| Der gestiefelte Kater - kindergerechtes Ballett |
![]() |
Gastspiel des rumänischen Staatsballets in Darmstadt |
Wer kennt nicht das klassische Märchen der Gebrüder Grimm über den lebens- tüchtigen Kater, der dem beim Erbe benachteilgten Müllerssohn auf die Sprünge hilft und ihn mit viel Witz und List erst zur Prinzessin und dann zum König- reich verhilft. Wer will, kann sich auch die tiefenpsychologischen Spekulationen über die Bedeutung der Katze und der Katharsis des erzwungenen Bades des jungen Burschen zu Gemüte führen. Wer jedoch nur gute Unterhaltung wünscht, sieht sich besser die ballettöse version dieses deutschen Urmärchens an.
Das rumänische Staatsballett hat das Märchen unter der Leitung von Oled Danovski zur Musik von Peter Tschaikowski einstudiert. Da der russische Komponist keine Ballett- musik hierfür geschrieben hat, mussten andere Ballett-Kompositionen wie "Dornrös- chen"und der "Nussknacker" sowie verschie- dene Symphonien, Variationen und Walzer herhalten, mehrheitlich Stücke, die man sozusagen mitsingen kann. Dazu hatte man die einfache Geschichte in zwei Akte mit mehre- ren Bildern eingeteilt, die ein tanzender Spre- cher einleitete und inhaltlich vorstellte.
Im Mittelpunkt der Choreographie stand der Kater, gespielt von der temperamentvollen Aliss Tarcea, die das Publikum mit ihrem Witz, ihrer spitzbübischen Mimik und ihrem quirligen Wesen begeisterte. Vor allem die Kinder hatten ihren Spaß an dieser Figur, und die Episoden auf der Bühne waren folgerichtig auch auf das jugendliche Publikum ausgerich- tet. Schon das anfängliche Sterben des Vaters mit der ungerechten Verteilung des Erbes wirkte eher spaßig als tragisch. Der Tod übertraf dramatisch kaum die Wirkung eines Schnup- fens und war allemal weniger bedeutend als die Ungerechtigkeit der Erbzuteilung. Bei dem ersten Zusammentreffen des jüngsten Sohnes mit seinem Erbe, dem Kater, konnte sich Aliss Tarcea bereits durch Gelenkigkeit und verführerische Künste auszeichnen. Folgerichtig gelang es dem Kater, den jungen Mann hinaus in die weite Welt zu locken, seinem Glück entgegen. Der weiteren Verlauf der Geschichte ist bekannt: der Kater verschafft der kapriziösen Prinzessin das gewünschte Häschen - putzig hüpfend im weißen Trikot Simona Costea - und auch gleich seinen Herrn als Prinzen, der etwas tumbe König (Gelu Rapa) grinst dazu mehr oder weniger verständnisvoll, und nachdem der Kater dem Zauberer auch noch das standesgemäße Schloss abgeluchst - nein "abgekatert" - hat, steht dem Glück des jungen Paares nichts mehr im Wege. Und wenn sie nicht gestorben sind..... Die Choreographie könnte man als kindge- recht und schlicht bezeichnen. Das Märchen wurde ohne jegliche ironische Brechungen linear erzählt. Die Person des Katers - Sym- bol für die Lebenstüchtigkeit des einfachen Volkes wie in den Rokkoko-Opern mozart- scher Prägung - stand im Mittelpunkt und zeigte auch die erhoffte Wirkung. Die tänzerischen Leistungen überzeugten vor allem im zweiten Teil, als man mangels Hand- lung das große Vermählungsfest des jungen Paares durch ausgiebige Schautänze "à deux" oder in der Gruppe feierte. Hier konnte die Truppe ihre tänzerischen Fähigkeiten zeigen und tat dies auch mit viel Erfolg, der des öfteren Szenenbeifall zur Folge hatte. Die Bühnendekoration passte sich der eher naiven Ausrichtung der Inszenierung an. Pappkulissen simulierten im Hintergrund das Schloss des Königs oder des bösen Zaube- rers, und die von unsichtbaren Statisten im Hintergrund vorbeigetragene Sänftenkulisse blieb auch schon einmal am Ende des Weges halb umgekippt stehen, bevor sie diskret weggeräumt wurde. Aber was macht das: vor allem für die jungen und alten Liebhaber des Balletts war es ein schöner Abend mit gekonntem Tanz zu schmissiger und bekannter Musik. Am Ende waren die Besucher begei- stert und verabschiedeten das Ensemble mit viel Beifall. Dies wohl vor allem auch deshalb, weil sich die gesamte Truppe zur letzten Szene hinter Katzenmasken zu einem echten Rock´n Roll aufschwang. |