Bleib doch zum Frühstück

Im "English Theater" brennen die Betten
DIE KOMÖDIE - TAP -
Theater am Platanenhain
Bessunger Straße 125 - Darmstadt
Tel.: 06151/3 35 55 und 3 35 56
Bleib doch zum Frühstück
(Why not stay for breakfast)
mit
      • Dieter Rummel, Simone Denzel, Martin Friedel 
Da sitzt der in die Jahre gekommene Junggeselle George Clark (Dieter Rummel) in seiner Londoner Wohnung, über ihm dröhnt die Musik aus der Wohnung einiger "durchgeknallter" junger Leute, und seine einzige Abwechslung besteht in nervenden Telefonanrufen seiner ebenfalls alleinstehenden älteren Schwester Helen und wöchentlichen Bridge-Abenden mit Freunden. Sein Beruf als Sachbearbeiter im Sozialamt führt auch nicht gerade zu emotionalen Eruptionen. 
Dies ist der Ausgangspunkt der neuen Komödie von Gene Stone und Ray Cooney, die am 18. Juni im Darmstädter Boulevard-Theaters Premiere feierte. Das sommerliche Wetter hatte die Reihen des familiären Theaters etwas gelichtet, aber das spürte man im Verlauf des Abends nicht mehr. 

In das dahinsiechende Leben von George bricht nach einem finalen Krachen in der Wohnung über ihm plötzlich eine junge, hochschwangere Frau ein. Louise(Simone Denzel) ist Auslöser und aktiver Part des gerade verklungenen Desasters und sucht bei ihrem Nachbarn kurzfristigen Unterschlupf und - Geld. Ungeniert pumpt sie gerade den an, den sie - das bekennt sie freimütig - von oben herab immer als "Alt-Prallarsch" bezeichnet haben. George ist konsterniert und hilflos ob der selbständigen Einquartierung und der rüden Sprache des Mädchens. Hier trifft ein erzbürgerlicher, aber sensibler Spießer auf ein leicht verschlamptes Mädchen mit Gossenton. Dieses "Plot" bietet sich geradezu an für eine spritzige Komödie, und die Erwartungen des Publikums erfüllen sich denn auch, wenn auch nach einer längeren Anlaufphase. 

Erst einmal passiert nämlich wenig. George und Louise reden anfangs aufgrund ihres diametral auseinanderliegenden Lebenskontextes konsequent aneinander vorbei.George will es nicht in den Kopf, dass ein junges Mädchen sich wahllos mit Männern einlässt und auch noch achselzuckend ein Kind austrägt. Als er sie schließlich - mutig, mutig - aufgrund ihrer Frechheiten rauswirft, steht sie dreißig Sekunden später wieder vor der Tür - alternativlos, und er nimmt sie wieder auf. Zwischendurch  wimmelt er Louises  buntscheckigen Wohnungspartner Jimmy ab, der das "Muttertier" wieder einsammeln will. 
Als die Diskussion zwischen ihnen einem nächsten Streit entgegenläuft, setzen bei Louise die Wehen ein, die sie durch lautes Singen zu dämpfen versucht. Während George noch hektisch im Telefonbuch unter falschen Buchstaben nach einem Arzt sucht, bahnt sich die Natur ihren Weg. Unter lautem Absingen von "Oh when the Saints...." bringen sie beide Louises Kind zur Welt. 

Nach der Pause beginnt dann der Alltag dieses kuriosen "Elternpaares". Wir wollen an dieser Stelle den weiteren Fortgang nicht verraten, um den potentiellen Besuchern nicht die Spannung zu nehmen. Es läßt sich jedoch sagen, dass es im zweiten Teil wesentlich temporeicher und spritziger zugeht, sowohl vom Handlungsablauf als auch bei den Darstellern. Dieter Rummel und Simone Denzel hatten sich jetzt "warmgespielt" und präsentierten ihre jeweiligen Standpunkte wesentlich nachdrücklicher und eindrucksvoller. Im zweiten Teil gibt es dann auch wesentlich mehr zu lachen, obwohl das ganze Stück viel melancholischer ist als die Handlung vermuten läßt. Ein alternder, einsamer Mann findet plötzlich eine Aufgabe und sogar Mut zum Widerstand, und die junge Frau merkt zunehmend, daß die jungen, coolen Kerle aus dem Obergeschoss ihr und ihrem Kinde nicht die benötigte Nestwärme geben können. So kommt denn, was kommen muss ....... aber schauen Sie es sich selbst an. 

Dieter Rummel und Simone Denzel bewältigen die Schwierigkeiten eines handlungsarmen Zweipersonen- Stücks vor allem im zweiten Teil bravourös, und Martin Friedel als Jimmy sorgt immer wieder für den auflockernden "Kontrapunkt". Den Schlußsatz sagt ausgerechnet Georges´ nur zehn Sekunden lang auftretende Schwester Helen, die zielsicher im ungeeignetsten Moment erscheint. Dann fällt der Vorhang. 

Wer wieder einmal eine unbeschwerte und doch nicht platte Boulevard-Komödie sehen möchte, sollte sich - so er in Südhessen lebt - durchaus dieses Stück im TAP an ansehen, siehe Aufführungsplan bis Ende Juni. Im Juli und August steht das Stück nur freitags und samstags auf dem programm.. 



Vorstellungen: 
Täglich um 20.15 - außer montags - , samstags um 20 Uhr. 

 Kartenvorbestellungen täglich von 18.30-20 Uhr und montags bis freitags 11-15 Uhr, samstags 12-14 Uhr.  
Telefon 06151/3 35 55 bzw. 3 35 56