Irene Dische: „Prinzessin Alice“

Prinzessin Alice Mountbatten, Urenkelin von Queen Victoria, Mitglied des englischen Königshauses und Prinzessin von Griechenland, war drei Jahrzehnte lang die Schönste in der Familie. Sie gebar vier Töchter und als jüngstes Kind schließlich noch den Sohn Philipp, den späteren Ehemann von Queen Elizabeth II.. Irene Dische lässt Alice in ihrem Roman selbst zu Wort kommen und holt uns Leser als Eingeweihte mit ins Boot.

Alice selbst ist stocktaub, und so erträgt sie, die eigentlich das Leben im Palast gewohnt ist, den Trubel in ihrem beengten Pariser Wohnsitz gerade so. Sie ist jetzt 43 Jahre alt, verarmt und in einer einfachen Herberge untergekommen. Sie bestickt Zierdecken und häkelt Topflappen, die sie auf dem Markt verkauft. Von dem Erlös möchte sie eigentlich Essen für ihre fünf Kinder und das Personal besorgen, verteilt aber wieder Geld an Bedürftige, so dass es nur eine einfache Erbsensuppe ohne Fleisch gibt. Alice hat ein großes Herz, ist aber für sich selbst sehr bescheiden. Ihr größter Luxus sind hin und wieder Zigaretten, die sie genießerisch raucht.

Alice ist hochintelligent, kann fünf Sprachen von den Lippen ablesen und meistert ihr äußerst bewegtes Leben mit großer Resilienz. Sie unterhält eine geradezu fanatische Liebe zu Gott und lebt ihre erotische Lust mit Jesus aus. Dadurch wird sie am Hof untragbar und zunehmend zur Bedrohung und wird schließlich in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Dort wird sie eingesperrt, schafft es aber zu entkommen und kehrt in ihren alten, heruntergekommenen Palast in Griechenland zurück. Dort eröffnet sie eine Suppenküche für die Ärmsten und hilft den Menschen bei medizinischen Problemen.

So führt sie ein gottgefälliges Leben, bis 1960 ein Militärputsch in Griechenland alles ändert und sie wieder gehen muss.

Disches Roman hat Tempo und Witz und spürt dem Seelenleben und der Kraft von Alice nach, die sich gegen die königlichen Mauern aus Eis behaupten muss. Ihren Humor verliert sie darüber nicht.

Das Buch ist im Claassen-Verlag erschienen, umfasst 156 Seiten und kostet 20 Euro.

Barbara Raudszus

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