Graham Swift: „Ein Festtag“

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Es ist Muttertag – Mothering Sunday – im Jahr 1924 in England. Jane ist Dienstmädchen im Hause Beechwood. Sie bekommt einen freien Tag, wie es Tradition ist, damit auch die Dienstmädchen ihre Mütter besuchen können. Nur hat Jane keine Mutter mehr, da sie ein Findelkind ist, das Unbekannte einst vor einer Kirche abgelegt haben. Stattdessen besucht sie ihren Liebhaber Paul, Sohn aeiner wohlhabenden Familie. Die beiden haben schon länger ein Verhältnis, und beide genießen die heimlichen Treffen. Doch dieses Treffen am Muttertag wird wahrscheinlich ihr letztes sein, da Paul demnächst standesgemäß heiraten wird.

Jane ist sich trotz ihrer einfachen Herkunft ihrer Rolle sehr bewusst und stellt keinerlei Forderungen an Paul. Sie genießt und weiß gleichzeitig sehr genau, dass ihr Verhältnis nicht ewig währen wird. Sie sieht sich selbst als Beobachterin ihres eigenen Lebens. Auch Paul betrachtet sie auf die selbe Weise und macht sich ihre eigenen, nüchternen Gedanken über ihn.

Überhaupt ist Jane generell eine sehr gute Beobachterin, etwa wenn sie ihre Dienstherrin oder die anderen Dienstboten beschreibt. Sie hat Freude an besonderen Ausdrücken wie „Altvordere“ oder „der Samen des Mannes“ und denkt über diese Begriffe nach. Sie liest gerne und taucht mit Vorliebe in fremde Welten ein.

Im Laufe des Romans wird der Leser Zeuge davon, wie dergeist einer jungen Frau erwacht und sich eine eigenständige und eigenwillige Gedankenwelt in ihr entwickelt, die schließlich dazu führt, dass sie sich aus der Rolle des Dienstmädchens befreit, in einem Buchladen zu arbeiten beginnt und schließlich Schriftstellerin wird. Der Roman hat Tempo und nimmt immer wieder überraschende Wendungen.

Das Buch ist Deutschen Taschenbuchverlag (dtv) erschienen, umfasst 142 Seiten und kosten 10,90 Eueo.

Barbara Raudszus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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