Bilder aus einer anderen Welt

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Im Landesmuseum Mainz läuft bis zum 5. Oktober eine besondere Ausstellung mit Fotos des noch jungen Künstlers Moritz Koch (*2000). Unter dem Titel „Memories Of Another Tomorrow“ zeigt Koch Fotokunst, die sich mit Vergangenheit und Zukunft zugleich auseinandersetzt. Die Arbeiten wirken surreal, obwohl sie im Hier und Jetzt verankert sind, und ziehen den Beobachter magisch ins Bildgeschehen hinein.

„Ankunft der Minerva“

Es ist eine inszenierte Fotografie, bei der Moritz Koch teilweise bis zu 150 Komparsen einsetzt, die sich zwischen Oldtimern und Nobelkarossen präsentieren, aber dennoch auf distanzierte Weise das Bildgeschehen füttern. Den Stau auf der Autobahn kennt jeder von uns. Es geht nichts voran, aber niemand kennt die Ursache des Staus. Die Menschen rätseln gemeinsam, was passiert sein könnte, und kommen dabei ins Gespräch. Nicht so bei Moritz Koch: Hier sind alle Beteiligten isolierte Individuen, die reglos und mit entleerten Gesichtszügen im perfekten Outfit zwischen den Luxuxlimousinen stehen und in Richtung der Stauursache starren. Ein rosafarbener Abendhimmel und eine üppige Vegetation verleihen der Szene eine surreale Ästhetik. Was ist hier Realität und was Fiktion? Die Bilder geben Rätsel auf. Der Betrachter ist gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen, weil er die Befremdlichkeit hautnah verspürt.

„Begräbnis der Minerva“

Kochs Bilder sind echte Fotokunst mit nur geringen nachträglichen Korrekturen. Er nutzt weder KI noch Fotomontage, sondern plant die Arbeiten monatelang akribisch bis ins kleinste Detail. Die für die Fotografien benötigten Komparsen setzt er punktgenau in Szene und überlässt nichts dem Zufall.

Die Vereinzelung und Isolation des Individuums in seinen Fotos ist gewollt. Wie kommt es dazu? Führt die immer perfekter werdende Technik zu einer Zersetzung der Gemeinschaft? Bei Koch greift der Mensch nicht mehr ins Geschehen ein, sondern ist nur noch Statist. Bei einem 360-Grad VR-Kunstwerk – übrigens das weltweit erste dieser art – kann sich der Betrachter selbst ins Geschehen hineinbeamen. Aber auch hier bleibt er außen vor, obwohl mittendrin.

Die Ausstellung eignet sich besonders für philosophisch interessierte Besucher, aber auch für Familien mit Kindern. Man kann rätseln, wie es zu den Szenen kam und wie die Geschichte weitergehen könnte.

Öffnungszeiten und weitere Details sind über die Webseite des Landesmuseums abrufbar.

Barbara Raudszus

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