| Brausender Saisonabschluss mit Arnold Schönberg |
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8. Sinfoniekonzert in Darmstadt mit Schönbergs "Gurreliedern" |
Es war schon erstaunlich, wie zahlreich das Darmstädter Publi- kum angesichts des hochsommerlichen Wetters und des doch nicht alltägli- chen Programms zum Abschluss- konzert der Saison erschienen war. Generalmusikdirektor Marc Albrecht hatte mit Arnold Schönbergs selten aufgeführten "Gurreliedern" ein eher sperriges da nicht unmittelbar eingängiges Werk ausgewählt und dabei alles aufgeboten, was Chor und Orchester zu bieten hatten.
In den Gurreliedern hat Schönberg das alte däni- sche Märchen um den König Waldemar und seine geliebte Tove vertont, die nur im Tode zueinander finden können. In strengen konzertanten Wechsel- gesängen gestehen sich die beiden im ersten Teil ihre Liebe und finden von Todesahnung gezeichnete Erfüllung. Nach einem längeren Zwischenspiel des Orchesters berichtet die Waldtaube vom Tode Toves und vom Schmerz Waldemars, der im zweiten Teil den himmlischen Mächten seine Verzweiflung entgegenschreit.
Im dritten Teil steigen die Männer Waldemars auf sein Klagen hin aus ihren Gräbern und singen ihm ein wildes Lied. Schönberg schildert dies mit der Stimme des ängstlichen Bauern, der sich die Erscheinungen nicht deuten kann. Nach einem eher komödiantischen Zwischenspiel mit dem im Geisterreich umherirrenden "Klaus-Narr", der wider Willen mit den wilden Mannen ziehen muss, endet das Stück mit einer Apotheose auf den beginnenden Frühling, der hier für den Sieg des Lebens über den Tod steht. Für die Rolle des Waldemar hatte man René Kollo gewinnen können. Seine Stimme ist immer noch sehr präsent und durchsetzungsstark, obwohl Marc Albrecht es ihm bisweilen mit seinem forcierten Orchesterspiel schwer machte, sich zu behaupten. In einigen Passagen verlor er sich zwangsläufig gegn die geballte Macht der Instrumente. Toves Part hatte Susan Owen übernommen. Sie glänzte durch Klarheit und beeindruckende Präsenz. Auf Grund ihrer Stimmlage konnte sie sich auch in lauten Passagen besser gegen das Orchester behaupten. Michaela Schuster bestach als Waldtaube durch klare Artikulation und Eindringlichkeit der Inter- pretation. Anton Keremidtchiev gab den Bauern in gewohnt sicherer und ausdrucksstakter Manier und Kurt Azesberger sang den Klaus-Narr beinahe witzig. Den Schlusstext sprach Nicole Averkamp von der Schauspielertraube, durchdringend und mit viel Verve. Der Chor hatte in dieser Aufführung viel zu leisten, setzte er sich doch aus verschiedenen Teilchören zusammen, die nur wenig Zeit zum gemeinsamen Üben gefunden hatten. Dennoch kamen die Ein- sätze überwiegend präzise und ausgewogen. Beeindruckend war die enge Verzahnung mit den schwierigen Orchesterfiguren und die zeitweise eruptiven Ausbrüchen. Das Orchester selbst hatte diesmal ein außeror- dentlich schwieriges Pensum zu absolvieren. Die Musik des frühen Schönberg - 1901-1910 - bewegt sich zwar noch im tonalen Raum und erinnert oftmals an Gustav Mahler oder Richard Strauss, gestaltet sich jedoch durch die immer wieder neuen Zusammensetzungen, Motive und Figuren sowie die häufigen Wechsel von Tempo und Intensität äüßerst komplex. Kaum, dass ein Thema einmal - wie in der klassichen Musik - wiederholt wird, höchstens kurze Motive. Besonders gelungen war das Zwischenspiel im ersten Teil vor dem Auftritt der Waldtaube mit den weit ausholenden, lyrischen Themen und dem nahezu kakophonen Schluss. Der dritte Teil dage- gen beeindruckte vor allem durch seine kompro- misslose Wucht. Marc Albrecht, die Solisten und das gesamte Orchester konnten anschließend die "standing ovations" des Publikums entgegen nehmen, die zu Recht kaum ein Ende finden wollten und ein wür- diges Ende für diesen gelungenen Saisonabschluss darstellten. |