Erlebnisort Kunsthalle

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Die Darmstädter Kunsthalle zeigt in einer neuen Ausstellung Arbeiten von Florian Süssmayr, Daniel Stubenvoll und Masha Tupitsyn.

Vom 26. Januar bis zum 17. April präsentiert sich die nach Renovierung wieder eröffnete Kunsthalle in Darmstadt als Ort, an dem man zeitgenössische Kunst mit allen Sinnen erleben kann.

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Florian Süssmayr: „Auferstehung“, 2014

Im Außenbereich hat der Charlotte-Prinz-Stipendiat Daniel Stubenvoll eine „Intervention“ am Zaun des Kunsthallengeländes vorgenommen, die die Aufmerksamkeit des Besuchers auf den grellorangen Teil der Umzäunung lenkt. In den unteren Räumen der Kunsthalle werden Bilder des Münchner Malers Florian Süssmayr gezeigt. Darunter sind Schlüsselwerke der letzten zehn Jahre, aber auch aktuell für die Darmstädter Ausstellung gefertigte Arbeiten. Es gibt viel gegenständlich Fotorealistisches zu sehen: Auseinandersetzungen mit unserer Zeit, U-Bahn-Stationen. Toilettenwände, Massenszenen bei Fußballspielen, Straßenschlachten, aber auch eindrucksvolle Portraits. Neben der klassischen Malerei fertigt Süssmayr Collagen und verwendet dabei Stoff, Haut, Holz, und Papier. Auch Übermalungen setzt er künstlerisch ein.

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Daniel Stubenvoll: „Pyramids“, 2016

In der oberen Etage  bekommt der Besucher Zugang zu der Werkreihe „Pyramids“, in der Daniel Stubenvoll Bilder des Comics „Pyramids“ von René Rogge fotografisch mit Teilen des Kunsthallenzauns hinterlegt hat. Hier werden die Comiczeichnungen ästhetisch unterlegt und lassen Assoziationen von Eingeschlossenheit durch den Zaun oder im Inneren der Pyramide entstehen. Ist der Ausstellungsraum anfangs noch groß und weit, verengt er sich später zu einem schmalen, dunklen Gang, ähnlich dem Inneren einer Pyramide. Der Ausstellungsbesucher spürt die Enge buchstäblich physisch. An der dunkelsten Stelle dringen Geräusche von außen an das Ohr. Es sind die „Love Sounds“ von Masha Tupitsyn. Zu diesem letzten Ausstellungsraum, dem sogenannten „Studio West“, gibt es nichts zu sehen, aber Tonfragmente aus 1.500 Liebesszenen zu hören. Die Künstlerin filtert aus den Szenen nur die Akustik heraus und entfaltet so beim Zuhörer ein „Kopfkino“. Es ist ein ungewöhnlicher Zugang zum Thema „Liebe“, die sich hier nur über das Gehör ausbreitet.

Kunsthallendirektor Dr. Léon Krempel ist es mit dieser vielseitigen Ausstellung gelungen, das Außen und Innen der Kunsthalle wirkungsvoll zu bespielen. Dank der vier Protagonisten und ihrer Kunstwerke kommen Gebäude und Kunst miteinander ins Gespräch. Bleibt zu hoffen, dass die Besucher sich an diesem innovativen Prozess beteiligen.

Barbara Raudszus

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