Richard Price: „Lazarus Man“

Richard Price wurde 1949 in der New Yorker Bronx geboren und wuchs dort auf. Heute lebt er in Harlem, ebenfalls New York. In seinem Roman „Lazarus Man“ wird der Protagonist Anthony sechsunddreißig Stunden unter den Trümmern eines eingestürzten Hauses begraben. Er weiß nicht recht, ob er in dieser Zeit bewusstlos war oder sich in einer Art Dämmerschlaf befand. Eigentlich dachte er, er sei tot und erlebe das Nichts des Todes. Doch glücklicherweise wird er gerettet – war also nur „zu Besuch in einem finsteren Land“.

Seine Bergung empfindet er als Wiedergeburt. Er kann wieder atmen und will nur noch leben. Die Erkenntnis, dass das Leben kostbar ist, ein Wunder, ein Geschenk, überwältigt ihn. Daher möchte er den Müttern Folgendes weitergeben: „Ein Kind ist wie weicher Ton. Und die Straße kann eine brutale Bildhauerin sein.“ Wenn man selbst in der Bronx aufgewachsen ist, weiß man, wovon man redet.

Der Autor fängt die Sprache der Straße gut ein. Auch die Probleme mit der Wohnungsnot und andererseits das Gemeinschaftsgefühl der einfachen Menschen schildert er hautnah. Die Handlung des Romans springt oft zusammenhanglos hin und her und liest sich deswegen nicht flüssig. Es gibt kein fortlaufendes Plot, sondern nur ein Hin- und Herhangeln zwischen Nahtod und neuem Leben. Dennoch durchaus lesenswert.

Das Buch ist im Verlag S.Fischer erschienen, umfasst 399 Seiten und kostet 26 Euro.

Barbara Raudszus

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