Der fiktive Kriminalkommissar Sörensen des Krimis-Autors Sven Stricker ist kein James Bond, kein Hercule Poiret oder einer der sonstigen „Helden“ des Krimi-Genres, sondern ein echter „Antiheld“. Seine krankheitsgleichen Angstattacken haben ihn schon aus der kriminellen Hochburg Hamburg nach Nordfriesland verschlagen, wo es vermeintlich geruhsamer zugeht. Doch die ersten beiden Bände der Sörensen-Serie – die erst noch eine richtige werden will – haben bereits gezeigt, dass auch die nördliche Nordseeküste eher von heimlicher Mordlust denn von Heimeligkeit geprägt ist – zumindest in der Krimiwelt.
Die Verfilmung der ersten beiden Folgen – „Sörensen hat Angst“ und „Sörensen fängt Feuer“ – haben nicht nur den Autor und seine Figur X, sondern auch den Schauspieler Bjarne Mädel bundesweit bekannt und beliebt gemacht. Zugegeben, Mädel war im Fernsehen bereits ein bekanntes Gesicht, aber diese Rolle hat die Wirkung noch verstärkt.
Im Schauspiel Frankfurt haben nun Sörensen und sein Erzeuger – sprich: Bjarne Mädel und Sven Stricker – gemeinsam den dritten Roman in Form einer Lesung vorgestellt. Nun wollen die beiden natürlich Bücher verkaufen, oder zumindest der Verlag, und da wäre es kontraproduktiv, wenn man wichtige Eckpunkte der Handlung vorzeitig „spoilern“ würde, um hier einmal den gängigen Ausdruck zu verwenden. Die beiden standen also vor dem Problem, das Publikum anzufüttern, ohne ihm das Interesse an der Lektüre des Buches zu nehmen.
Also gestalteten die beiden die Lesung als eine komödiantische Szene mit verteilten Rollen. Nach einer einführenden Lesung eines Textes über ein verschwundenes junges Mädchen, das – vielleicht, vielleicht – irgendwie in dem Buch wieder vorkommt, unterhielten sich die beiden über die ersten beiden Romane und Filme. Stricker übernahm dabei die Rolle des allwissenden Autors, der in dem Schauspieler nur das ausführende Organ sieht, während Mädel mit verschränkten Armen und gesenktem Blick den ob der mangelnden Wertschätzung gekränkten Künstler gab. Da Stricker von sich als Stricker sprach und Mädel als Mädel ansprach, wirkten einige Seitenhiebe fast echt bis hin zum Faux-Pas. Doch dann merkte man schnell, dass hier alles abgesprochen war und die kleinen Sticheleien und Gemeinheiten eher das Publikum erheitern – „dem Affen Zucker geben“ – sollten als dass sie ernst gemeint waren. Und man weiß ja, wie gern ein am Spielfeldrand stehendes Publikum Nickligkeiten auf dem Spielfeld liebt. Getroffen sind ja stets andere….
Diese kleine komödiantische Show vermischten die beiden mit der Lesung zweier Kapitel aus dem neuen Buch, die in einem Fall das Plot anrissen und in dem anderen eine komödiantische Nebenhandlung über Sörensens erstes „Date“ mit einer Frau seines Alters zum Besten gaben. Besonders die zweite Szene war in ihren psychologischen Details sowohl erheiternd als auch fasts schon melancholisch, weil hier die innere Verklemmtheit des Titelhelden überspitzt zum Ausdruck kommt.
Hier brachen die beiden dann ab, ohne die weitere Entwicklung zu verraten, und das Publikum – den Verfasser dieser Zeilen eingeschlossen – wüsste nun gerne, wie sich erstens der angedeutete Kriminalfall und zweitens Sörensens Beziehung zu den Frauen im Allgemeinen und zu dieser Frau im Speziellen entwickelt .
Das Publikum im fast ausverkauften Kleinen Haus spendete so kräftigen Beifall, dass man von einer Verkaufsspitze des Buches gestern und an dem heutigen Montag ausgehen kann.
Frank Raudszus

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