| Intensität statt religiöser Erbauung |
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7. Sinfoniekonzert mit Beethovens "Missa Solemnis" |
Mit Messen assoziiert man gerne religiöse Erbauung, die "schöne" Musik zu Ehren Gottes in mächtiger und rührender Darbietung. Beethoven hat, wie so oft in seinen Werken, mit dieser Tradition gebrochen und seine "Missa Solemnis" weniger als Lobgesang auf Heilige oder religiöse Ereignisse denn als kompromißlose musikalische Umsetzung des Religiösen "an sich" konzipiert.
Das Orchester des Staatstheaters Darmstadt hat dieses Werk unter der Leitung seines Chefdirigenten Marc Albrecht und in Zusammenarbeit mit dem Chor des Staatstheaters Darmstadt am 9./10. und 13. Mai in Darmstadt als einzigen Punkt des sinfonischen Programms zur Aufführung gebracht.
Die "Missa Solemnis" ist für vier Solostimmen, Chor, Orchester und Orgel geschrieben. Als Solisten in dieser Aufführung wirkten Mary Anne Kruger(Sopran), Katrin Gerstenberger(Alt), Klaus Schneider(Tenor) und Jyrki Korhonen(Baß). Im Programmheft waren dankenswerterweise die vollständigen Texte der fünf liturgischen Teil abgedruckt, so daß die Zuhörer der Messe auch inhaltlich folgen konnten. Das "Kyrie Eleison" leitet mit dem "Erbarme dich..." die Liturgie ein. Dem Gebetscharakter entsprechend standen weiche, fast lyrische Töne im Vordergrund. Das "Gloria in excelsis Deo" und das "Credo" sind dagegen wesentlich akzentuierter und zeichnen sich vor allem durch starke Wechsel der Tempi und der Agogik aus. Hier setzt Beethoven alle musikalischen Mittel ein, um das Spannungsfeld zwischen Furcht und Anbetung aufzuzeigen. Nicht mehr religiöse Erbauung ist das Ziel der Musik, sondern die elementare Darstellung der Religiosität. (Ehr)Furcht, Anbetung und Anflehung bilden das Material für die musikalische Interpretation. Die zwei letzten Abschnitte, das "Sanctus und Benedictus" und das "Agnus Dei", stellten jedoch den musikalischen Höhepunkt der Aufführung dar. Hier schlug die extreme Ausruckskraft der vorherigen Sätze in eine gebrochene Interpretation um. Das "Sanctus" jubilierte durchaus nicht, sondern retardierte eher in Richtung einer verzagten Hinwendung zum Göttlichen. Keine Übereinstimmung mit dem göttlichen Plan, sondern eher trauernde Fragen prägten diesen Abschnitt. Das mag auch eine bewußte Interpretation aufgrund der gegenwärtigen Weltlage - Kososvo - gewesen sein. Auf jeden Fall beeindruckten diese beiden letzten Sätz das Publikum so stark, das nach den letzten Klängen zehn bis zwanzig Sekunden völlige Ruhe im Zuschauerraum herrschte, bevor der Beifall erst langsam, dann stetig zunehmend aufkam. Zu sehr hatten die letzen zwei Sätze der Messe das Publikum beeindruckt. Als sich Marc Albrecht umdrehte, sah man ihm die psychische und physische Anstrengung der letzen neunzig Minuten deutlich an. Keine Freude kennzeichnete das blasse Gesicht, so sehr hatt er sich offensichtlich mit seiner Interpretation identifiziert. Erst nach einigen Vorhängen lichtete sich seine Miene und er applaudierte zu Recht den Solisten, dem Orchester und letztlich auch sich. Das Publikum honorierte seine Leistung und die von Chor und Orchester durch lang anhaltenden, bewegten Beifall. |