Saltos, Schwertkämpfe, Witz und Farbenpracht

"Peking Opera" im Staatstheater Darmstadt
Am 25. Januar 1999 gastierte die "Original Peking Opera" im Großen Haus des Staatstheater Darmstadt. Vor ausverkauftem Haus servierte das Ensemble eine farbenprächtige Show aus Akrobatik, Pantomime und Humor. Die "Peking Opera" kann auf 600 Jahre alte Traditionen zurückblicken und hat sich seit Anbeginn hohe qualitative Maßstäbe in den Bereichen Literatur, Musik, Darstellung und Bühnenkunst gesetzt. Ganz anders als die europäische Vorstellung von Oper finden in China zwar auch Gesang und dramatische Darstellung auf der Bühne statt, aber es kommen noch Rezitation, Pantomime und Akrobatik hinzu. Auch die ausgefeilten Masken der einzelnen Darsteller zeugen von feinsinnigen Traditionen, die über die Jahrhunderte gepflegt wurden.

Das erste Stück dieses Abends mit dem Titel "Die Verwüstung des Himmels" rankte sich um die Person des Affenkönigs, der geschickt alle Gegenspieler austrickst und sich wie ein listiger Kobold an den heiligen Pfirsichen gütlich tut. Er verspeist sogar die heilige Medizin, Jindan genannt, und erhält dadurch die ewige Jugend. Mit allen Mitteln soll er besiegt werden. Da fallen Kriegerinnen in farbenprächtigen Kostümen über ihn her, aber selbst der feuerspeiende Kaiser Li Tian mit seinen Soldaten schafft es nicht, den fröhlich grimassierenden, auf der Bühne wie ein Wirbelsturm agierenden Affenkönig zu besiegen.

Das zweite Stück, "Herbstfluß", handelt von einer jungen Schönen, die am Flußufer nach ihrem Geliebten Ausschau hält. Doch sie kann den Freund nicht entdecken. Da naht Hilfe in Gestalt eines Fährmanns, der gerne mit der jungen Frau kokettiert. Er lockt sie in seinen Kahn - der hier nur symbolisch durch ein Ruder dargestellt wird - und läßt sein Schiffchen ordentlich schwanken. Beide - der Alte und das junge Mädchen - simulieren die heftigen Wasserbewegungen und das Schwanken des Bootes durch geschicktes Balancieren, das dem Zuschauer ein bewegtes Wasser vorgaukelt. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, dessen Bewegungen in allen Details perfekt einstudiert sind, sehr leicht und locker und mit viel Humor.

Auch im dritten Stück geht es vor allem humorvoll zu. Zwei Freunde begegnen sich im Dunkeln in einem Gasthaus. Sie erkennen sich nicht und vermuten im andern jeweils einen Mörder. Sie schleichen vorsichtig umeinander herum ohne sich zu sehen, versuchen, sich gegenseitig zu erschlagen, aber treffen glücklicherweise nicht. Erst als der Wirt, angelockt vom Lärm, hereinkommt und Licht macht, erkennen sich die beiden Freunde. Faszinierend ist auch hier wieder die Mischung aus Akrobatik und Witz.

Das letzte Stück des Abends läßt eine bunt-schillernde Nymphe auftreten. Sie trällert fröhlich ein Nymphenlied und lockt mit ihrem Gesang einen jungen Mann an. Während sie in hohen Tönen - fast wie ein Vögelchen - auf den Jüngling einflötet, wechselt seine Stimme vom Kopf zur Brust und vereint sich mit ihr im Duett. Durch ihre Liebe zu einem Menschen hat die Nymphe jedoch die herkömmlichen Gesetze gebrochen, und der Kaiser von Giada sendet Krieger aus, um die junge Nymphe zu bestrafen. Kampfszenen in farbenprächtigen Kostümen und mit spektakulärer Akrobatik sorgen für ein einmaliges Farbspektakel auf der Bühne. Die zarte junge Nymphe besiegt jedoch mit viel Geschick und Raffinesse alle Gegner. Es siegt die holde Weiblichkeit, und das ist kein Wunder bei dem Augenaufschlag.

Der Auftritt der "Peking Opera" ist für medienverwöhnte Europäer ein überraschendes, beglückendes Erlebnis, das staunen läßt. Der tosende Applaus am Ende der Vorstellung war ein aufrichtiger Dank an alle Darsteller.