In Ballito am Indischen Ozean deuten Hotels und Ferienhäuser auf die Nähe zu Durban

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Blick in die runde Zuluhütte mit Großmüttern und Kleinkindern
Badeort mit Großstadtanschluss

In Ballito am Indischen Ozean deuten Hotels und Ferienhäuser auf die Nähe zu Durban

Dienstag, 23. Oktober

Zurück ins mondäne Strandleben

Bevor wir heute Abschied nehmen von „Morgenthau“, hat sich unsere Gastgeberin noch zwei Dinge ausgedacht, die gestern zu kurz gekommen sind. Wir sollen einmal sehen, wie die Zulubevölkerung lebt, und zum anderen hat sie noch eine Führung durch das Museum von Hermannsburg für uns organisiert.

Schulklasse in der afrikanischen SchuleSo steigt Lindy, die junge Küchengehilfin der Lodge, zu uns ins Auto und dirigiert uns zu ihrem Dorf, das etwa einen Kilometer entfernt liegt. Es besteht aus einer losen Ansammlung von Lehmhütten, die – wenn überhaupt – nur durch gestampfte Wege miteinander verbunden sind. Lindys Vater schlägt vor einem großen Holzhaufen Stützstangen für seine neue Hütte zurecht, und Lindys Bruder empfängt uns mit strahlendem Gesicht, um als Reiseführer zu dienen. Er hat vor einem Jahr die lokale Schule abgeschlossen – nicht die deutsche! -, spricht leidlich Englisch und hat wie viele hier keine Arbeit. Er zeigt uns stolz die kleine Hütte mit ihrem festgestampften Lehmboden, der mehr als kargen Einrichtung und: Flachbildfernseher und nagelneuem DVD-Gerät. Hier trifft schlichtester Naturzustand auf modernste Technik. Dann holt er seine Zulu-Utensilien wie Stirnreif, Schild und Speer hervor und lässt uns damit posieren. Zu allem lacht er fröhlich wie ein Kind und scheint sich des Kontrastes zwischen der Primitivität seiner Behausung und der modernen Technik nicht bewusst zu sein. Nebenan baut er für seine Schwester eine neue Hütte, die wir im Rohzustand begehen können. Sie besteht aus einem Gerüst aus senkrechten und waagerechten Holzpfeilern und Lehm, der die Hohlräume ausfüllt und damit Wände schafft. Ein Wellblechdach dichtet das Ganze mehr schlecht als recht nach oben ab. Hier ist der Begriff „Haus“ auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht.
Dann dürfen wir auch noch in die heilige Rundhütte der Zulus schauen, in der sich nach dem Zulu-Glauben die Vorfahren aufhalten. Darin brennt ein kleines Feuer, und wegen des fehlenden Abzugs wabert ein beißender Qualm in der Hütte. In diesem Qualm sitzen zwei Großmütter und ihre Schützlinge, die kleinen Kinder der arbeitenden Generation. Dieser Anblick ist für uns gewöhnungsbedürftig, vor allem, wenn man sich vorstellt, dass die kleinen Kinder stunden- und tagelang in dieser verräucherten Hütte hocken. Aber alle lächeln uns freundlich an und scheinen rundherum glücklich.

Blick auf den Strand von BallitoAnschließend geht es wieder zur Schule nach Hermannsburg, wo uns „Tante Margit“, so ihr mehr oder minder offizieller Name hier, das Museum zeigt. Im Jahr 1856 kamen die ersten lutherischen Missionare in einem eigenen Schiff nach Durban, um von dort zu Fuß in die Berge aufzubrechen, wo sie ihre Missionsstation aufbauen wollten. In mühevoller, langjähriger Arbeit gelang es ihnen, eine blühende Mission und eine erfolgreiche Schule zu errichten. Das Museum enthält eine Menge Erinnerungsstücke, Gemälde und Fotografien aus gut einhundertfünfzig Jahren, die in etwa einem Dutzend Räumen professionell angeordnet sind. Tante Margit erweckt die alten Zeiten mit ihrem lebendigen, engagierten Bericht wieder zum Leben. Als kleinen Kontrast führt sie uns abschließend noch zu der lokalen Zulu-Schule, die nichts mit der Schule von Hermannsburg zu tun hat. Ursprüngliche wollten die Missionare ein integriertes Dorf von deutschen Siedlern und einheimischen Zulus schaffen, aber diese Hoffnung hat sich nie erfüllt. Heute sind sowohl die Dörfer als auch die Schulen getrennt, und über die Jahre ist selbst der lange Zeit noch enge Kontakt zwischen den Schulen zu reinen Höflichkeitsbesuchen verkümmert. Unser ist einer davon, und der Direktor der Schule ist zwar freundlich und zuvorkommend, will uns aber keinen Einblick in die praktische Unterrichtsarbeit geben. So bleibt es bei dem Gespräch mit dem Rektor, einzelnen, mehr zufälligen Kontakten zu Lehrern und einer spontanen aber eindrucksvollen Gesangsvorführung einer Klasse.

Nun heißt es aber endlich aufbrechen, da wir noch den gesamten Tugela-Canyon vor uns haben und nicht wissen, ob dort wieder einmal dichter Nebel herrscht. Aber die Natur meint es gut mit uns, und in weniger als einer Stunde erreichen wie – nun bergabwärts – Stanger. Von dort aus geht es auf der N2 nach Süden Richtung Durban. Da wir versehentlich an der Ausfahrt Ballito vorbeifahren, entschließen wir uns spontan zu einem Besuch des größten südafrikanischen Einkaufszentrums in Umhlanga kurz vor Durban, um dort vielleicht spezielle afrikanishe Mitbringsel zu finden. Doch das Einkaufszentrum „Umhlanga Rock Gateway“ erweist sich als typisch international mit austauschbarem Warenangebot, das man so auch in Deutschland vorfindet. Typisch afrikanische Produkte gibt es so gut wie gar nicht.

So kehren wir zurück auf die N2 und fahren nach Ballito, einem Badeort etwa 25 km nördlich von Umhlanga, wo wir gegen drei Uhr nachmittags unser Zimmer mit Ozeanblick im „Old Ballito Vineyard“ beziehen. Trotz des regnerischen Wetteres – immer wieder ziehen dicke Regenschauer vom Meer heran – unternehmen wir nach der langen Sitzerei im Auto einen langen Strandspaziergang. Eine Holzpromenade führt direkt am Strand noch vor den Ferienhäusern, Villen und Appartementhäusern vorbei. Die Küste ist hier ähnlich zugebaut wie an manchen Stellen in Spanien, der Strand jedoch gehört allen. Soweit man die Küste nach Norden oder Süden entlang blicken kann, sieht man dichte Küstenbebauung. Die „North Coast“ scheint doch ein sehr beliebtes Urlaubsziel für bessergestelle Südafrikaner zu sein. Das erkennt man auch daran, dass die Qualität von Häusern, Straßen und öffentlichen Anlagen durchweg hoch ist. Außerdem gibt es ein üppiges Einkaufs- und „Lifestyle“-Zentrum, in dem sich vor allem Shopping-Wütige ganze Tage aufhalten können.

De Tag beschließen wir im italienischen Fischrestaurant „Al Pescatore“ am Strand, wo uns der italienische Wirt in fließendem Deutsch anspricht, nachdem er unsere Herkunft mitbekommen hat. Er hat früher in Berlin gelebt und ist dann seiner Frau nach Südafrika gefolgt, wo er hier seit langem das Fischrestaurant betreibt.

Morgen geht es dann per Flugzeug zur letzten Station dieser Reise, nach Kapstadt.

Frank Raudszus

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