresse erzählt uns traurige Geschichten von sexuellen Übergriffen auf junge, vorpubertäre Mädchen.
Birgitta Trommler, am Darmstädter Staatstheater zuständig für Tanz/Theater, hat in "Gesucht:Lulu" versucht, dem Phänomen der Pädophilie über die Körpersprache näherzukommen. Mutig hatte man für die Premiere das Große Haus ausgewählt, obwohl die Tanz/Theater-Truppe sonst nur im kleinen Werkstatt-Theater auftritt. Erstaunlicherweise war das Große Haus am 21. November sehr gut gefüllt, wobei man viele Besucher eher als Premieren-Abonnenten für die Oper eingeschätzt hätte, die den Weg zum Tanz/Theater sonst selten finden. Die offene Bühne gibt den Blick auf ein Podest mit Flipper-Automat frei, auf dem eine junge Frau im kurzen roten Kleidchen nach harten Techno-Rhythmen ausgelassen tanzt. Dem Habitus nach stellt sie ein junges Mädchen von vielleicht 14 Jahren dar, dem männlichen Auge jedoch präsentiert sie sich als ausgewachsene Frau. Der im Programmheft beschworene verboten-erregende Blick des männlichen Auges will sich nicht einstellen, und damit muß die Rezeption des Stückes über den Kopf erfolgen. Die Kindfrau auf dem Podest - in zweifacher Ausgabe von Berit Jentzsch und später Eun Mi Kuk gegeben - wird von sechs Männern im Hintergrund der Bühne beobachtet, die sich durch Gelächter, Schnalzen und anzügliche Laute bemerkbar machen. Man könnte es fast das "Hecheln der Hunde" nennen. Das Raschèr Saxophon Quartett liefert von der linken Bühnenseite die Muisk, wenn nicht gerade Techno-Konserven vom Band laufen. Zu den Klängen des Altsaxophons nähert sich zuerst der Triebtäter dem Mädchen, schleimig und verwirrt. Ihm folgt der tyrannische Voyeur im Habitus des Geschäftsmannes mit Anzug und Weste, der sich und die Frauen nur über die Macht definieren kann und das willenlose Mädchen buchstäblich an der Nase herumführt. Es folgt der sadistische-perverse Lebemann mit der Peitsche und ein Fotograf, der seine Kamera wie ein Phallus vor sich herträgt und mit ihr dem Mädchen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Leib rückt. Das Mädchen kann sich in seiner jugendlichen Naivität gegen die ausgebufften Männer nicht wehren und verfällt vollständig in die Opferrolle. Auch die einzige Frau(Dörthe Stöß), die sich ihr scheinbar solidarisch nähert und sie schützend in die Arme nimmt, will letztlich nur ihren jugendlichen Körper. Immer, wenn sich einer der Männer mit dem Mädchen eingelassen hat, fällt die Meute der anderen- nur zuschauenden - Männer in moralischer Entrüstung über ihn her, aus dieser Meute jedoch rekrutieren sich die nächsten Liebhaber. Am Ende fallen alle Männer sinnlos in einer großen Orgie über das Mädchen her, um anschließend in großer Ernücherung auseinanderzugehen. Das Mädchen sucht jetzt bei diesen Männern wirkliche Nähe, aber ihre Bitten werden brüsk abgelehnt, und auch ihr letzte Flehen um etwas Zuwendung wird nicht gehört. Schließlich nimmt sie den Einzigen, der etwas Interesse zu bekunden scheint, auf ihr Posdest mit, nur, um dort von ihm erwürgt zu werden. Tänzerisch stehen die beiden Darstellerinnen der Kindfrau im Mittelpunkt, nicht nur wegen ihrer leichten, roten Kleidchen. Sie wirbeln über die Bühne, ganz der "junge Wildfang", anfangs unbeschwert, dann zunehmend verständnislos und verzweifelt. Für sie steht das Spiel mit der erwachenden Erotik im Vordergrund, für die Männer die Machtausübung über die Erotik. Jede Beziehung endet in Bedrohung, Gewalt und - konsequent - Mord. Die Männer beschränken ihre tänzerische Auftritte auf gravitätisches, machtbetontes Schreiten, und nur bei der Ausübung von Macht gewinnen die Bewegungen Tempo und Dynamik. Mit dieser Inszenierung ist Birgitta Trommler der Idee des Tanz/Theaters am nächsten gekommen. Bewegungen als Interpretation emotioneller Strömungen und psychologischer Spannungen, Sprache nur als stereotype Wortfetzen, bewußt ohne vordergründigen Sinn, um nicht zuviel Interpretation in Worte zu legen. Die Begleitung des Saxophon-Quartetts fügte sich nahtlos in die Choreographie ein und beleuchtet mit unterschiedlichen Klangfärbungen und melancholisch-distanzierten Motiven treffend das Geschehen auf der Bühne. Der Versuch, ein so brisantes und fragiles Thema wie die sexuelle Faszination von Mädchen an der Schwelle zur Weiblichkeit ernsthaft und frei von Klischees auf die Bühne zu bringen, ist weitgehend gelungen. Die nächsten Aufführungen finden am 25.11. und am 5.12. statt. Die Kindfrau auf dem Podest - in zweifacher Ausgabe von Berit Jentzsch und später Eun Mi Kuk gegeben - wird von sechs Männern im Hintergrund der Bühne beobachtet, die sich durch Gelächter, Schnalzen und anzügliche Laute bemerkbar machen. Man könnte es fast das "Hecheln der Hunde" nennen. Das Raschèr Saxophon Quartett liefert von der linken Bühnenseite die Muisk, wenn nicht gerade Techno-Konserven vom Band laufen.
Zu den Klängen des Altsaxophons nähert sich zuerst der Triebtäter dem Mädchen, schleimig und verwirrt. Ihm folgt der tyrannische Voyeur im Habitus des Geschäftsmannes mit Anzug und Weste, der sich und die Frauen nur über die Macht definieren kann und das willenlose Mädchen buchstäblich an der Nase herumführt. Es folgt der sadistische-perverse Lebemann mit der Peitsche und ein Fotograf, der seine Kamera wie ein Phallus vor sich herträgt und mit ihr dem Mädchen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Leib rückt. Das Mädchen kann sich in seiner jugendlichen Naivität gegen die ausgebufften Männer nicht wehren und verfällt vollständig in die Opferrolle. Auch die einzige Frau(Dörthe Stöß), die sich ihr scheinbar solidarisch nähert und sie schützend in die Arme nimmt, will letztlich nur ihren jugendlichen Körper.
Immer, wenn sich einer der Männer mit dem Mädchen eingelassen hat, fällt die Meute der anderen- nur zuschauenden - Männer in moralischer Entrüstung über ihn her, aus dieser Meute jedoch rekrutieren sich die nächsten Liebhaber. Am Ende fallen alle Männer sinnlos in einer großen Orgie über das Mädchen her, um anschließend in großer Ernücherung auseinanderzugehen. Das Mädchen sucht jetzt bei diesen Männern wirkliche Nähe, aber ihre Bitten werden brüsk abgelehnt, und auch ihr letzte Flehen um etwas Zuwendung wird nicht gehört. Schließlich nimmt sie den Einzigen, der etwas Interesse zu bekunden scheint, auf ihr Posdest mit, nur, um dort von ihm erwürgt zu werden. Tänzerisch stehen die beiden Darstellerinnen der Kindfrau im Mittelpunkt, nicht nur wegen ihrer leichten, roten Kleidchen. Sie wirbeln über die Bühne, ganz der "junge Wildfang", anfangs unbeschwert, dann zunehmend verständnislos und verzweifelt. Für sie steht das Spiel mit der erwachenden Erotik im Vordergrund, für die Männer die Machtausübung über die Erotik. Jede Beziehung endet in Bedrohung, Gewalt und - konsequent - Mord. Die Männer beschränken ihre tänzerische Auftritte auf gravitätisches, machtbetontes Schreiten, und nur bei der Ausübung von Macht gewinnen die Bewegungen Tempo und Dynamik. Mit dieser Inszenierung ist Birgitta Trommler der Idee des Tanz/Theaters am nächsten gekommen. Bewegungen als Interpretation emotioneller Strömungen und psychologischer Spannungen, Sprache nur als stereotype Wortfetzen, bewußt ohne vordergründigen Sinn, um nicht zuviel Interpretation in Worte zu legen. Die Begleitung des Saxophon-Quartetts fügte sich nahtlos in die Choreographie ein und beleuchtet mit unterschiedlichen Klangfärbungen und melancholisch-distanzierten Motiven treffend das Geschehen auf der Bühne. Der Versuch, ein so brisantes und fragiles Thema wie die sexuelle Faszination von Mädchen an der Schwelle zur Weiblichkeit ernsthaft und frei von Klischees auf die Bühne zu bringen, ist weitgehend gelungen. Die nächsten Aufführungen finden am 25.11. und am 5.12. statt. |