In seinem Roman „Was nicht gesagt werden kann“ zeichnet David Szalay die Lebensgeschichte des Protagonisten Istvan auf und nimmt dabei die Rolle des Beobachters ein. Emotionslos, sehr sachlich schaut er auf Istvans Leben.
Wie in einem „Coming of Age“-Roman beginnt die Aufzeichnung mit dem Fünfzehnjährigen, der mit seiner Mutter in einer neuen Stadt ankommt und dort eine neue Schule besuchen muss. Die Klassengemeinschaft ist längst gefestigt und die Rangordnung unter den Jungen ausgespielt. Istvan bleibt ein Außenseiter und findet in einem anderen Außenseiter einen ersten Freund. Beide tauschen sich über erste sexuelle Erfahrungen aus, doch Istvan fühlt sich überfordert und stimmt seinem Freund zu, dass sein Sexualtrieb wohl ziemlich schwach sei.
Das ändert sich jedoch, als die verheiratete Nachbarin im Plattenbau mit ihren 41 Jahren ein sexuelles Erlebnis mit Istvan sucht. Sehr geschickt erobert sie ihn, ohne ihn zu überfordern. Der Jugendliche findet so viel Gefallen an den gemeinsamen erotischen Abenteuern, dass er immer süchtiger die Stelldicheins mit der älteren Frau herbeisehnt und ihr eines Tages gesteht, in sie verliebt zu sein.
Doch da kommt es zum Bruch, da die Nachbarin die erotische Beziehung eher als Spiel betrachtet und die Liebe des Jungen nicht akzeptiert. Wenig später kommt es zwischen Istvan und dem Ehemann zum Streit, der handgreiflich wird und den Nachbarn das Leben kostet. Darauf wandert Istvan für einige Jahre ins Gefängnis.
Danach sammelt er weitere sexuelle Erfahrungen und probiert auch Alkohol und Drogen aus. Schließlich geht er zur amerikanischen Armee, die junge Leute für den Kampf im Irakkrieg gewinnen will. Bei einem Einsatz verliert er seinen Kumpel und verlässt daraufhin die Armee. Ein Wiedereingliederungsprogramm ins zivile Leben nimmt er nicht wahr, taumelt weiter ziellos durchs Leben, schnupft viel Kokain und trifft Mädchen und andere Jungs.
Seine Mutter beobachtet ihren Sohn und findet, dass es Zeit sei, einen Job zu suchen. Sie hilft ihm, Arbeit auf einem Weingut zu finden. Dort kommt er gut an, bis ihm eines Tages etwas geschieht, das er nicht kontrollieren kann. Daraufhin zertrümmert er eine Tür und bricht sich dabei eine Hand. Nach der Handoperation schickt ihn seine pragmatische Mutter zu einer Psychotherapeutin. Diese findet schnell heraus, dass er unter einer posttraumatischen Belastung leidet….
Istvans Leben wird weiter hin und her geschleudert. Er kommt gesellschaftlich und finanziell ganz nach oben, nur um schließlich umso tiefer zu fallen. Seine turbulente Lebensgeschichte wird viel von äußeren Faktoren bestimmt. Das Leben selbst greift immer wieder schicksalhaft in seinen Alltag ein und schleudert ihn in schwierige Situation, die er bewältigen muss. Ein temporeicher, lesenswerter Roman über einen schweigenden Mann, der irgendwie funktioniert.
Das Buch ist im Claassen-Verlag erschienen, umfasst 380 Seiten und kostet 25 Euro.
Barbara Raudszus

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