Christoph Poschenrieder: „Kind ohne Namen“

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Xenia hat zwei Semester an der Universität studiert, als sie feststellt, dass sie schwanger ist. Ihr Entschluss steht fest: sie will das Kind behalten, auch wenn es so gar nicht in ihre Lebensplanung passt. Der Vater dazu interessiert sie nicht mehr. Sie kehrt in ihr Dorf zurück und zieht wieder bei ihrer Mutter ein.

Im Dorf hat sich seit ihrem Weggang jedoch einiges verändert. Ins Schulhaus ist eine Gruppe Geflüchteter eingezogen. Xenias Mutter engagiert sich sehr für die Neuankömmlinge und hofft, die Dorfbewohner auch dafür zu gewinnen. Doch hier bestimmt Skepsis die Einstellung. Auch die Asylsuchenden verkriechen sich eher in der Schule, anstatt auf die Dorfbewohner zuzugehen. Beide Seiten beäugen sich aus der Ferne. Das Willkommensfest, das Xenias Mutter inszeniert, endet als Desaster, da weder die Asylanten noch die Dorfbewohner Lust zum Feiern haben.

Xenia lernt jedoch bei dieser Gelegenheit Ahmed kennen, mit dem sie gemeinsame Spaziergänge unternimmt und ihn auf den Berg nahe dem Dorfe führt. Dort oben hat Ahmed guten Handyempfang und kann mit seinen Verwandten telefonieren. Kaum steht die telefonische Verbindung, ist Xenia komplett abgemeldet. Dennoch entwickelt sich zwischen den beiden eine zarte Freundschaft.

Dann gibt es nahe dem Dorfe noch einen Burgherren, der auf der Burg oberhalb des Dorfes lebt. Er lenkt eine Gruppe paramilitärischer junger Männer, die er um sich geschart hat. Er bestimmt, was im und um das Dorf herum geschieht. Ihm sind die Flüchtlinge willkommen, lässt sich doch mit ihnen ordentlich Geld verdienen. Außerdem fordert der Burgherr von den Dorfbewohnern das nächste ungetaufte Kind, und Xenia gerät unter gehörigen Druck.

Christoph Poschenrieders Roman liest sich flott, strotzt allerdings vor plakativen Metaphern und Bezügen zu Goethes „Faust“ und Kafkas „Das Schloss“. Hier wäre weniger mehr gewesen. Der Plot bietet an sich genügend Stoff für einen dichten Roman und hätte nicht noch symbolisch aufgeladen werden müssen.

Das Buch ist im Diogenes-Verlag erschienen, umfasst 288 Seiten und kostet 22 Euro.

Barbara Raudszus

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