Träum´ im Dezember vom goldnen September

Studentengruppe Auerbach mit dem Musical "The Fantasticks"
Die "Musische Gruppe Auerbach" der TU Darmstadt hat das berühmte Musical "The Fanatsticks", das die Musical-Gattung begründete und als das "dienstälteste" Werk dieser Gattung gilt, in den eigenen Räumen in der Riedlinger Straße in Darmstadt inszeniert. Der kleine Raum bietet wenig mehr als 100 Zuschauern Platz und verbreitet durch die Enge eine familiäre Atmosphäre und schafft Nähe zu den Darstellern. Das bereits seit Dezember 1999 in zwei Besetzungen aufgeführte Stück sorgte auch in der 15. Aufführung noch für einen vollen Saal, was für die Mundpropaganda spricht. Wenn sich der imaginäre Vorhang hebt, stellt uns der - später als Bandit El Gallo in die Handlung einbezogene - Erzähler die Personen vor: Das heimliche Liebespaar Matt und Luisa, die trotz Nachbarschaft dank der Feindschaft der Mütter nicht zueinander dürfen. Die beiden Mütter haben die Feindschaft jedoch nur er- sonnen, um durch das vermeintliche Verbot die beiden um so sicherer mit einander zu verhei- raten. Um den Knoten der Missverständnisse zu lösen, engagieren sie den Bandit El Gallo mit seinen beiden Kumpanen für eine vorgetäuschte Entführung Luisas, die Matt heldenhaft verhin- dern und damit Kinder und Eltern vereinen soll.

Nach der geglückten Operation langweilen sich jedoch die jungen Liebenden aneinander und die Mütter kommen sich auch ins Gehege. Matt bricht aus und sucht sein Glück in der Welt, Luisa zieht sich in sich selbst zurück und bandelt auch noch mit dem treulosen El Gallo an. Schließlich jedoch kommt Matt - vom Schick- sal gebeutelt zurück, und sowohl die beiden Jungen als auch ihre Mütter finden auf einer höheren Ebene vonVerständnis und Erkenntnis wieder zueinander. Diese durchaus mit einem Schuss ernster Moral gewürzte Romanze hat Regisseur Malte Foegen recht schmissig inszeniert. Aus den doch eher amateurhaften Darstellern holt er erstaunlich viel heraus, wobei Matthias Linder als Erzähler bzw. Bandit El Gallo sowohl stimmlich als auch schauspielerisch herausragt. Mit ihm steht und fällt nahezu jede Szene, und er treibt durch sein Temperament und sein fast schon professionell zu nennendes Spiel die anderen Akteure an. Auch Bernd Evers als Matt konnte vor allem stimmlich überzeugen, während Miriam Steffen als Luisa noch etwas mehr Fülle in der Stimme benötigt. Christine Etling und Kathy Beutel brachten als Mütter humoristische Würze in die Aufführung, ebenso wie Ian Wood und Norbert Pfeil als tapsige Komödianten.

Das Orchester wirkte trotz Reduzierung auf Klavier (Antje Hoenisch) und Harfe (Ute Steffan) keinesfalls unterbesetzt und führte die Sänger bei ihren eher der jeweiligen Stimmung angepassten Songs sicher und doch nie dominierend.

Wer einmal Atem holen möchte vom Anspruch des "großen" Musiktheaters, sollte sich diese Aufführung ansehen um zu erkennen, dass die Grundlagen der Kultur letztlich in der Begeisterung von Amateuren liegen.

Weitere Aufführungen finden am 25.,26. und 29 Februar sowie am 4. März statt. Alles weitere findet man unter der Website