| Wede(r)kind noch Wolfgang Amadeus |
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Friedrich Kuhlaus Oper "Lulu oder die Zauberflöte" konzertant im Staatstheater Darmstadt |
Was assoziiert der musikalisch Normalgebildete mit "Lulu" und mit der "Zauberflöte" - Na? Richtig! Nun läßt sich natürlich die Opernfigur Lulu mit der Zauberflöte überhaupt nicht in einen Rahmen pressen, und da kommt rettend das Programmheft daher: Friedrich Kuhlau - noch zu Lebzeiten Mozarts geboren und allen Klavierschülern bestens bekannt - war es, der die krause Geschichte von Prinz Lulu und Prinzessin Sidi vertonte. Wedekind konnte er nicht plagiieren und daher den Namen Lulu naiv vergeben. Daß er sich aber an dem Zauberflöten-Stoff vergriff, muß man wohl schlicht als - nicht einmal augenzwinkerndes - Epigonentum betrachten.
Wie dem auch sei, das Märchen von August Jacob Liebeskind ist noch krauser und trivialer als das Libretto der Mozartschen "Zauberflöte": Liebe, Entführung, Verzauberung, Rettung - Schwamm drüber! Vielleicht hatte das Staatstheater auch deshalb auf eine szenische Aufführung verzichtet. Diesen Stoff hätte man nur mit aufwendigen, märchenhaften Kulissen und Kostümen á la "Alcina" retten können, und das wiederum war die Musik nicht wert.
So entschied man sich für eine konzertante Aufführung, bei der der Chor im Hintergrund auf einer aufsteigenden Tribüne brav in Schwarz saß und die Sänger an der Rampe - ebenfalls in Frank und Robe - die dünne Geschichte präsentierten. Nun haben konzertante Aufführungen von Opern durchaus einen Sinn, wenn bekannte Solisten und Orchester berühmte Opern auszugsweise in Tourneen präsentieren. Das Publikum hört bekannte Musik aus anderer Kehle und kann vergleichen. Bei unbekannten Stücken wie Kuhlaus "Zauberflöte" sieht das jedoch anders aus. Man hat sie vorher - wahrscheinlich - nicht gehört und wird sie - höchstwahrscheinlich - auch nie mehr hören. Naturgemäß gilt die Aufmerksamkeit der Handlung, denn schließlich will der Mensch ja wissen, was sich da vorne abspielt. Wenn ihm diese Handlung nicht szenisch sondern nur durch ihm unbekannte Musik nahegebracht wird, besteht die Gefahr aufkommender Langeweile. Diese Gefahr hatte man offensichtlich erkannt und versucht, die Handlung zu ironisieren. Eine durchaus nachvollziehbare Absicht, denn nur so kann man diesen trivialen Stoff überhaupt dem Publikum präsentieren. Eine ernsthafte, deklamatorisch-künstlerische Umsetzung MUSS lächerlich wirken. Peter Bording als zwergenhafter Sohn des bösen Zauberers Dilfeng war per se schon ein Witz, da er 1,92 m mißt. Hübsch, wie er eingangs an der Hand seines Herrn scheinbar kleinwüchsig in einem versteckten tiefergelegten Gang einherkommt. In den folgenden Szenen spielt er den Aufpasser mit viel Ironie und Witz auch außerhalb seines stimmlichen Engagements. Er führt vor dem Orchester eine richtige kleine szenische Oper mit Gesten, Mimik und Handgreiflichkeiten auf, leider will ihm dabei keiner der anderen Sänger folgen. Thomas Fleischmann als Dilfeng singt ziemlich geradeaus ins Publikum, offensichtlich macht ihm diese Aufführung überhaupt keinen Spaß. Was hätte man aus diesem lüsternen Alten machen können...(siehe "Finta Giardieniera"). Auch Rebecca Littig als Vela läßt sich höchstens einmal zu einem situationsgerechten Lächeln herab, während Barbara Meszaro, die schon in der "Finta" als Serpatta mit viel Witz glänzte, der Szenerie neben ihrer gesanglich durchaus ansprechenden Leistung wenigstens viel weiblichen Charme beimischte (die Herren im Saal haben es genossen!). Den Höhepunkt allerdings bot Andreas Wagner als verliebter Prinz Lulu: statt diese Figur etwa tolpatschig-verliebt (Papageno) oder parodierend-heldenhaft zu interpretieren, stolzierte er wie eine Marionette todernst über die Bühne und war immer nur Tenor, nie verliebter oder märchenhafter oder verkitschter Prinz. Ach ja, da man die Handlung ohne Szenerie aus den Arien schlecht nachvollziehen kann, hatte man einen Erzähler (Wolfgang Binal) an den Rand der Bühne plaziert, der die Geschichte launig und mit durchaus ironischem Witz erläuterte. Nur fragte man sich, warum sich ein professioneller Erzähler so oft verspricht... So zog sich das Stück halt hin. Nach der Pause hatte auch Peter Bording genug von seinen Solo-Faxen und beschränkte sich weitgehend auf seine gesangliche Partien. Das Orchester unter der Leitung von Franz Brochhagen schloß sich dem allgemeinen Trend an und zelebrierte die eher durchschnittlich-nette Bühnenmusik ohne Witz und Ironie sauber und ordentlich. Es ist halt ihr Job! Langeweile begann sich auszubreiten, und man ersehnte das Ende herbei. Als dieses endlich mit dem obligatorischen Happyend und einem "mächtigen" Schlußakkord verrauscht war, setzte erstaunlich starler Beifall ein. Der war für die musikalische Leistung vor allem der Sänger mit Abstrichen auch berechtigt, aber die gesamte Aufführung warf doch mehr Fragezeichen auf als daß sie Begeisterung weckte. Alle haben sich viel Mühe gemacht, aber viel war halt aus dem Stoff nicht herauszuholen. |