Wasser, Wald und Wiesen – und ein Golfplatz

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Der Neckar schlängelt sich auf seinem Weg von Heilbronn nach Heidelberg an den Orten Neckarsulm, Bad Wimpfen und Bad Rappenau vorbei, wobei er letzteren Badeort in großem Boden umgeht. Sportlich aktive Reisende finden hier schöne Radwege entlang des Flusses, dem sie – gefühlt – ewig folgen könnten. Wer jedoch neben dem Radeln noch andere Sportarten betreibt, findet zwischen Neckar und Bad Rappenau den Golfclub Bad Rappenau, der für Golfspieler auf jeden Fall eine Reise wert ist.

Der Golfplatz Bad Rappenau

Der noch junge Golfclub – gegründet 1989 – liegt im beschaulichen Ortsteil Zimmerhof ein wenig östlich von Bad Rappenau. Was hier sofort auffällt, ist die fast himmlische Ruhe: keine Schnellstraßen, keine Eisenbahn und keine Anflugrouten stören die Konzentration beim letzten Put, und das wirkt sich auch auf die Fauna aus, denn hier hört man noch die Vögel zwitschern. Die achtzehn Löcher verteilen sich auf eine großzügige Fläche und der Platz besteht im wesentlichen aus zwei von Clubhaus und landwirtschaftlichen Wegen getrennten Arealen. Loch 1 bis 8 sowie die Driving Range liegen westlich des Clubhauses, Loch 9 direkt davor. Da das Loch 9 entlang eines größeren Wassers verläuft, gibt es also vom Clubhaus aus immer etwas zu sehen. Wer will, kann dann bei der „Wasserung“ der Abschläge fachmännische Meinungen und Ratschläge von der Terrasse aus äußern. Die Löcher 10 bis 18 verlaufen östlich des Clubhauses in Nord-Süd-Richtung. Zwischen diesen beiden Gebieten erstrecken sich hügelige Wiesen mit naturbelassenem Bewuchs. Da die ökologische Ausrichtung auch für die Anlage im engeren Sinne gilt, ziehen sich immer wieder hohe Roughs an den Fairways entlang, was streuende Golfspieler nicht unbedingt erfreuen mag. Auf diesem Platz lernt man das gerade Spiel oder zahlt mit Schlägen und Bällen.

Noch ist es frisch am Morgen

Wir beginnen unsere Runde am Himmelfahrtstag gegen 17 Uhr auf Loch 10 bei windigem, wolkenverhangenem Wetter. Das leichte Dogleg links, Par 4, stellt keine besonderen Anforderungen, doch jetzt setzen Regenböen ein. Wir ignorieren sie und marschieren weiter zu Loch 11 (Par 3), wo wir aufpassen müssen, dass der Abschlag nicht im großen Wasser links zwischen Abschlag und Grün landet. Vor dem Grün fängt ein unangenehmer Bunker alle etwas zu kurzen Abschläge ab, was bei dem mittlerweile starken Regen alles andere als angenehm ist, denn der Ball liegt tief im schweren, nassen Sand…..

Am Abschlag von Loch 12 genießt man angeblich einen traumhaften Blick auf Bad Wimpfen und das Weinsberger Tal, doch heute sehen wir da nur graue Regenböen. Wir bewältigen das Loch trotz sich durchbiegender Regenschirme und nasser Schlägergriffe noch mit Anstand und beschließen dann, den heutigen Abend – nach einer Rundum-Trocknung – in einem netten Restaurant in Bad Wimpfen fortzusetzen.

Abschlag bei Gegenlicht; man beachte die Hanglage nach rechts.

Am nächsten Morgen sieht die Welt ganz anders aus: ein strahlend blauer Himmel und angenehme Frühlingstemperaturen begrüßen und erleichtern uns den Start auf Loch 1 ungemein. Erstaunlicherweise sind morgens um 7 Uhr doch schon einige Golfer unterwegs, so dass wir uns erst mit einigen Einzelgolfern synchronisieren müssen. Dann aber beginnt ein traumhafter Golftag auf einem so abwechlsungsreichen wie reizvollen Platz. Das Dogleg links von Loch 1 (Par 4) bereitet nur auf dem Grün ein paar Schwierigkeiten, denn dieses steigt deutlich an. Selbst auf den schnellen Grüns dieser Anlage verhungert da ein Ball schnell. Dagegen muss man bei Loch 2 (Par 3) an anderer Stelle aufpassen, denn das Loch führt bergab, und hinter dem Grün fällt das Gelände deutlich ab.

Jetzt folgt eine kleine Wanderung einen Weg hinab zu Loch 3, das den Beginn der restlichen Gruppe der ersten Hälfte markiert. Im schwach ausgeprägten Dogleg rechts dieses Par-4-Loches erfordern nur einige Fairway-Bunker rechts im „Knie“ einige Aufmerksamkeit – und natürlich die Aus-Markierungen entlang der gesamten rechten Fairwaygrenze.

Dagegen stellt Loch 4 – ebenfalls Par 4 – schon ganz andere Anforderungen. Nicht umsonst ist es als schwerstes Loch ausgewiesen (HCP 1). Man muss schon viel Rückenwind haben – oder „Longhitter“ sein -, um das Grün mit dem zweiten Schlag zu erreichen. Allerdings genießen wir beim Abschlag an diesem Loch erst einmal die herrliche Aussicht auf die Kraichgauer Hügel und Täler, da uns die klare Morgenluft eine weite Sicht gestattet. Man könnte eine Runde bei solchem Wetter auf diesem Platz auch als reine Wanderung genießen.

Einlochen auf Loch 9

Das Loch 5 bietet endlich das erste Par 5. Die Spielrichtung lässt den oft kräftigen Westwind (heute nicht) zum echten Freund werden. Kurz vor dem Ende knickt der breite Fairway nahezu rechtwinklig nach links ab und führt ziemlich steil hinunter auf ein großes Grün, das ein großer Bunker gegen „Tigerline“-Spieler schützt. Doch in diesem kann man auch landen, wenn man das Grün erst am Knick anspielt! Ungeachtet des individuellen Erfolgs an diesem Loch ist es eines der schönsten Löcher – auch ohne Wasser!

Loch 6 (Par 4) gilt auch als schwer (HCP 3), da der Fairway stark nach rechts hängt, wodurch lange Schläge gerne (zu) weit nach rechts rollen. Auf Loch 7 erreichen wir den äußersten westlichen Punkt des Platzes und können jetzt wieder mit dem Westwind im Rücken rechnen. Herrlich hohe Naturwiesen links und rechts des Fairways locken allerdings den Ball zum ewigen Verweilen, und auch hier hängt der Hang deutlich nach rechts.

Auch Loch 8 (Par 5) hängt nach rechts, aber der breite Fairway erleichtert das Spiel, und vielleicht hilft auch der Rückenwind ein wenig. Dann geht es zum Loch 9 mit seinem ausgedehnten Wasser, das jeden Spieler dazu verleitet, das Grün direkt über das Wasser anzuspielen…..

Abschlag auf Loch 18

Danach geht es wegen der verregneten Abendrunde direkt zu Loch 13 (Par 5). Hier zieht sich ein Graben etwa 125 Meter vor dem Herrenabschlag quer über den Fairway, so dass sich die bange Frage stellt: Mit Mut drüberweg oder vorlegen? Dahinter geht es dann etwas leichter voran, wobei hier ein Hügel die frühe Sicht auf das Grün verhindert. Und wenn man es sieht, sind da immer noch die Bunker. Dagegen ist Loch 14 (Par 4), abgesehen von den Bunkern vor dem Grün, eher ein „normales“ Loch. Das leichte Dogleg links von Loch 15 (Par 4) hängt nach rechts und droht mit hohem Rough links des Fairways, wenn man die Hanglage kompensieren will.

Loch 16 – Par 4 als Dogleg links – führt bergab und droht mit Bunkern genau am Knie rechts. Dagegen geht es am Loch 17, einem Par 3, bergauf, und drei Bunker verteidigen das Grün mit Zähnen und Klauen gegen direktes Anspiel. Wer hier im Bunker toppt, liegt schnell im hohen Rough hinter dem Grün. Den Abschluss bildet dann ein schönes Par 5 mit allen Schikanen: Abschlag entlang oder über ein ausgedehntes Wasser, zwei Doglegs – eins links, eins rechts – und reichlich Bunker im Fairway und am Grün.

Die gesamte Anlage macht einen ausgesprochen gepflegten und großzügigen Eindruck. Die Fairways sind saftig, gut gemäht und nie hart, und die Grüns beeindrucken durch ihre Schnelligkeit. Bisweilen sind sie auch gewellt oder abschüssig, was höchste Konzentration erfordert, will man nach dem Put nicht weiter als vorher vom Loch entfernt liegen. Dazu kommt die schöne Aussicht auf die Landschaft an verschiedenen exponierten Stellen. Man sollte sich hier  auch für den landschaftlichen Aspekt des Golfspiels Zeit nehmen und nicht nur auf Länge und Richtung der Schläge achten.

Auch die sonstige Infrastruktur dieses schönen Golfclubs macht einen ausgesprochen guten Eindruck, vom Sekretariat bis zum Golfshop. Die Gastronomie konnten wir bei dieser Runde leider nicht testen.

Frank Raudszus

 

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