Maria Navarro Skaranger: „Emily forever“

Emily lebt alleine in einer kleinen Wohnung und ist im siebenten Monat schwanger. Paolo, der Vater des Kindes, hat sich aus dem Staub gemacht. Er ist ein halbseidener Typ, handelt mit Drogen und zeigt kein Interesse an dem Baby. Emily wundert sich, dass er nichts von sich hören lässt, hegt aber die stille Hoffnung, dass er eines Tages doch wieder aufkreuzt.

Emilys Mutter hat sie alleine großgezogen und kann sich gut vorstellen, was es für ihre Tochter bedeutet, auf sich allein gestellt zu sein. Kurz vor der Geburt bietet sie ihrer Tochter an, zu ihr zu ziehen und sie zu unterstützen. In Emilys Wohnung angekommen, stellt sie fest, dass Emily keinerlei Vorbereitungen für das Baby getroffen hat. Daraufhin wird sie aktiv und besorgt alles Notwendige. Die Übergriffigkeit der Mutter stört die Tochter, doch selbst ergreift sie keinerlei Initiative. Sie lebt in den Tag hinein und nimmt das Leben, wie es kommt, statt es zu gestalten.

Ein Hausnachbar, von Beruf Pfarrer, beobachtet Emily und unterstützt sie oft heimlich, weil er fürchtet, dass sie mit ihrem dicken Bauch nicht mehr das Treppenhaus putzen kann. Er findet sie hübsch und entwickelt ein Interesse an ihr, aber ihm fehlen die Worte, das auszudrücken. Emily empfindet die Zuwendung des Nachbarn als angenehm, aber wirkliche Nähe zu ihm baut sie nicht auf. Sie hat ja den Kindsvater Paolo, auch wenn der ihr abhanden gekommen ist. Doch lange hofft sie, dass er wieder zu ihr und dem gemeinsamen Kind zurückkehren wird.

Maria Navarro Skaranger wurde in Oslo geboren und veröffentlichte schon mit neunzehn Jahren ihren ersten Roman. „Emily forever“ ist ihr dritter Roman, und es gelingt ihr glaubwürdig, sich in das Prekariatkind Emily einzufühlen und ein Leben frei von jeglicher Planung zu veranschaulichen. Durchaus lesenswert.

Das Buch ist im Luchterhand-Verlag erschienen, umfasst 188 Seiten und kostet 22 Euro.

Barbara Raudszus

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