Gut gemeint ist nicht gut gemacht

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Im Theater mehren sich die Aktionen gegen Diskriminierung und einseitige Vorverurteilung des Islams. Dem haben sich auch die beiden aus dem alternativen Theatermilieu stammenden Darsteller Markus Schäfer und Markus Wenzel unter dem Logo „Markus&Markus“ angeschlossen. In ihrer Inszenierung „Zwischen den Säulen“ in den Kammerspielen des Staatstheaters Darmstadt unternehmen die beiden eine Reise zum Islam, die alle Phasen dieser Religion durchläuft und ihren Höhepunkt in der Konversion der beiden zum Islam und der „Hadsch“ nach Mekka gipfelt.

Die Begleitinformation – statt eines Programmheftes

Das Bühnenbild besteht aus einem Holzrahmen, der die fünf Säulen des Islam – das Fasten, das Gebet, die Spende, das Glaubensbekenntnis und die Wallfahrt nach Mekka – darstellen soll. Die beiden Darsteller beginnen mit einer Lesung im Chor aus Goethes „West-östlicher Divan“. Leider füllen sie die Texte nicht mit Leben sondern lesen sie so, wie es Schüler einer der höheren Schulklassen tun würden. Besondere interpretatorische Fähigkeiten lassen sich daran nicht erkennen. Ähnliches gilt für die kurze Unterrichtsstunde über die arabische Schrift an einer echten Schiefertafel. Das könnte witzig, ironisch oder in anderer Hinsicht prägnant sein, es bliebt jedoch darstellerisch halbherzig.

Das gilt im Grunde genommen für die gesamte, etwa eineinhalbstündige Aufführung, die wenig Bühnenpräsenz erkennen lässt. Das Geschehen spielt sich überwiegend auf der Videoleinwand ab und zeigt unter anderem die Konversion der beiden jungen Männer durch einen Imam in einer Moschee, bei der die beiden das Glaubensbekenntnis auf arabisch nachsprechen. Ob diese „Konversion“ echt oder gestellt ist, bleibt dabei im Dunkeln. Ihr sonstiger Bühnenauftritt – Kleidung, Sprache – lässt nicht auf tiefe Gläubigkeit schließen. Die ebenfalls gefilmte Reise zur Kaaba nach Mekka sieht tatsächlich echt aus, sieht man die beiden doch in weißen Gewändern in der Menschenmenge wandeln, was einem „Ungläubigen“ bei schwerer Strafe verboten wäre. Ob die beiden hier in einen offiziellen Film von der Kaaba hineinkopiert wurden, bleibt offen, denn es stellt sich auch die Frage, wer sie denn in aller Öffentlichkeit dort hätte filmen können.

Den Schluss bildet ein wieder gemeinsam vorgetragenes Manifest gegen religiöse Vorurteile, Intoleranz und Diskriminierung. Das erscheint als Schlusspunkt wegen seiner Offensichtlichkeit ein wenig wohlfeil, bringt aber den erhofften Beifall. Fazit: Markus&Markus bemühen sich, ein aktuelles Thema mit aufklärererischem Impetus auf die Bühne zu bringen, scheitern jedoch an mangelnder szenischer Umsetzung.

Frank Raudszus

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