Boyles neuer Roman „No Way Home“ zeichnet die ausweglose Geschichte dreier Protagonisten nach: Terry, ein angehender Arzt aus Los Angeles, Bethany, seine junge Geliebte, und Jesse, Bethanys Verflossener.
Terry übernimmt nach dem Tod seiner Mutter deren Haus in Boulder City, Nevada. Er beabsichtigt zwar nicht, dort einzuziehen, muss aber alle Formalitäten regeln. Zufällig trifft er dort auf die junge Bethany, die sich kürzlich von ihrem gewalttätigen Freund Jesse getrennt hat und eine Bleibe sucht. Sie ist hübsch und umgarnt den jungen Arzt, der zwar spürt, dass er lieber die Finger von ihr lassen sollte, sich aber gerne von ihr beglücken lässt. Bethany ist hoch verschuldet und hat keine Wohnung. Sie wittert die Chance, ihr Leben in geordnete Bahnen zu lenken, und zieht zu Terry in das Haus seiner Mutter. Dank einer gewissen Fürsorglichkeit und immer wieder erfüllendem Sex schafft sie es schließlich, sich bei Terry einzunisten. Sie versorgt den Hund Daisy und passt auf das Haus auf, wenn Terry zu seiner Dienststelle in Los Angeles fährt.
Soweit, so gut, wäre da nicht Bethanys ehemaliger Freund Jesse. Er ist Lehrer einer achten Klasse, fährt gerne mit seinem Motorrad durch die Gegend und feiert häufig mit seinen Freunden in diversen Kneipen. Da fließt dann tüchtig Alkohol, verstärkt durch den Konsum von Drogen. Doch Jesse ist eifersüchtig auf Bethanys neuen Freund. Schließlich ist sie sein Mädchen, auch wenn er sich ziemlich unschön von ihr getrennt hat.
T. C. Boyle zeichnet feinsinnig die Psychogramme der drei Protagonisten. Immer wieder lässt er sie aufeinandertreffen. Sie ziehen sich an und stoßen sich ab. Gewalt, Rachsucht und Eifersucht sind die Gegenpole zu Zärtlichkeit, Liebe und Verletzlichkeit. Boyle zieht alle Register in dieser schier ausweglosen Situation dreier junger Leute, die nicht voneinander lassen, aber auch nicht zueinander finden können. Das liest sich sehr spannend, treibt Boyle doch die handelnden Personen atemlos vor sich her. Dabei zeichnet er ein Bild der amerikanischen Gesellschaft, das aus Lethargie bei Bethany, toxischer Männlichkeit bei Jesse und Anstand und Bildung bei Terry besteht. Doch haben alle drei auch ganz andere Saiten, die Boyle meisterhaft zu spielen versteht.
Das Buch ist im Hanser-Verlag erschienen, umfasst 382 Seiten und kostet 28 Euro.
Barbara Raudszus


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