Der Name der mexikanischen Malerin Frida Kahlo lässt im ersten Augenblick auf einen deutschen Hintergrund schließen, und das trifft insofern zu, als ihr Vater als Achtzehnjähriger aus Deutschland nach Mexiko auswanderte, wo Frida – damals noch Frieda – im Jahr 1907 zur Welt kam. Sie selbst sah sich als Mexikanerin und hätte wohl jeglichen konkreten Bezug zu Deutschland abgelehnt.
Claire Berest stellt diese Künstlerin in dem vorliegenden Rom zwar in der dritten Person vor, doch tatsächlich handelt es sich um eine subjektive Perspektive aus der ersten Person. Dabei bedient sich die Autorin eines expressiven,streckenweise geradezu surrealistischen Stils, womit sie nicht nur der Kunst, sondern auch dem Charakter der Person Frida Kahlo eine explizite Reverenz erweist.
Claire Berest versetzt sich buchstäblich in die unter den Folgen einer Kinderlähmung und dazu noch eines schweren Verkehrsunfalls leidende Frida Kahlo, die offensichtlich ein wahres Energiebündel mit kaum zu besiegender Lebenslust war. Bedenkt man, dass besagter Unfall nicht nur Kinderlosigkeit, sondern darüber hinaus auch schwere und lebenslang anhaltende Schmerzen zur Folge hatte, so erstaunt diese auch und besonders erotisch gefärbte Lebenslust umso mehr.
Claire Berest kommt es nicht auf einen dokumentarischen Lebensbericht an; vielmehr bringt sie Frida Kahlos inneren Sehnsüchte und Leidenschaften zum Ausdruck. So dominiert über längere Strecken dieses Hörbuchs der Maler Alejandro ihre Gedanken und Träume, mit dem sie wohl liiert war, der sie aber nach dem schweren Unfall fallen ließ. Da dieser Name in den bekannten Fakten nicht auftaucht, darf man an künstlerische Freiheit denken. Damit könnte die Autorin auf die diversen Affären Frida Kahlos mit auch bekannten Männern und Frauen anspielen, deren Erwähnung in einem Buch unter Umständen zu juristischen Problemen geführt hätten.
An diesem Alejandro und später an Frida Kahlos tatsächlichem Ehemann Diego Riviera lässt Claire Berest die kompromisslose Leidenschaftlichkeit dieser Frau buchstäblich kulminieren, die jedoch nie in Unterwürfigkeit oder Abhängigkeit umschlug. Frida Kahlo liebte das Leben, die Liebe und die Kunst, und um diese Liebe auszuleben, brauchte sie Partner. Das konnte aber ebenso ihr Ehemann wie auch mal ein anderer Mann – oder eine Frau – sein. Claire Berest geht jedoch auf Frida Kahlos aktenkundigen homoerotischen Affären nicht ein, wohl, um nicht einen falschen Zungenschlag in diesen Roman zu bringen. Sie will die Leidenschaftlichkeit einer Frau und Künstlerin darstellen, nicht aber die Emanzipation von konventionellen erotischen Lebensmustern in den Vordergund stellen.
Anna Ratte-Polle verleiht als Sprecherin dieser Frau die nonkonformistische Leidenschaftlichkeit, die Claire Berest mit ihrem Buch zum Ausdruck bringen möchte, und man spürt förmlich Frida Kahlos täglichen Kampf gegen die Verzweiflung und – schlimmer noch – die Resignation.
Das Hörbuch ist bei Hörbuch Hamburg erschienen und kostet bei einer Laufzeit von 329 Minuten 11,95 Euro.
Frank Raudszus

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